„Modular-Systeme funktionieren fast wie lebendige Organismen, sie tun oft nicht das, was man von ihnen erwartet, aber wenn man mal den richtigen Sound gefunden hat, lässt er sich oft nicht reproduzieren, was ihn besonders wertvoll und vergänglich macht“, erklärt Toni Materne und fügt an: „Das Stecken von Kabeln und Drücken von Knöpfen ist wie Lego für Erwachsene: man bekommt direktes akustisches Feedback und das triggert Belohnungszentren.“
Modular-Event in Erfurt öffnet Türen
Ihr versteht nur Bahnhof? Wir bringen Licht. Am 2. Mai verwandeln der Verein „Elektrische Frequenz Arrangement Erfurt“ (efa) die Jederkann Galerie in Erfurt erneut in einen Treffpunkt für Synthesizer- und Modular-Nerds. Das Elektro-Happening geht gewährt einen tiefen Einblick in die Welt der modularen Klangerzeugung, wie man sie in Thüringen sonst nur selten erlebt.
Galerie wird zu Treffpunkt für modulare Klangforschung
Das Programm bietet unter anderem Workshops mit Konstantin Gervis und Frank Fairlight, eine „Hands-On Synth Corner“ mit Doepfer Musikelektronik und elektronische Live-Musik von Acts wie nthirteen, Hch-X und Roger Reese. Organisator Tony Materne hat uns vorab erklärt, warum Modular-Synthesizer wie lebendigen Organismus agieren, was ein Hub ist und warum das Ganze Endorphine freisetzt.

Das Synthesizer-Community-Event in Erfurt gibt spannende Einblicke. Foto: EFA
In der Ankündigung schreibt ihr, dass ihr die Jederkann in einen Hub für Synthesizer- und Modular-Nerds verwandelt. Wie kann man sich einen Hub für Synthesizer vorstellen?
Also ein Hub ist ja ein Knotenpunkt, wo man mit einem bestimmten Interessensgebiet Menschen anzieht und für Erfahrungsaustausch sorgt. Wenn man das zum Thema Synthesizer ausrichtet, erwarten einem dann vor allem eine Menge elektronische Geräte, blinkende Lichter, bunte Kabel und abgefahrene Sounds, die man so nicht unbedingt jeden Tag hört. Dazu gesellen sich neugierige Einsteiger:innen, Profis und kreative Menschen, die Lust haben neue Klänge zu finden. Zusammen entsteht dadurch ein Veranstaltungsformat, das sehr herzlich, aufgeschlossen und auch ein bisschen verrückt ist.
Was macht einen Modular-Synthesizer zu einem „lebendigen Organismus“?
Im Gegensatz zu einem fertigen Synthesizer, der quasi von Hause aus so gestaltet ist, dass man instant einem fertigen Workflow folgen kann, ist ein Modular-Synthesizer das Lego unter den elektro-akustischen Geräten. Du entscheidest, welche Module du einsetzt, wie du sie mit Kabeln verbindest und vor allem was für dich der beste Workflow ist.
Thüringens wohl nerdigster Flohmarkt lockt in die „Raumschiff-Zentrale“ nach Erfurt
Bevor man allerdings zu einem Sound kommt, den man gewollt herbeiführt, also auch für gut befindet, kommen unter Umständen Klänge heraus, die man eventuell nicht geplant hat. Das ist dann der Moment, in dem du mit der Maschine über Regler und Patch-Kabel kommunizierst, um herauszufinden, wie sich die unterschiedlichen Module überhaupt miteinander kombinieren lassen. Manchmal entstehen dabei so faszinierende Töne und Texturen, dass man nicht immer nachvollziehen kann, was da jetzt eigentlich passiert ist, geschweige denn, dass man es rekonstruieren kann.
Muss man ein Genie sein, um da mitzumachen?
Absolut nicht. Die einzige Eigenschaft, die man braucht, ist Neugier. Wer als Kind gerne mit Lego gebaut oder am Radio den Sender gesucht hat, ist perfekt qualifiziert. Musikalisches Vorwissen hilft, aber die Basics der Klangerzeugung sind für jeden erlernbar.
Und das erzeugt Dopamin und Suchtgefahr?
Definitiv! Wenn man an einem Filter-Regler dreht und der Bass plötzlich den ganzen Körper vibrieren lässt, ist das pures Glück. Das haptische Feedback eines echten Knopfes kann kein Mausklick ersetzen. Lass am besten immer ein Aufnahmegerät mitlaufen, denn du weißt nie, ob du diesen einen Sound nochmal so hinkriegst!

Das Synthesizer-Community-Event in Erfurt gibt spannende Einblicke. Foto: EFA
Modular-Synthesizer heißt eben auch, dass es keinen „Projekt Speichern“-Button gibt, die Vergänglichkeit schwingt also immer mit. Ich habe in meinem Studio unzählige Zettel mit Reglerstellungen und Notizen, bei denen ich hoffe, dass ich bestimmte Sounds irgendwann wieder so hinbekomme, wie ich sie ursprünglich entworfen hatte. Das gehört eben auch dazu, wenn man sich für Hardware-Synthese entscheidet, macht aber eine Menge Spaß.
Gibt es wirklich eine „modulare Abhängigkeit“ – und bist du schon abhängig?
In der Szene redet man von GAS (Gear Acquisition Syndrome), also ja: Die Sucht nach dem nächsten Modul, Synthesizer oder Tool ist für viele sehr real, würde ich sagen. Allerdings bin ich in einem Stadium, in dem ich meine Abhängigkeit professionell als „Forschung“ tarne und solange ich mir das glaube, ist alles gut.
Was macht für dich die Faszination des Ganzen aus?
Dass man Elektrizität hörbar macht. Man fängt mit einem einfachen Piepsen an und baut daraus ganze Klangwelten. Es ist eine wunderbare Mischung aus Physik, Handwerk und Gefühlen. Ich erlebe, wie ich mit meinen Händen echte Kreativität im Hier und Jetzt erschaffe. Das ist unglaublich faszinierend und zeigt dir, dass du unmittelbar etwas Gutes bewirken kannst.
Hard Facts:
- Wann? 2. Mai 2026
- Wo? JederKann Galerie Erfurt
- Weitere Facts findet ihr bei @efa_erfurt
