„Feminismus ist kein eindimensionales Thema, das nur in geschlossenen Räumen besprochen wird. Er findet überall statt, im Kopf, im Herzen und im Miteinander.“ Vom 1. bis 8. März 2026 rückt das Kulturfestival KRAFTWERKE feministische Themen in den Fokus der Thüringer Landeshauptstadt. Mit mehr als 50 Veranstaltungen an unterschiedlichsten Orten wird Erfurt zur Plattform für Kunst, Diskussion und gesellschaftlichen Austausch. Wie die eingangs zitierte Initiatorin Ianthe Paul mitteilt, soll die Woche nicht nur Programm bieten, sondern vor allem Vernetzung und Sichtbarkeit schaffen – gerade in Zeiten eines politischen Rechtsrucks.
Erfurt stellt mit „Kraftwerke“ feministische Kultur ins Zentrum
Der Titel des Festivals ist bewusst gewählt. „Der Name klingt nicht nur kraftvoll, er ist Programm: Kraft schenken, Kraft schaffen und Kraft zeigen“, sagt Ianthe. Für sie ist KRAFTWERKE eine Initiative zur gegenseitigen Stärkung: „Es geht um Kraft für die Gesellschaft und für marginalisierte Gruppen – die Kraft, aus patriarchalen Strukturen auszubrechen und über sich hinauszuwachsen.“ Entstanden ist die Idee bei ihrem Minijob im Club Kalif Storch. Was als Idee eines einzelnen Abends begann, wuchs zur Vision einer ganzen Woche. „Ich wollte nicht nur einen Moment schaffen, sondern eine Bewegung spürbar machen“, erklärt die Organisatorin.
Festival bringt Kraft, Kultur und Engagement
Dass der feministische Kampftag am 8. März nicht nur punktuell, sondern mit einer Kulturwoche gerahmt wird, ist dabei ein zentrales Anliegen. Ein einzelner Aktionstag reiche nicht aus, um nachhaltig zu wirken. „Feminismus ist kein Nischenthema für einen kurzen Moment im Kalender, sondern eine Haltung, die Zeit und Gemeinschaft beansprucht“, so Ianthe. Ziel sei es, Themen zu vertiefen, Akteur:innen miteinander zu vernetzen und feministische Anliegen sichtbar ins Stadtbild zu tragen.
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Kultur spielt dabei eine Schlüsselrolle. Sie mache komplexe politische Fragen emotional zugänglich und ermögliche Perspektivwechsel, sagt Ianthe: „Wo politische Debatten oft festfahren, öffnet die Kultur Türen.“ Entsprechend breit ist das Programm aufgestellt: Lesungen, Workshops, Ausstellungen, Partys und Konzerte gehören ebenso dazu wie der gemeinsame Gang auf die Straße am 8. März. Die Vielfalt ist kein Zufall. „Eine Lesung regt zum Nachdenken an, ein Workshop vermittelt Wissen, eine Demo bündelt Wut und eine Party feiert Gemeinschaft“, beschreibt Ianthe Paul das Konzept. Politischer Kampf und Lebensfreude seien kein Widerspruch.
Kunst eröffnet feministische Perspektiven
Ein besonderer Stellenwert kommt Formaten zu, die Empowerment praktisch erfahrbar machen – etwa Werkstattangebote oder Diskussionsabende, die auch Männer gezielt ansprechen. Gleichzeitig sollen Räume entstehen, in denen sich insbesondere FLINTA*-Personen sicher und sichtbar bewegen können. Wie etwa bei Clubveranstaltungen, die natürlich durch Awareness-Konzepte unterstützt sein sollten. „Die Tanzfläche wird so zu einem kleinen Vorbild für eine solidarische Gesellschaft: laut, wild und voller Rücksichtnahme“, sagt Ianthe.
Feminismus ist keine Randerscheinung
Die Organisation eines solchen Projekts bringt jedoch Unsicherheiten mit sich. Finanzierungsfragen, Besucher:innenzahlen und die Reichweite über die Innenstadt hinaus beschäftigen die Initiatorin. Ianthe‘s Wunsch: feministische Kultur solle künftig alle Stadtteile erreichen. „Diese Vernetzung ist eine Daueraufgabe, aber sie ist es wert, weil Feminismus überall stattfinden muss, nicht nur in der Blase der Altstadt.“
Was soll nach der Woche bleiben? Vor allem ein Gefühl von Selbstwirksamkeit. Besucher:innen sollen nach Hause gehen mit dem Gedanken: „Ich bin nicht allein mit meinen Themen, und ich habe die Kraft, etwas zu verändern.“ Langfristig brauche feministische Kulturarbeit dafür Kontinuität, Ressourcen und stabile Netzwerke. Einmalige Events seien wichtig, sagt sie, „aber echte Veränderung entsteht erst, wenn feministische Perspektiven dauerhaft verankert werden“.
Kultur als Schlüssel: Wie „Kraftwerke“ Erfurts Gesellschaft bewegt
Mit KRAFTWERKE erwartet Erfurt somit eine Kulturwoche, die Kunst und Politik verbindet und über den 8. März hinaus wirken will – als gemeinsamer Versuch, gesellschaftliche Debatten zu öffnen und Feminismus als das zu labeln, was es ist: Eine Bewegung, die sich für die sich für die Gleichberechtigung und Selbstbestimmung einsetzt – im Kopf, im Herzen und im Miteinander.
Hard Facts:
- Feministische Kulturwoche in Erfurt
- 01.- 08.März 2026
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