Wenn Fabian Hagedorn gerade nicht in Erfurt die Sommerkomödie (SoKo) plant, dann sitzt er im Schminkkasten des Theaters Rudolstadt – einer Bühne, die so intim ist, dass sie fast wie eine Theater-WG wirkt. Dort inszeniert er derzeit „Der Kredit“, ein Zwei-Personen-Stück über einen Bankdirektor, einen Kunden ohne Sicherheiten und ein „cleveres Katz-und-Maus-Spiel“, wie der SoKo-Chef im Interview verrät.
Sommerkomödie Erfurt plant Sherlock Holmes
Für ihn ist die Regiearbeit in Rudolstadt vor allem eines: ein Ausflug, um Erfahrung zu sammeln. „Es ist eine Chance, ein neues Haus kennenzulernen – deswegen habe ich das Angebot angenommen.“ Auch wenn er mit Sommerkomödie und dem Booking für das Barfüßer-Open-Air eigentlich genug zu tun hätte, reizt ihn der Blick über den Tellerrand.
Wo das theatrale Herz schlägt
Zur großen Komödie in Erfurt hat der Theatermacher aber eine ganz besondere Beziehung. Denn zu Regie und Theatergewerbe kam er nicht über die klassische Schauspielschule, sondern über Wirtschaftsrecht und Politikwissenschaft. „Ganz andere Bereiche, klar. Aber Kulturprojekte lagen mir immer am Herzen“, sagt er.
Sein wirtschaftliches Vorwissen hilft ihm heute als Geschäftsführer der Sommerkomödie enorm. Kostenpläne, Jahresabschlüsse, rechtliche Vorgaben – alles Stoff, der bei vielen Bühnen Schweißperlen verursacht, bei ihm aber höchstens eine hochgezogene Augenbraue. Und 2026 wird er wieder dorthin zurückkehren, wo viele ihn kennen: an die Barfüßerruine. Wo sein theatrales Herz schlägt.
Die Sommerkomödie geht 2026 neue Wege
Und das kann vor Aufregung dann doch auch mal etwas schneller schlagen. Denn 2026 steht für die Sommerkomödie ein ganz besonderes Experiment an: Doppelregie. Gemeinsam mit Markus Fennert, der der Freiluftbühne durch zahlreiche Rollen verbunden ist, will Fabian testen, wie zwei kreative Köpfe im Gleichklang arbeiten und so etwas ganz Besonderes für Erfurt erschaffen: „Wir kennen uns gut, das macht es interessant. So entstehen Ideen im Dialog – und nicht allein im stillen Kämmerlein“, sagt er.
Wie ein Krimi-Klassiker die Barfüßerruine Erfurt 2026 verwandelt
Aus diesem Grund wird in Erfurt 2026 auch nicht gekleckert, sondern geklotzt. Ihr Projekt für die kommende Spielzeit ist nichts Geringeres als ein Riese der englischen Literaturgeschichte: Sherlock Holmes von Arthur Conan Doyle.
Auf der Suche nach dem besten Stoff für die Thüringer Landeshauptstadt will das SoKo-Team immer etwas luftig-locker-leichtes – wie zum Spielort passend – und zugleich beeindruckendes abseits des Mainstream erschaffen. Die Entscheidung fiel laut Fabian aber nicht nur aus künstlerischen Gründen. Ganz praktisch musste die Rechtelage passen – und Holmes als Kultfigur funktioniere „fantastisch“ in der Langhausruine, wie der SoKo-Chef betont.
Viktorianische Atmosphäre in der Barfüßerruine
Die Bühnenfassung schreibt Fabian gemeinsam mit Markus Fennert selbst: eine Mischung aus mehreren Fällen und allen Lieblingen des Romans: mit Dr. Watson, Mrs. Hudson, Prof. Moriarty und dem ganzen viktorianischen Personal.
Barfüßer-Open-Air macht Erfurt zur Kulturbühne
Humorvoll soll es werden – aber mit Spannung. Eine „Kriminalkomödie“, wie Fabian betont, die dem Publikum ein klassisches Who-did-it-Gefühl verschaffen soll. Ein rätselhafter Fall, Mantel, Pfeife, Hut: „Wir bringen spannende viktorianische Atmosphäre in die Barfüßerruine“, sagt er. Zudem können sich die SoKo-Fans diesmal erstmals auch auf eine Doppelspitze bei Ausstattung, beim Bühnenbild und den Kostümen freuen, Coco Ruch werde erstmals im Team mit Ella Späte für atmosphärische Bilder sorgen. Das Stück läuft vom 30. Juli bis 29. August 2026, täglich außer montags, mit 400 Plätzen und freier Sitzwahl im Freilufttheater.
Parallel dazu wächst ein zweites Sommerprojekt weiter: das Barfüßer-Open-Air (BOA). 2020 noch als pandemische Notlösung gegründet, hat sich das Festival längst als feste Größe in der Thüringer Kulturlandschaft etabliert. Über 20 Veranstaltungen stehen 2026 an, darunter Formate wie die Stand-up-Comedy-Sommernacht von Friedrich Hermann, ein „Best of Poetry Slam“ sowie Konzerte von Cat Frankie und „Das Paradies“. Auch ein Konzert mit Alin Coen sei in Planung. Große Namen und weitere dürften folgen.
„Solange die Auslastung stimmt, schaffen wir’s“
Dass all das jedes Jahr neu gestemmt werden muss, verschweigt er nicht. „Wir machen aus der Barfüßerruine überhaupt erst einen Veranstaltungsort.“ Steigende Kosten seien eine permanente Herausforderung, doch die Treue des Publikums helfe. „Solange die Auslastung stimmt, schaffen wir’s“, sagt Fabian und kann sicherlich wie in den vergangenen Jahren auf ein ausverkauftes Haus hoffen.
Crime-Komödie und Barfüßer-Open-Air
Die Tickets sind ab jetzt bereits erhältlich. Doch warum sollten die Menschen schon im Winter an das kommende Jahr denken? Fabian hat dafür eine schlichte aber überzeugende Antwort: „Was könnte schöner sein, als seinen Liebsten bei der Kälte ein Stück Sommer unter den Weihnachtsbaum zu legen?“
Hard Facts:
- Barfüßer-Open-Air: 12. Juni bis 12. Juli
- Sommerkomödie: 30. Juli bis 29. August
- Barfüßerkirche | Barfüßerstr. 20
- Ticket gibt es für das Barfüsser-Open-Air und die Sommerkomödie hier!








