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Vom „Schandfleck“ zur Bühne: in Erfurt öffnet ein neuer Kulturort

6. November 2026 • Geschrieben von Ianthe Paul
„Was daraus werden kann“ zeigt die Backstage Garage am Erfurter Herrenberg. Foto: Holger Wetzel

Bands, Spraydosen und ein Song über den eigenen Stadtteil: Am Samstag, 7. November, öffnet am ehemaligen Herrenberg-Center im Erfurter Südosten die Backstage Garage.Von 10 bis 21.30 Uhr will das Erfurter Unternehmen Mittelgrün Reisen dort etwas zeigen: was aus einem Gebäude werden kann, das viele schon abgeschrieben haben. Der Eintritt ist frei.

Ein Ort mit Ruf und mit Geschichte

„Lost Place“, „Schandfleck“: So reden viele Erfurter über das ehemalige Herrenberg-Center. Der denkmalgeschützte Komplex eröffnete 1987 als Versorgungszentrum für das Neubaugebiet. Ab 2015 diente eine ehemalige Kaufhalle dort rechtsextremen Gruppen als Treffpunkt, darunter die Partei „Der III. Weg“. Dagegen stellten sich Bewohner, Initiativen und das Stadtteilzentrum. Ende 2020 endete die Nutzung. Hier setzt Eric Lubadel an, Chef von Mittelgrün Reisen: „Warum reden wir immer nur darüber, was hier einmal war? Warum zeigen wir nicht, was daraus werden kann?“

Plan B am Herrenberg

Möglich macht das Projekt eine Förderung zum Erfurter Kulturjahresthema „KulturOrtsWechsel“. Die Idee dahinter: Kultur soll an ungewöhnliche Orte kommen. Eigentlich wollte Mittelgrün Reisen die Tunnel am Schmidtstedter Knoten in eine Kulturmeile verwandeln. Weil die Anlage inzwischen gesperrt ist, zog das Team in die Garage am Herrenberg um. Für Lubadel ist das Gebäude „architektonisch ein ziemlich imposanter Klotz“, mit vielen Ecken und Winkeln. Kulturorte in dieser Größe gebe es in diesem Teil Erfurts kaum.

„Was daraus werden kann“ zeigt die Backstage Garage am Erfurter Herrenberg. Foto: Holger Wetzel

Auf der Bühne spielen Erfurter Newcomer verschiedener Genres, die bisher selten auftreten konnten. An einer Instrumentenstation können die Gäste selbst ausprobieren, Musik zu machen. Beim Workshop „Dein Herrenberg-Song“ schreiben die Teilnehmenden Texte, etwa über ihren Stadtteil. Mithilfe künstlicher Intelligenz wird daraus Musik, ganz ohne Vorkenntnisse. Wer mag, stellt seinen Song abends auf der Bühne vor.

Gemeinsame Kunst


Zusammen mit dem Kreativhaus Erfurt sollen außerdem die grauen Garagenwände bemalt werden. Ein Motiv ist nicht vorgegeben. Es gehe darum, „gemeinsam etwas zu schaffen“, sagt Lubadel – nicht um ein Zeichen gegen illegale Graffiti. Außerdem gibt es Mal- und Bastelangebote, betreute Spiele für Kinder, einen Flohmarkt sowie Kaffee und Kuchen.

Mitmachen gehört zum Konzept

Fertig ist die Backstage Garage noch nicht, und das ist Absicht. Eine klassische Veranstaltungshalle soll hier nicht entstehen. Stattdessen soll sich der Raum mit den Ideen der Menschen verändern, die ihn nutzen. Vor Ort können Gäste über Umfragen, Formulare oder im Gespräch Vorschläge machen. Für den Aufbau, den Abbau und den Tag selbst werden noch Ehrenamtliche gesucht. Sie seien „keine kurzfristigen Lückenfüller“, sagt Lubadel. Gleichzeitig betont er: Professionelle Arbeit müsse fair bezahlt werden. Auch Vereine, Initiativen und Unternehmen können sich beteiligen.

Erfurts Backstage Garage bleibt absichtlich unfertig und wächst mit den Besucher:innen. Foto: Backstage Garage / Mittelgrün Reisen

Wie es weitergeht, ist offen. Das hängt laut Lubadel davon ab, wie viele Menschen kommen und wie viele sich beteiligen. Bald denkbar seien zum Beispiel ein Herrenberg-Wintermarkt, weitere Workshops und kleinere Veranstaltungen. Auf längere Sicht sieht er Platz für Proberäume, Angebote für Jugendliche und Ausstellungen im ganzen früheren Center. Dafür brauche es aber Partner, Geld und die Zusammenarbeit mit dem Eigentümer. Wer den Herrenberg bisher nur aus den Schlagzeilen kennt, kann sich am 7. November selbst ein Bild machen. Und zeigen, was ein Stadtteil ohne große Kulturorte daraus machen kann.

Hard Facts:

  • Was: Backstage Garage Eröffnung
  • Wann: Samstag, 7. November 2026, 10 bis 21.30 Uhr
  • Wo: Stielerstraße 1, 99099 Erfurt
  • Eintritt frei

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