Datenschutzeinstellungen

Rebellisch anders: Produktionsfirma aus Weimar denkt Filme machen neu

13. Oktober 2026 • Geschrieben von Claudia Dell
Svenja Vanhoefer, Charlene Kilthau und Chiara Fleischhacker von der Weimarer Filmproduktionsfirma Rebelle Film. Foto: Lisa Jilg

La vie (re)belle. Das Leben ist schön – und darf ruhig ein bisschen rebellisch sein. In diesem Wortspiel steckt mehr als ein Name: Es ist das Versprechen, die Filmbranche nicht einfach so hinzunehmen, wie sie ist, sondern sie ein Stück lebenswerter zu gestalten. Genau das hat sich eine Weimarer Produktionsfirma zum Ziel gesetzt.

Weimar: Zwischen Filmdreh und Alltag

Mit Rebelle Film wollen drei Frauen Filme ermöglichen, die die Menschen dahinter im Blick behalten. Im Zentrum stehen die Bedürfnisse von FLINTA*-Personen und Menschen mit Care-Verantwortung. Denn eine Filmproduktion soll nicht nur gute Geschichten hervorbringen, sondern auch unter Bedingungen entstehen, die ein gutes Leben zulassen.

Wenn der Drehplan das Leben bestimmt

 „Eine verantwortungsbewusste Produktionsweise ist in Zeiten schwindender Fördermittel umso wichtiger“, sagt Svenja Vanhöfer, Produzentin und Geschäftsführerin von Rebelle Film. Hinzu kommen strukturelle Bedingungen, die der Branche seit jeher Flexibilität und Mobilität abverlangen: Filmproduktionen setzen sich häufig aus Fördermitteln verschiedener Bundesländer zusammen. Gedreht wird dort, wo die jeweilige Förderung greift. Für Filmschaffende bedeutet das oft, den eigenen Lebensmittelpunkt den Produktionsbedingungen unterzuordnen. Immer mehr junge Produktionsfirmen suchen deshalb nach nachhaltigeren Arbeitsweisen. Auch Fördermittelgeber und Filmverbände müssten diesen Ansatz erkennen und stärken, findet Charlene Kilthau, Produzentin bei Rebelle Film. Bei den „Producers of Germany“ gibt es dafür bereits ein erstes Pilotprogramm.

Wie eng Produktionsbedingungen und erzählte Geschichten miteinander verbunden sein können, zeigt auch der Film, bei dessen Dreharbeiten sich die drei Frauen kennenlernten: Chiara Fleischhackers Langspielfilm „Vena“, der 2022 und 2023 in Erfurt, Weimar und Ludwigsburg entstand. Im Mittelpunkt steht Jenny, eine junge Frau mit Crystal-Meth-Abhängigkeit, die ungeplant schwanger wird und eine Haftstrafe antreten muss. Zwischen der Angst, erneut das Sorgerecht für ein Kind zu verlieren, und der Hoffnung auf einen Neuanfang erzählt der Film von Mutterschaft unter schwierigen Bedingungen, gesellschaftlichen Erwartungen und weiblicher Selbstbestimmung (filmportal.de). Themen, die auch für die inhaltliche Ausrichtung der später gegründeten Produktionsfirma relevant sind.

Vom Set zur eigenen Vision

Aus der gemeinsamen Arbeit an „Vena“ erwuchs der Wunsch, auch künftig miteinander Filme zu machen – und das in Thüringen. Was verschlägt die drei also nach Weimar, fernab der großen Filmzentren? Zunächst einmal muss gesagt werden, dass die Region nicht ganz so filmfern ist, wie es auf den ersten Blick scheint: Mit Unternehmen wie beispielsweise ostlicht filmproduktion oder 1meter60 haben sich hier längst Produktionsfirmen etabliert, die mit Spiel- und Dokumentarfilmen ein vielfältiges Filmschaffen prägen.

Wertvolle Expertise

Für die drei Gründerinnen sprechen zudem ganz persönliche Erfahrungen für den Standort. Die Arbeit an „Vena“ hat sie mit der Region vertraut gemacht, ein unterstützendes Umfeld und ein eingespieltes Team sind entstanden. Weimar bietet mit der Bauhaus-Universität und ihren vielen jungen Studierenden kreatives Potenzial. Im Bereich Sound ist es für Filmschaffende wertvoll, auf Expertise vor Ort zurückgreifen zu können. „Es kann probiert werden, ohne lange Dienstwege“, erinnert sich Vanhöfer an die Arbeit an ihrem Dokumentarfilmprojekt „Monsieur, notre facteur“. Der Film, der in Weimar und Frankreich gedreht wurde, porträtiert Raymond Renaud, einen 102- jährigen Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald.

Das Dokumentarfilmprojekt „Monsieur, notre facteur“ porträtiert das Leben des 102-jährigen Raymond Renaud – einem Überlebenden des KZ Buchenwald. Foto: Rebelle Film / Lisa Jilg

Für Kilthau liegt ein besonderer Reiz der Region darin, dass sich hier noch viel mitgestalten ließe. Auch lägen hier noch viele Geschichten in der Luft. Vor allem der Osten und die Menschen, die hier leben, interessieren die drei Produzentinnen. Die Filmszene erleben sie als offen, lebendig und unterstützend. Weimar ist für Rebelle Film damit nicht einfach ein Standort abseits der großen Zentren, sondern ein Ort, an dem sich eigene Wege entwickeln und gemeinsam neue Perspektiven eröffnen lassen.

Filme starten durch

Aktuell ist „Vena“ in der ARD Mediathek verfügbar. „Monsieur, notre facteur“ soll 2027 auf Festivals und ab Frühjahr in der MDR Mediathek zu sehen sein. Zwei erste Zeugnisse dafür, wie Rebelle Film neue Perspektiven vor der Kamera mit mehr Solidarität dahinter verbindet.

Mehr Cooltur-News aus Thüringen:

Image
Image
Image