Kinky-Party „Tabulos“ erobert Erfurt und will mehr als „nur“ Sex und Techno
„Keine Zuschauer, nur Beteiligte“: Das Motto ist bei Tabulos längst mehr als ein Slogan. Die Party im Central Club Erfurt feiert am 14. November ihren dritten Geburtstag und hat ihr Konzept in dieser Zeit deutlich geschärft. „Wir wollen keine Menschen auf der Party, die nur gaffen“, sagt Mike, der Tabulos gemeinsam mit Sarah und vielen ehrenamtlichen Helfer:innen veranstaltet. Gemeint ist ausdrücklich kein Mitmachzwang bei sexuellen Aktivitäten. „Beteiligung bedeutet für uns, Spaß an der Party zu haben, mitzufeiern und Teil des Abends zu sein“, betont Sarah.
Tabulos feiert in Erfurt
Am Anfang seien manche Gäste vor allem zum Schauen gekommen, erinnert sich Mike im Interview mit dem t.akt-Magazin. Heute soll schon der Einlass zeigen, ob jemand die Idee verstanden hat. Der Dresscode ist deshalb kein dekoratives Extra: Lack, Leder, Latex, Harness oder Fantasy-Looks sind willkommen, Alltagskleidung bleibt draußen. „Wer sich Gedanken über sein Outfit gemacht hat, hat sich in der Regel auch mit dem Konzept auseinandergesetzt“, sagt Sarah. Entscheidend sei aber auch das Auftreten. Passt es menschlich nicht, kann der Einlass verweigert werden. Der Eintritt wird dann zurückerstattet.
Tabulos feiert ein offeneres Clubgefühl
Auch das Konzept hat sich verändert: Statt intime Erlebnisse vor allem in separate Räume zu verlagern, setzt Tabulos auf ein offeneres Clubgefühl mit Nischen und Rückzugsorten. „Das ist unsere Party und die unseres Teams. Wir müssen uns damit wohlfühlen“, sagt Sarah über den Entschluss, sich weniger nach den Wünschen anderer zu richten. Statt einzelner Shows, die nach wenigen Minuten vorbei sind, entwickelt ein Team aus etwa zehn Personen Erlebnisse, an denen Gäste teilhaben können. Externe Acts gibt es weiterhin, doch die Community soll stärker im Mittelpunkt stehen.
Und das Konzept zahlt sich aus. Tabulos zieht offenbar mehr Publikum an: Im Januar des 2025 feierte die Kinky-Party mit rund 250 Gästen, bei der jüngsten Party waren es laut Mike mehr als 600. Auch das Publikum werde jünger und vielfältiger; queere Gäste kämen langsam zurück. Sarah freut sich besonders über Crossdresser und Puppys, die sich auf anderen Partys teils nicht angenommen gefühlt hätten. „Die Leute sollen wissen, dass es uns gibt und dass wir sie gern bei uns haben“, sagt sie.
„Keine Zuschauer“ im Club
Damit aus Offenheit auch Sicherheit wird, setzt Tabulos auf klare Regeln. Handys sind im gesamten Club tabu – nicht nur abgeklebt, sondern sie müssen draußen bleiben oder können es abgeben. Es gibt Kontrollen am Eingang, Security und ein Team, das an gelben Westen oder Logos erkennbar ist; weitere Mitglieder beobachten unauffällig das Geschehen. Wer Grenzen missachtet, muss gehen. Das Team wurde intern geschult; weitere Awareness-Schulung sind geplant. Für Gäste, denen es nicht gut geht, gibt es einen Rückzugsort.
Verzicht auf Alters- und Schönheitsideale
Zum Safer Space gehört für Mike und Sarah auch, auf künstliche Alters- und Schönheitsideale zu verzichten. Willkommen sind Erwachsene ab 18 Jahren, eine obere Altersgrenze gibt es nicht. Niemand soll wegen Körperform oder Aussehen abgewertet werden. Das Handyverbot schützt die Privatsphäre: Was auf der Party passiert, soll nicht ungefragt in sozialen Netzwerken landen. „Die Menschen müssen wieder miteinander in Kontakt treten“, sagt Mike. „Und sie wollen das auch“, ergänzt Sarah.
Zur Birthday Edition gibt es neben Party- und House sowie Techno auch einen Hip-Hop- und R’n’B-Floor. Rock oder Gothic könnten künftig dazukommen. Drei Floors, ein Paarbereich und vielleicht sogar neue Spielzeuge sind für den 14. November angekündigt.
Tabulos Community
Eine geschlossene Community außerhalb der Partynächte ist allerdings noch im Werden. Auf Instagram hat das Team dazu eingeladen, Mitfahrgelegenheiten oder gemeinsame Anreisen zu organisieren. Bisher werde das Angebot nur verhalten genutzt. Trotzdem erlebt das Duo Rückhalt: Wenn online gegen Tabulos gehetzt wird, widersprechen oft Gäste selbst. „Mittlerweile haben wir unter den Menschen, die unsere Partys besuchen, tatsächlich eine Community, die hinter uns steht“, sagt Mike.
„Einfach wohl fühlen“
Für Neulinge hat Sarah einen einfachen Rat: offen sowie ohne Vorurteile kommen – und lächeln. Wer unsicher ist, kann das Team ansprechen; es nimmt sich Zeit, erklärt Abläufe und zeigt den Club. Tabulos will einen Ort schaffen, an dem Menschen sich ausprobieren können, ohne zum Spektakel für andere zu werden. Oder, wie Mike sagt: „Die Menschen sollen sich einfach bei uns wohl fühlen.“
Hard Facts:
- Was: Tabulos Party in Erfurt
- Wann: 14. November ab 20 Uhr
- Wo: Central | Am Wasserturm 8-10
- Hier erfahrt ihr mehr!
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