Das Dreienbrunnenbad war lange genau das, was sein Name verspricht: ein Freibad. Heute soll es mehr sein – ein Ort für Begegnung, Kultur und Alltag zugleich. Mit einem mehrtägigen Saisonauftakt Anfang Mai wird dieser Anspruch erstmals gebündelt sichtbar.
Erfurts Freibad öffnet neue Türen
Die Idee dahinter ist nicht zufällig entstanden. „Alles begann mit meiner ersten und einzigen Erfahrung dort vor der Sanierung – bei einem Kulturfest“, erinnert sich Ronny Lessau. Das Bad selbst habe ihn damals wenig gereizt, sagt er. „Aber dieser Mix aus Familienaktivitäten und Kultur hat uns überzeugt, den Tag dort zu verbringen.“ Für Lessau wurde das zum Ausgangspunkt: Orte anders denken, sie über ihren ursprünglichen Zweck hinaus öffnen.
Dreibrunnenbad wird neu gedacht
Heute ist im Dreienbrunnenbad einiges anders. Klassische Strukturen wurden aufgebrochen, neue Nutzungen ergänzt. Ein ehemaliger Funktionsbau dient nun als Leseraum, am Eingang steht ein Container für kleine Konzerte und Lesungen. Die Gastronomie setzt nicht mehr nur auf Freibad-Klassiker, sondern auf ein breiteres Angebot. Und draußen, am Ufer der Gera, ist mit dem „Paradise Garden“ ein zusätzlicher Aufenthaltsort entstanden – auch für Menschen, die gar nicht baden wollen.
Für Lessau ist das kein Nebenprodukt, sondern Konzept: „Das Freibad ist ein Ort mit einem unglaublich gemischten Publikum und sehr niedrigen Zugangsschwellen.“ Genau darin liege die Chance. Kultur soll hier nicht exklusiv sein, sondern beiläufig stattfinden – erreichbar für Menschen, die sonst selten Konzerte oder Lesungen besuchen.
Grundlage wurde pragmatisch gelegt
Die Grundlage dafür wurde pragmatisch gelegt: mit Umfragen. Gefragt wurde schlicht, was sich die Menschen wünschen. Heraus kamen Formate wie Tagesfestivals, Singer-Songwriter-Konzerte, Open-Air-Kino oder Tanzworkshops. Auffällig: Angebote für Kinder spielten eine geringere Rolle – ein Effekt, den Lessau auch auf die vorwiegend digitale Verbreitung der Umfrage zurückführt.
Offen und experimentell
Das Konzept bleibt dabei bewusst offen. Wie viel Kultur ein Freibad verträgt, wie sie sich finanziert und organisiert, ist Teil eines laufenden Experiments. „Wenn jemand schon Eintritt gezahlt hat, ist die Bereitschaft gering, nochmal extra Geld auszugeben“, sagt Lessau. Deshalb wird aktuell mit unterschiedlichen Modellen gearbeitet – etwa mit separaten Bereichen für Veranstaltungen.
Parallel wird der Ort weitergedacht: nicht nur als Bad, sondern als städtischer Raum, der auch außerhalb der Saison funktioniert. Barrierearme Zugänge, vorhandene Infrastruktur und die Lage nahe dem Luisenpark spielen dabei eine zentrale Rolle. Gerade diese Verbindung wird im Mai erstmals konkret erprobt.
Kultursommer im Erfurter Freibad
Den Auftakt macht vom 1. bis 3. Mai ein dreitägiges Programm. Am 1. Mai startet das „Summer Opening“ als Tagesfestival mit Musik von Heimlich Knüller, Anne Karmané und Noctua. Lessau sieht darin mehr als nur ein Event: „Es geht darum, Menschen zu zeigen, wie schön es ist, sich tagsüber von Musik und Gemeinschaft mitreißen zu lassen.“
Yoga, Design und mehr
Am 2. Mai folgt ein Perspektivwechsel: Ein Designmarkt bringt lokale Kreative zusammen, ergänzt durch ein Yoga-Angebot am Morgen. Formate wie diese sollen gezielt unterschiedliche Zielgruppen ansprechen – von Studierenden bis zur regionalen Kunstszene.
Am 3. Mai wird das Konzept schließlich räumlich erweitert. Ein sogenanntes Picknickkonzert beginnt im Luisenpark und wandert anschließend ins Dreienbrunnenbad. Die Idee: zwei Orte verbinden, Publikum in Bewegung bringen. „Du liegst im Park, hörst Musik – und wenn es dich packt, kommst du einfach mit rüber“, beschreibt Lessau. Eine zweite Ausgabe ist für den 10. Mai geplant. Weitere Termine im Monat setzen diesen Ansatz fort, etwa ein Vinyl-Nachmittag an Christi Himmelfahrt.
„Vielleicht entdecken sie Kultur ganz neu für sich“
Hinter all dem steht weniger ein fertiges Kulturprogramm als ein Prozess. Lessau spricht von „Zufallsbegegnungen“, die entstehen sollen – Menschen, die eigentlich nur vorbeikommen und plötzlich Teil eines Konzerts werden. „Vielleicht kommen sie wieder, vielleicht entdecken sie Kultur ganz neu für sich.“
Liegewiese wird zur Tanzfläche
Die Ambition ist dabei klar: Das Dreienbrunnenbad soll sich langfristig als kultureller Treffpunkt etablieren – nicht als Gegenentwurf zum Freibadbetrieb, sondern als Erweiterung. Oder, wie Lessau es formuliert: „Eine Liegewiese wird plötzlich zur Tanzfläche.“
Hard Facts:
- 1. Mai: Das Summer Opening | 15 bis 21.45 Uhr
- 2. Mai: Flow & Design Markt | 10 bis 16
- 3. Mai: Picknick-Konzert – beginnt um 15 Uhr im Luisenpark, 16.30 Uhr im Dreienbrunnenbad
- 10. Mai: Picknick-Konzert – 15 Uhr Luisenpark, 16.30 Uhr Dreienbrunnenbad
- 14. Mai: Stibbe Vinylkultur | 14 bis 17 Uhr







































































































