Skatepark statt Abstellgleis: Thüringer Städte rücken Jugend-Treffpunkte ins Zentrum
Treffpunkte für Jugendliche im öffentlichen Raum sind rar und fragil – auch in Thüringen. Fehlt das Geld, entstehen sie gar nicht erst. Werden sie doch realisiert, folgen häufig Debatten über Lärm, Müll und Sicherheit. Skateparks sind dafür das Musterbeispiel: das Rollen auf Beton, das Aufsetzen der Boards – in dicht bebauten Innenstädten kann das mit Wohnbebauung, Außengastronomie und Fußgängerzonen konkurrieren.
Thüringen: Skateparks zwischen Neuerungen und Bedenken
In Thüringen bleiben Skateparks von diesen Problemen und Vorurteilen nicht verschont. Dafür blicken wir auf zwei Thüringer Städte: Sowohl in Worbis als auch in Erfurt tut sich nämlich an den Skateparks etwas. Zunächst richtet sich unser Blick auf die Thüringer Mittelstadt. Wie die Stadt Leinefelde-Worbis mitteilt, beschloss der Ortsteilrat Worbis gemeinsam mit Bürgermeister Christian Zwingmann und der Stadtverwaltung, die drei großen Skate-Elemente vom Parkplatz am Stadion auf die Fläche hinter dem Rentamt zu versetzen. Der Parkplatz gehört damit wieder ganz den Sportler:innen und Zuschauer:innen, die Anlage rückt näher ans Zentrum.
Umgesetzt hat das im Spätsommer der städtische Bauhof. Beziffert wird die zusätzliche Investition auf rund 15.000 Euro – die Arbeitsstunden des Bauhofs nicht eingerechnet. In der Mitteilung heißt es als erste Bilanz außerdem: „Die Jugendlichen halten ihre Anlage in Ordnung, auch mit dem angrenzenden Spielplatz gibt es bislang keine Probleme.“ Ein Satz, der hängen bleibt. Denn die Aussage mag nett gemeint sein. Mitgeliefert wird trotzdem eine Erwartungshaltung. Im Wort „bislang“ schwingt eine Frist mit. Und wer eigens betont, dass es keine Probleme gibt, verdeutlicht, dass welche einkalkuliert sind.
Worbis: Warum Skateparks einen schlechten Ruf haben
Dahinter steckt ein Muster: Das Recht auf Aufenthalt im öffentlichen Raum wird bei Jugendlichen an Wohlverhalten geknüpft – ein Maßstab, den bei Erwachsenen niemand anlegt. Dass die Anlage zuvor am Stadion stand, also am Stadtrand, passt ins Bild. Der Umzug ins Zentrum verbessert zwar die Lage, in der Aussage stecken dennoch Unsicherheit und Skepsis. Dahingegen relativieren Studien solche Bedenken: Die von Skateparks ausgehende Lärmbelastung fällt im Schnitt eher gering bis moderat aus und hängt stark von Standort, Uhrzeit und Abstand ab.
Worbis versetzt Skatepark ins Zentrum
Prosoziales Verhalten – Respekt, Rücksicht, Pflege der Anlage – wird zudem häufiger beobachtet als antisoziales. Der schlechte Ruf entsteht vor allem dort, wo Skateparks abgelegen und schlecht beleuchtet sind. Man muss also sagen: alles richtig gemacht, Worbis. Und auch, wenn leichte Vorurteile im Zitat mitschwingen, können diese natürlich nicht unterstellt werden. Fest steht: Jugendkultur muss unterstützt werden, und darum kümmert sich die Stadt im Eichsfeld.

Anders klingt es in einer Mitteilung der Landeshauptstadt Erfurt. Laut Pressestelle, laufen auch im dortigen Nordpark seit dem 31. August 2026 umfangreiche Bauarbeiten am Skatepark und am angrenzenden Multifunktionsplatz. „Mit der Baumaßnahme wird der Nordpark als attraktiver Ort für Sport, Bewegung und Aufenthalt zeitgemäß weiterentwickelt“, heißt es in der Mitteilung neutral.
Erfurt: Licht, Leitungen, Tischtennisplatte
Konkret erhalten beide Bereiche im Erfurter Nordpark eine neue Beleuchtungsanlage, was die Nutzungszeiten in den dunklen Monaten verlängert. Zudem werden die Abwasserleitungen saniert, Beetflächen überarbeitet und teilweise zu befestigten Pflasterflächen umgestaltet. Zusätzlich kommt eine Tischtennisplatte dazu. Der Skatepark soll dabei so lange wie möglich nutzbar bleiben: Gesperrt wird nicht die gesamte Anlage, sondern nur der jeweils betroffene Bereich.
Warum sich der Aufwand lohnt
Skaten ist Sport ohne Vereinszwang, feste Trainingszeiten oder hohe Beiträge – und damit einer der wenigen niedrigschwelligen Zugänge zu Bewegung, in den es sich lohnen kann zu investieren. Skateparks sind Begegnungsorte über soziale und altersbedingte Grenzen hinweg. Wer solche Jugendangebote jedoch an den Rand schiebt, vermittelt jungen Menschen, dass sie im Zentrum nicht willkommen sind. Und auch wenn in der Thüringer Landeshauptstadt der Skatepark im Nordpark nicht unbedingt zentral liegt, zeigen Worbis und Erfurt mit ihrem Handeln, dass Jugendkultur mitgedacht werden muss.
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