Tierheim-Rave: Erfurt feiert Technoparty für Hündchen und Kätzchen
Feiern gehen, guten Techno hören und dabei Gutes tun – in Erfurt geht das kommende Woche Hand in Hand. Auf der Tanzfläche wird geraved und am Ende landet das Geld bei denen, die Unterstützung brauchen. Am 7. November geht das Format als „Klubnacht N°133 X Charity Rave“ im Kalif Storch in die nächste Runde. Die Einnahmen kommen dem Erfurter Tierheim und der Erfurter Interessenvertretung für Obdachlose zugute. Wie Benni Mender aka „Sonitus“, einer der Resident-DJs des Clubs und Initiator der Aktion, erzählt, begann alles mit einer ziemlich gewöhnlichen Idee und einer Geburtstagsfeier.
Kalif Storch feiert in Erfurt für Tiere
„Ich hatte Lust, ein bisschen größer zu feiern“, erzählt er im Gespräch mit dem t.akt-Magazin über den ersten Charity Rave im vergangenen Jahr. Er mietete den Club, lud Freunde ein und startete eine WhatsApp-Gruppe. Die wuchs schneller als gedacht: Rund 700 Menschen waren dabei. Benni rechnete nach und kam zu dem Schluss, dass sich mit der Party durchaus Geld verdienen ließe. Nur wollte er den Gewinn nicht selbst behalten. Seine Idee: Das Erfurter Tierheim sollte profitieren.
Die WhatsApp-Gruppe explodierte
Das Konzept ging auf. Beim ersten Rave kamen 900 Euro zusammen. Und kaum war die Veranstaltung vorbei, fragten die Gäste schon nach einer Fortsetzung. Beim zweiten Anlauf waren schließlich 1000 Menschen in der WhatsApp-Gruppe – das Maximum. Mehr als 500 Gäste feierten im Kalif Storch, alle DJs legten kostenlos auf. Am Ende standen 2200 Euro für das Tierheim auf dem Zettel.
Für Benni ist das mehr als eine nette Geste. „Ich finde es grundsätzlich sehr traurig, dass so viele Tiere im Tierheim landen“, sagt er. Manche Tiere kämen aus schlechten Haltungsbedingungen, andere aus aufgelösten Zuchten. Wer das Tierheim besuche, merke schnell, wie viele „schöne und tolle Tiere“ dort auf ein neues Zuhause warteten. Benni war selbst mehrfach vor Ort: „Ich finde es einfach schlimm, wenn Tiere unter dem leiden müssen, was Menschen ihnen antun oder durch ihr Verhalten verursachen. Diese Tiere haben gute Pflege und Bedingungen verdient, die ihnen gerecht werden.“
Mehrere Hundert Tiere im Jahr
Auch Annika vom Tierheim Erfurt erzählt im Social-Media-Betrag zur Party, wie wichtig Unterstützung ist. „Wir nehmen jedes Jahr mehrere Hundert Tiere auf“, sagt sie. Viele blieben deutlich länger als geplant. Spenden helfen dabei, Unterkünfte zu verbessern, zusätzliche Plätze zu schaffen und Spezialfutter zu finanzieren. Auch komplizierte Verletzungen, Operationen und besondere Ausstattungen verursachen Kosten, die der Tierheimverein mithilfe von Spenden übernimmt.
Charity Rave soll Aufmerksamkeit schaffen
Doch es geht nicht nur ums Geld. „Gerade die Tiere, die sich nicht sofort zeigen oder direkt in den Vordergrund drängen, sollen schließlich ebenfalls ein Zuhause finden“, erklärt Annika. Wenn ihre Geschichten und Bilder geteilt würden, steige die Chance, dass sie von den richtigen Menschen entdeckt werden. Der Charity Rave soll deshalb auch Aufmerksamkeit schaffen, und vielleicht den einen oder anderen dazu bringen, vor dem Gang zum Züchter erst einmal im Tierheim vorbeizuschauen.
Dabei zählt nicht nur die spontane Begeisterung für große Augen und tapsige Pfoten. Annika appelliert an alle, die über ein Haustier nachdenken: „Tiere werden älter. Sie bleiben nicht für immer klein und niedlich, sondern werden vielleicht irgendwann alt oder krank.“ Auch veränderte Lebensumstände und Tierarztkosten müssten eingeplant werden. Wer gerade kein Tier aufnehmen könne, könne das Tierheim trotzdem unterstützen.
Die DJs spielen kostenlos
Laut Benni passt das Charity-Projekt zum sehr gut Selbstverständnis des Clubs. Der Kalif sei ein „Safer Space für alle“ und zugleich ein kultureller Ort, an dem sich Menschen einbringen könnten. „Für soziale Ideen hat man dort ein offeneres Ohr.“ Von den Einnahmen werden nur die fixen Veranstaltungskosten bezahlt. Die DJs spielen kostenlos. Was danach übrig bleibt, wird gespendet. Laut Benni könnte das diesmal noch mehr werden, als bei den beiden vergangenen Raves.
Kalif Storch sensibilisiert mit Charity Rave
Schön wäre es. Nicht zuletzt für die das Tierheim Erfurt, dem neben dem Geld noch ein weiter Faktor des Raves zugute kommt. Junge Menschen und Feiernde, die den Kalif Storch besuchen, werden auf die Lage der Tiere aufmerksam gemacht. Das sensibilisiert nicht nur für Spenden, sondern regt vielleicht auch dazu an, bei einer zukünftigen Adoption zuerst an das Erfurter Tierheim statt an den Züchter zu denken. Außerdem zeigt der Charity Rave, dass Clubkultur mehr kann als Eskapismus. Formate wie diese im Kalif Storch zeigen, dass die Techno- und Raveszene eine starke Gemeinschaft ist, die ihre Räume und ihre Strahlkraft nutzt, um ganz konkret gesellschaftliche Hilfe zu leisten.
Hard Facts:
- Charity Rave: 7. November ab 23 Uhr
- Wo: Kalif Storch Erfurt | Zum Güterbahnhof 20
- Mehr Infos findet ihr auf der Homepage des Clubs
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