„Seid laut, richtig laut“ – Erfurts CSD war größer denn je
Bunt, laut, schrill, fröhlich – am Samstagnachmittag hatte die Erfurter Innenstadt ihren Soundtrack gefunden. Der Christopher Street Day brachte nach Angaben der Veranstalter etwa 5500 Demonstrierende zusammen. Die Polizei kommt auf 3000. Irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit, und über allem liegt: mehr Menschen als im Vorjahr. Vom Bahnhof aus zogen die Angereisten unter großem Polizeischutz zum Domplatz – für Demokratie und Vielfalt, für eine Gesellschaft, in der alle Menschen gleichberechtigt und frei leben können.
Kundgebung: Klare Worte statt Konfetti-Romantik
Bei der ersten Kundgebung ging es weniger um Glitzer als um Grundsätze. Die Redner sprachen sich vor allem für die Bekämpfung von Queerfeindlichkeit aus. Man merke in der Gesellschaft, dass immer wieder versucht werde, Minderheiten die Menschenwürde abzusprechen. „Seid laut, richtig laut, für Menschenrechte“, hallte es über den Domplatz.
Bunt, laut und politisch
Auch Thüringens Gleichstellungsbeauftragte Nadja Sthamer stellte klar, was dieser Tag ist – und was nicht nur. „Ja, der CSD ist bunt und laut, aber er ist vor allem eine politische Veranstaltung. Denn jede Person hat das Recht, so zu sein, wie sie ist. Sicher, sichtbar, frei“, sagte die SPD-Politikerin.
Die Forderungen: keine Wunschzettel, sondern Liste
Konkret verlangen die Veranstalter eine rechtliche Gleichstellung, den Ausbau queerer Strukturen und eine queer-inklusive Gesundheitsversorgung. Dazu kommen verpflichtende queersensible Aufklärung in Schulen, Fortbildungen für Fachkräfte und inklusive Räume für mehrfach diskriminierte queere Menschen.
Empowerment und Resilienz
Der Samstag war ohnehin nur der lauteste Tag eines längeren Programms: Seit dem 21. August lud das CSD-Bündnis zu verschiedenen Veranstaltungen, am 4. September wehte vor dem Rathaus die Regenbogenfahne. Das Motto: „Empowerment und Resilienz“.
Sieben Trucks – und einer davon gehört uns
Begleitet von sieben Trucks ging es durch die Innenstadt. Erstmals mit dabei: Funke Medien Thüringen. „Als Verlag stehen wir für eine offene und vielfältige Gesellschaft, in der jeder Mensch frei und ohne Angst leben und lieben kann“, sagte Geschäftsführer Michael Tallai. Der CSD mache sichtbar, dass diese Freiheit und Gleichberechtigung keine Selbstverständlichkeit seien und immer wieder verteidigt werden müssten. „Deshalb wollen wir nicht nur darüber berichten, sondern auch selbst ein Zeichen setzen. Dass wir in diesem Jahr mit einem eigenen Wagen dabei sind, ist für uns ein klares Bekenntnis zu Vielfalt, Respekt und einem toleranten Thüringen“, betonte Tallai.
Der Einsatz: ruhig, aber vorbereitet
Für die Polizei war der Tag ein größerer Einsatz. Die Erkenntnisse vom Anschlag auf den Berliner Christopher-Street-Day seien in die Einsatzplanung eingeflossen, sagte Polizeisprecher Denny Schlee vor der Veranstaltung. Am Abend fiel die Bilanz dann kurz und trocken aus: „Wir hatten eine störungsfreie CSD-Demo“, sagte Richard Gleitsmann, Pressesprecher von Erfurt Pride.
Applaus am Straßenrand
Was bleibt, ist vor allem ein Bild vom Straßenrand. „Mich hat besonders gefreut, dass viele Menschen aus der Bevölkerung am Straßenrand standen, applaudierten und Herzchen zeigten. Das ist ein toller Rückhalt durch die Erfurter.“
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