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Soffie vor Erfurt-Konzert: „Wir müssen handeln, immer, wenn wir es können“

7. November 2026 • Geschrieben von Florian Dobenecker
Soffie heizt der Engelsburg ein. Foto: Nadja Schütze.

Vom TikTok-Hype zur starken Stimme einer ganzen Generation: Anfang 2024 stürmte Soffie mit „Für immer Frühling“ nicht nur die Charts, sondern lieferte auch den Soundtrack für die bundesweiten Demonstrationen gegen Rechtsextremismus. Doch die deutsche Indie-Pop-Sängerin, Songwriterin und Produzentin ist weit mehr als ein Viral-Phänomen. Musikalisch kombiniert sie einfühlsamen Deutsch-Pop mit dynamischen Indie-Rock- und Elektro-Elementen.

Soffie kommt nach Erfurt


Am 23. Oktober 2026 erschien ihr Debütalbum „Kein Streit, den man nicht lösen kann“ – ein tiefgründiges Werk über Versöhnung, Mut und zwischenmenschliche Dynamiken. Passend dazu startet ihre „Für mich da Tour 2026“, die sie am 19. November auch live in den Erfurter Kalif Storch führt. Im t.akt-Interview spricht Soffie über ihr neues Album, Haltung und emotionale Ehrlichkeit.


Du warst ja schon in Erfurt bzw. in Thüringen. Welche Erinnerungen kannst du dazu mit uns teilen?


Tatsächlich war ich letztes Jahr das erste mal in Erfurt und war total überrascht davon, wie schön die Stadt, vor allem die Altstadt ist. Und auch die Leute waren extrem herzlich, ich freue mich jetzt schon wieder sehr auf unsere Show dort!

„Für immer Frühling“-Star Soffie erobert die Konzertbühne in Erfurt. Foto: Chiara Noemi Müller

Mit deiner „Für mich da“-Tour kommst du im November nach Erfurt und spielst dort für alle, die mehr für sich da sein wollen. Wie bist du denn selbst für dich da?


Mit Geduld und Mitgefühl. Ich muss nicht immer perfekt handeln oder perfekt reagieren, das wäre auch vollkommen utopisch und unrealistisch. Wir sind Menschen und Menschen machen Fehler. Ich trage aber die Verantwortung dafür, Fehler zu erkennen und diese zu korrigieren, vor Allem wenn Andere ebenfalls betroffen sind, zum Beispiel in Streitsituationen.
Das braucht die Fähigkeit der Selbstreflexion und die bekommt man glaube ich nur, wenn man ehrlich mit sich selbst sein kann, ohne Gefühlen wie Scham oder Wut die Kontrolle zu überlassen. Das hat in meinem Fall sehr viel Übung und Therapie gebraucht aber ich fühle mich so Selbstsicher wie noch nie in meinem Leben.


Deine neue Tour soll alles bündeln, was du über dich und deine Kunst gelernt hast. Fallen dir da konkrete Beispiele für Charakterzüge und prägende Angewohnheiten ein, die du vielleicht vor ein paar Jahren noch nicht so wahrgenommen hast?


Es fällt mir mittlerweile sehr viel leichter, Entscheidungen zu treffen. Ich war früher viel unsicherer und hatte oft Probleme, meinem eigenen Urteil zu vertrauen. Heute weiß ich viel genauer wer ich bin oder was ich will. Das fühlt sich ziemlich gut an.
Am 23. Oktober hast du „Kein Streit den man nicht lösen kann“ releast. Welches Gefühl begleitete die Veröffentlichung deines Debütalbums?


Erleichterung. Meine letzten drei Jahre waren extrem von dem Gefühl geprägt, Erwartungen gerecht zu werden. Ob von Anderen oder mir selbst wusste ich glaube ich die meiste Zeit gar nicht. Es fühlte sich aber auf jeden Fall an, wie ein Rennen gegen mich selbst. Jetzt habe ich zum ersten Mal seit Langem das Gefühl, mich mal etwas ausruhen und durchatmen zu dürfen.

In einer Songzeile sprichst du davon, dass du heute endlich sehen kannst, dass es ein Geschenk ist, einen Körper zu haben, der nicht weh tut – völlig egal, wie dieser aussieht. Wie war dein Weg zu dieser positiven und ausgeglichenen Erkenntnis hin?


Ich glaube eine konkrete Situation, die diese Zeile inspiriert hat, war die Leukämie-Erkrankung meiner Mutter vor einigen Jahren. Gesundheit ist etwas so Fragiles und wir können sie jeden Moment für immer verlieren. Das vergessen wir viel zu schnell, wenn wir sie haben.


Der Aussage „Politik hat in der Musik nicht verloren“ setzt du entgegen, dass alles politisch ist, und engagierst dich mit Songs wie „Fous!“ und coolen Clips auf Social Media politisch – auch mit klarer Kante gegen die AfD. Was macht diesen Aktivismus heutzutage für dich so essentiell?


Besonders in Zeiten wie diesen ist es extrem wichtig, politische Haltung nicht als ein isoliertes Phänomen zu betrachten. Das ist etwas, bei dem man sich keinen perfekten Moment aussuchen kann. Jede einzelne alltägliche Entscheidung, die wir treffen, spricht eine Sprache und setzt ein Statement. Welche Produkte wir kaufen oder NICHT kaufen und aus welchem Grund? Mit wem und wo wir unsere Zeit verbringen, ob wir auch mit unseren Freund*innen über Politik sprechen?

Wer behauptet, Politik habe in einem bestimmten Bereich nichts zu suchen, genießt ein riesiges Privileg: Selbst keine Ungerechtigkeiten nur aufgrund seiner/ihrer Identität zu erfahren. Unterdrückte Gruppierungen können niemals selbst entscheiden, wann ihre Unterdrückung für sie zum Problem wird. Genau deshalb ist es wichtig, dass privilegiertere Menschen nicht ihre Augen verschließen, nur weil es so bequemer ist. Wir müssen handeln, IMMER, wenn wir es können. Wer das nicht versteht, ist meiner Meinung nach einfach feige.


„Für immer Frühling“ war vor zwei Jahren dein großer Durchbruch und sozusagen der Soundtrack vieler Demos gegen Rechts. Was hat sich seitdem für dich verändert und wie siehst du ganz persönlich diesen Song zu deinem Erfolg?


Dieser großen Sache, die mir im Januar 2024 passiert ist, verdanke ich eigentlich meine ganze Karriere. Ich hatte einen sehr schwungvollen Start in diese Branche, was Fluch und Segen zugleich war. Ich kann auch immer noch nicht ganz glauben, was in den letzten Jahren passiert ist, aber ich bin extrem dankbar dafür, all das erleben zu dürfen. Die kommende Tour, zum Beispiel, wäre ohne Für immer Frühling wahrscheinlich gar nicht so möglich.

Hard Facts:

  • Was: SOFFIE – „Für mich da Tour“
  • Wann: Donnerstag, 19. November | 20 Uhr
  • Wo: Kalif Storch | Zum Güterbahnhof 20 | Erfurt
  • Hier geht’s zu SOFFIE’s Instagram und Tickets!

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