Freibier, Vinyl und Schattentanz: Was im Rosenkeller bis Jahresende lockt
Wenn die Tage kürzer werden, zieht es die Jenaer Nachtschwärmer wieder tief hinab ins historische Gewölbe. Der Rosenkeller startet in die kühle Jahreszeit mit einem Programm, das nach durchschwitzten T-Shirts, klirrenden Gläsern und durchgetanzten Nächten riecht. Weil der Kalender bis zum Jahresende vollgepackt ist, werfen wir hier einen Blick auf die Highlights – das komplette Programm gibt es wie immer direkt auf der Website des Rosenkellers.
Warum der Rosenkeller ein besonderer Ort ist
Der Rosenkeller ist mehr als nur ein Club: In gotischen Tonnengewölben aus dem 13. Jahrhundert, einst Weinkeller des Gasthofs „Zur Rosen“, entstand 1966 einer der ersten selbstverwalteten Studentenclubs der DDR. Bis heute wird der Ort von einem gemeinnützigen Verein betrieben – das schafft Raum für selbstverwaltete Entfaltung und ein Programm, das von der Szene für die Szene gemacht wird.
Programm im Rosenkeller Jena
Der Startschuss fällt am 9. Oktober mit einer lokalen Musikgruppe: Die Jenaer Band The Absence of Corners feiert eine Record-Release-Party für ihr 2023 erschienenes Debütalbum „Rebel“. Die Band verbindet Alternative Rock mit Elementen aus Punk, Pop, Soul, Grunge und Metal und setzt auf starken weiblichen Gesang – im Rosenkeller-Gewölbe klingt das besonders wuchtig und intim zugleich.

Am 10. Oktober teilen sich The Raccoonz, The World Domination und Süffig & Solide die Bühne. Für den Einlass gilt eine kurze Regel: „No place for hate“. Wer es synthetischer mag, sollte sich den 15. Oktober rot anstreichen: Das Bremer Performance-Duo Laturb bringt auf seiner „BRUTAL TOUR 2026“ eine explosive Mischung aus New Wave, Synthpop und kompromisslosem Elektropunk auf die Bühne.
Oktober: drei Bands, Elektropunk, neun Orte
Am 23. Oktober geht es über die Clubtür hinaus: Für die „Lange Nacht der Clubkultur“, die die Jenaer Szene gemeinsam organisiert, gilt: „Ein Ticket, neun Kulturorte, eine Nacht.“ Mit einem Bändchen kann man zwischen Rosenkeller, Café Wagner, KuBa, Spacement, Zeiss Planetarium, Mikro Club, Kassablanca, Haus auf der Mauer und Gewaexhaus wechseln – ein einzigartiges Format, das die ganze Bandbreite der Jenaer Clubkultur an einem Abend erlebbar macht.
Wiederkehrendes Programm
Am Tag danach setzt das Samstags-„Rose Nightclubing“ auf „All time favorites“ sowie US-HipHop und Trap. Jeden Samstag bietet der Rosenkeller auf zwei Tanzflächen ein breites Spektrum von Pop und Deutschrap über House und Drum’n’Bass bis Indie – ein klassischer Wochenend-Ausgang, bei dem man sicher ist, auf bekannte Gesichter aus der Unistadt zu treffen.

Richtig wild wird die Halloween-Woche: Am 29. Oktober lädt die Uni zum traditionellen Fassanstich in den Rosenkeller. Neben offiziellen Begrüßungsworten wartet das Wesentliche: Freibier und eine geladene Disco-Nacht. Am 30. Oktober zeigen die Red Velvets eine Burlesque-Show, anschließend folgt eine After-Halloween-Party. Die Red Velvets stehen für eine Mischung aus klassischem Burlesque, Cabaret, Akrobatik und interaktiver Varieté-Unterhaltung – schillernd, selbstbewusst und mit viel Mut zur Selbstinszenierung. Im düsteren Gewölbe des Rosenkellers wirkt diese Ästhetik besonders stark: funkelnder Glamour trifft auf mittelalterliche Steinbögen.
Comedy in Jena
Am 31. Oktober feiert Provinz-Comedy fünften Geburtstag mit noch geheimen Line-Up. Laut Club war es Thüringens erstes Open Mic für Stand-up. Für Comedy-Fans aus der Region ist das ein echtes Highlight: Provinz-Comedy hat sich über die Jahre zu einer festen Größe entwickelt und bringt regelmäßig neue und etablierte Stimmen auf die kleine Bühne im Gewölbe. Am selben Abend läuft das Halloween-Nightclubing, unter anderem mit dem ehemaligen Resident NHolic.
Treffpunkt der Szene
Der Rosenkeller ist auch ein Treffpunkt der Szene. Die monatliche Reihe „DEEP.DIVE KULTUR.JENA“ richtet sich an Musikschaffende und andere Kulturakteur:innen: am 13. Oktober mit LiveKomm und der Bundesstiftung Livekultur, am 10. November mit THAK und THEX. Es geht um Recht, Praxis und die Zukunft der Livekultur. Frontalvorträge soll es ausdrücklich nicht geben.

„Wer hat denn heute noch Vinyl? Du?!“, fragt der Club in der Ankündigung zur Plattenauktion am 4. November. Jede:r darf bis zu drei Schallplatten versteigern lassen. Wer ohne Platten kommt, zahlt einen Euro Kulturbeitrag. Ein Auktionator führt durch den Abend, die Platten werden angespielt, und jedes Gebot startet bei 50 Cent. Will niemand eine Platte haben, wird sie „unspielbar gemacht und umfunktioniert“. Was das genau heißt, findet ihr beim Besuch im Rosenkeller raus!
November: Melancholisch und Düster
Am Freitag, dem 13. November, gibt es die „Friday 13th Edition“ der Dark-Wave-Reihe „Schattentanz“. Zuerst spielen die Golden Apes, danach läuft düstere Clubmusik. Die Golden Apes stehen für melancholische, bassgewaltige Dark-Wave-Songs zwischen Post-Punk und Gothic – genau der Sound, der in den steinernen Gewölben des Rosenkellers besonders gut trägt. Für Konzert und Party gibt es auch ein Kombiticket.
Seltene Kombination in der Metalszene
Am 14. November folgen CAOSONORA, Ghostones und Zerynthia mit Stoner, Metal und Prog. CAOSONORA kommt aus Berlin, hat lateinamerikanische Wurzeln und singt auf Spanisch – eine seltene Kombination in der hiesigen Metalszene, die dem Abend eine eigene Note gibt. Für Fans von schweren Riffs, langen Soli und progressiven Strukturen ist das eine der interessantesten Nächte im Herbstprogramm.
Zum Jahresende bleibt der Kalender noch etwas leerer. Am 5. Dezember kommt Lumaraa mit ihrer „Kalte Tage Show“ zurück nach Jena. Die Rapperin ist bekannt für ehrliche, authentische Texte über Selbstbestimmung, Gesellschaft und Herzblut und bewegt sich zwischen Deutschrap, Pop und elektronischen Sounds. Bei den intimen Shows spielt sie Songs ihres neuen Albums zum ersten Mal live – im kleinen Gewölbe des Rosenkellers entsteht so eine Nähe, die in großen Konzerthallen kaum möglich wäre. Den vollständigen Kalender mit allen weiteren Events, Workshops und Ticket-Infos findest du auf der Website des Rosenkellers.
Hard Facts:
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