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Thüringens größter Lost Place feiert Neueröffnung mit Gutshof und Ghostbusters

1. Oktober 2026 • Geschrieben von Ianthe Paul
Die Sophienheilstätte feiert Hochzeit mit dem Sophienhof. Foto: Marcel Hanslok

Am 3. Oktober eröffnet der Sophienhof im Dorf München bei Bad Berka. Sechs Wochen nach der Übernahme, mit Alpakas, Festzelt und einer Lungenklinik-Ruine als Nachbarin. Wie Goilina Kayser, die Eventmanagerin, und Sophienhof-Mitarbeitende Linda Hoffmann im Gespräch erzählen, sollen Gutshof und Sophienheilstätte nach Jahrzehnten endlich wieder zusammengehören.

Sophienhof und Sophienheilstätte in München bei Bad Berka

Die beiden reden ständig von „oben“ und „unten“. Oben, auf dem Emskopf, steht die Sophienheilstätte – 1898 eröffnet als Klinik für lungenkranke Männer, benannt nach Großherzogin Sophie von Oranien-Nassau. Die Therapie damals: Ruhe, Höhenluft, Wald. Später kamen Labore, Röntgen, Operationen dazu, das Haus wuchs als Krankenhaus auf 200 Betten. Zeitzeugen nannten es „Hustenburg“. 1994 war dann Schluss. Das historische Gebäude wurde geräumt und dem Verfall preisgegeben.

Sophienheilstätte bei Bad Berka trotzt 30 Jahren Leerstand. Foto: Marcel Hanslok

Unten, 900 Meter bergab, liegt der Sophienhof, der die Klinik versorgte: Landwirtschaft, Küche, Schlachtung, ab 1912 auch Arbeitstherapie für Patienten. Nach der Schließung wurde daraus alles Mögliche – zuletzt der Gasthof “Henriettenhof”. Der Eigentümer des Hofes blieb, die Pächter wechselten häufig.

Zusammenspiel der Orte

Getrennt waren die beiden Orte aber nie ganz. „Wenn wir oben eine Veranstaltung hatten – letztes Jahr zum Beispiel eine Hochzeit –, haben die Gäste hier unten im Herrenhaus geschlafen“, sagt Goilina. Jetzt gehören beide Ensemble demselben Eigentümer. Um diese Zusammengehörigkeit auch in die Öffentlichkeit zu tragen, wurde erstmal der Name angepasst: Sophienhof und Sophienheilstätte umfassen zusammen inklusive Parkfläche jetzt etwa 40 Hektar.

Drei Jahrzehnte Verfall

Um die 30 Jahre stand die ehemalige Lungenheilstätte leer. Es gab viele gescheiterte Pläne. In der Zwischenzeit machten sich Einbrecher über Fenster, Heizkörper und alles, was nicht Niet und Nagelfest war her. Im Jahr 2015 brannte eine historische Liegehalle komplett ab.

Gleichzeitig wuchs der Mythos um das Gebäude. Urban Explorer kamen, Geister-Suchende und auch Filmteams – „Tatort“ und „In aller Freundschaft“ haben in der Sophienheilstätte gedreht. Heute kommt man nur über Touren oder Buchungen rein. Manche finden das frech, sagt Goilina – bis sie das Gebäude selbst erleben: „Das ist kein Lost Place, wie ich ihn kenne, wo ich einfach reingehe. Hier steckt mittlerweile Arbeit drin.“ Und auch eine Alarmanlage, weil nach jeder Reparatur prompt jemand wieder etwas kaputt gemacht hat.

Der Erhalt der Sophienheilstätte

Doch was passiert jetzt mit der Heilstätte? Laut Goilina hat der Komplex „etwa die Größe von 100 Einfamilienhäusern, die nebeneinanderstehen“. Komplett sanieren? Unrealistisch sagt Linda und fügt an: „Aber den Erhalt zu finanzieren – das ist das Ziel.“

Magnet für Gruselfans

Ein Krankenhaus, in dem Menschen an Tuberkulose starben. Alte Operations- und Krankehauseinrichtung findet man in manchen Räumen noch. Kein Wunder, dass der gruselige Keller von Geistersuchenden für paranormale Experimente gemietet wurde. Und trotzdem: Der Ort fühlt sich nicht verlassen an, sondern wie einer, der gerade aufatmet. Gruselig ja, bedrohlich nein. Eher, als wären die Geister ganz froh, dass wieder jemand da ist, der Gutes für diesen Ort möchte.

Die Sophienheilstätte einer der bekanntesten Lost Places in Thüringen. Foto: Susanne Seide

Die Heilstätte wird regelmäßig von Freunden des Abseitigen gebucht. Der Stammgast komme aus Polen, bucht sie das ganze Ensemble und untersucht Paranormales. Auch die Ghostladies aus Berlin waren bereits zu Besuch. Drei Frauen, die geschichtsträchtige, verlassene Orte („Lost Places“) bereisen, um mithilfe von technischem Equipment und Untersuchungen dem Übersinnlichen und der Frage nach einem Leben nach dem Tod auf den Grund zu gehen.

Geisterhafte Begegnung

Für Schauergeschichten liefert die alte Klinik den perfekten Nährboden. So erzählt Goilina von einer Gruppe, die sich im Dachboden einschloss. Eine Person setzt sich für ein Experiment mit verbundenen Augen und Ohren auf einen Stuhl, drumherum Katzenspielbälle, die bei Berührung leuchten. Über Kopfhörer ist sie mit einem Funkgerät verbunden, das in ihrer Kapuze steckt. Irgendwann spüre sie, wie jemand das Gerät herauszieht, greift hinter sich – da ist niemand. Die Freunde, die aus der Ferne zusehen, bemerken: Kurz bevor sie die Hand bewegt, leuchten hinter ihr die Bälle auf.

Zufall oder Spuk?

Ein anderes Entdecker-Team stellt sechs Kameras in einem Raum auf, alle eingeschaltet, um die Nacht zu filmen. Am nächsten Morgen: keine einzige Aufnahme. Eine Kamera vergisst man mal anzuschalten. Aber sechs?

Nachts betritt Goilina die Sophienheilstätte nicht, außer zu Halloween. „Ich muss in diesem Haus ja noch arbeiten. Und wenn mir der erste Geist begegnet, kann ich das nicht mehr.“ Linda nimmt es sportlicher. Ihr ist nur eines wichtig zu erwähnen: „Es war eine Heilstätte, kein Krankenhaus und keine Endstation. Ganz viele blenden die Erfolge aus, die dort gefeiert wurden.“ Zeitzeugin Frau Ammon, die bis 1994 in der Klinik tätig war, erzählt bei ihren regelmäßig stattfindenden Führungen viele weitere Geschichten aus der Zeit der Heilstätte.

Eröffnung des Sophienhofs

Goilina kam über ihre Familie zum Projekt, ihr Vater Silvio Kayser ist der Eigentümer gemeinsam mit Oliver Einicke. Linda kommt aus dem Hotelfach, wohnt im Nachbardorf und fuhr sechs Jahre lang am Sophienhof vorbei. „Ich denke mir jedes Mal: Mensch, das ist so ein schönes Objekt.“ Sie bewarb sie sich beim Immobilienbüro von Goilinas Vater, doch die Anstrengung lief ins Leere. Und plötzlich klingelte doch das Telefon: „Hättest du Lust, mit uns diesen Hof zu eröffnen?“, ohne zu zögern wurde Linda Teil des Teams.

Thüringer Sophienhof läuft auf Eröffnung am 3. Oktober zu und setzt auf Festzelt und Tiere. Foto: Marcel Hanslok

Saniert wurde in den sechs Wochen nach der Übernahme des Sophienhofs trotzdem kaum. „Wir haben Möbel umgeräumt, neue Möbel dazugenommen“, erzählt Goilina. Der größte Brocken war ausgerechnet: WLAN. Vier Wochen, wurden Kabel unter dem ganzen Sophienhof verlegt. Die Handwerksfirmen schüttelten nur mit dem Kopf. Doch seit wenigen Tagen steht die Leitung. Jetzt ist es für Mitarbeitende und Gäste möglich, mit funktionierendem Netz unterzukommen.

Übernachtungsmöglichkeiten im Hof

Im Sophienhof wird es gemütlich. Wer bleiben will, hat die Wahl zwischen Einzel-, Doppel- und Familienzimmern, Ferienwohnungen und dem Herrenhaus, das sich komplett mieten lässt.

Arbeit und Spaß vereint

Feiern und Arbeit findet hier ebenfalls Platz in den Tagungsräumen für 30 bis 40 Personen, ein Festsaal für bis zu 120. Linda formuliert das so: „Ich glaube, es gibt keine Frage, die wir nicht mit Ja beantworten können.“

Thüringer Sophienhof läuft auf Eröffnung am 3. Oktober zu. Foto: Marcel Hanslok

Für Familien liegt das Argument im Gehege neben dem neuen Sophienhof eigenen Café “Q-Stall”. Dort leben Ziegen, Ponys, Meerschweinchen, Hasen, die vor dem Schlachter gerettet wurden – und die Alpakas, die es bis zum offiziellen Maskottchen des Hofes gebracht haben.

Oben und Unten verbinden

Und wer mehr will als Streicheln, geht hoch zur Sophienheilstätte: Führungen mit Zeitzeuginnen, Fackelwanderungen den alten Schwesternweg hinauf, für Kinder eine Schnipseljagd mit Maskottchen Tibu, einem Tuberkulosebakterium, samt Entdeckerurkunde am Ende.

Eröffnung am 3. Oktober

Große Eröffnung ist am Samstag dem 3. Oktober um 18 Uhr mit der Münchner Gaudi, dort ist der Eintritt frei, Plätze im Festzelt gibt es nur mit kostenloser Vorreservierung. Livemusik, DJ und Band, ab 19 Uhr mit Schlagersängerin Lucy P., dazu deutsche Küche, auch vegetarisch und teils vegan. Oben an der Sophienheilstätte läuft parallel der Floh- und Kreativzauber, sonntags folgen Führungen und Familientag mit Tieren.

Alpakas und Geister: Sophienhof verändert ein Thüringer Dorf. Foto: Marcel Hanslok

Dass es dieses Wochenende wurde, war Zufall: Ein Influencer-Charityprojekt hatte den ursprünglichen Termin verschoben. Linda findet es trotzdem stimmig: „Nicht ganz zufällig der Tag der Deutschen Einheit – passt ja zum Einklang.“ Und es ist in der Tat eine ungewöhnliche Zusammenführung, die in der Mitte von Thüringen das Kulturleben mit ganz besonderen Events beleben will. Grusel meets Familienausflug. Kuschelübernachtung meets Lost Place.

„Gekommen, um zu bleiben“

Im Dorf München hingegen bleiben die Bürger:inne vorsichtig, so Linda. „Es sind Stimmen, die sich mega freuen, die aber gleichzeitig sehr zurückhaltend sind“, sagt sie. Zu oft wurde hier schon eröffnet und dann hat es doch nicht geklappt. Aber Goilina und Linda haben eine klare Antwort: „Mit dem Team, das wir jetzt haben, sind wir gekommen, um zu bleiben.“

Hard Facts:

Samstag, 03.10.2026:

  • 12:00 – 17:00 Uhr: Selbstständige Erkundung des Lost Places, XXL Kreativ- & Trödelzauber, geöffneter Sophiengarten
  • Ab 18:00 Uhr: Feierliche Eröffnung des Sophienhofs mit Live-Musik und geselligem Abend

Sonntag, 04.10.2026

  • 11:00 – 18:00 Uhr: XXL Kreativ- & Trödelzauber, selbstständige Erkundung des Lost Places, Spiel & Spaß für Groß und Klein
  • 11:00 Uhr | 13:30 Uhr | 16:00 Uhr: Geführte Touren mit einer Zeitzeugin
  • 11:30 – 14:30 Uhr: Deutsche Küche / Mittagsgastronomie geöffnet (plus Spielplatz & Tiere zum Streicheln)
  • 14:30 – 18:00 Uhr: Café geöffnet

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