Datenschutzeinstellungen

Altmetall oder Kunst? Jena feiert Jubiläum und lässt „Schrott“-Skulpturen erklingen

28. Oktober 2026 • Geschrieben von Milena Mann
Frank Stella war mit Jena so eng verbunden, dass ihm von der städtischen Friedrich-Schiller-Universität sogar die Ehrendoktorwürde verliehen wurde. Foto: Tino Zippel

Metall, das singt, Projektionen auf Industrieschrott und eine Diskussion über Kunst im öffentlichen Raum: Am Donnerstag, 29. Oktober wird der Ernst-Abbe-Platz in Jena zur Bühne für ein besonderes Jubiläum. Vor 30 Jahren stellte der US-Künstler Frank Stella dort seine „Hudson River Valley Series“ auf – bis heute eines der größten öffentlich zugänglichen Stella-Ensembles weltweit.

Jena: Stella ins Licht

Als einer der Akteur:innen lädt die Kunsthandlung Huber & Treff zum Jubiläumsfest. Weitere Partner:innen wie die Friedrich-Schiller-Universität Jena, Jenoptik, die Stadt Jena, die recover Stiftung Jena sowie der Förderverein „Ein Kunsthaus für Jena e.V.“ möchten am 29. Oktober Kunst in neuem Licht und Klang feiern. Dabei soll einmal mehr deutlich werden, wie sehr die Skulpturen längst zum Stadtbild gehören, auch wenn sie der eine oder andere gern mal noch als „Schrott“ abtut.

Skulpturen als Instrument

Durch den Abend nimmt euch Moderatorin Lea Deubner mit, dabei wird es durchaus ungewöhnlich: Beim klangkünstlerischen Konzert „Echovalley“ bespielt das Duo Helbig/Wettin zunächst erstmals Stellas Skulptur „Newburgh“ als experimentelles Instrument. Mit Geigenbögen, Filzmallets, Schwämmen und bloßen Händen bringen die Musiker:innen die Metalloberflächen zum Klingen: Kontaktmikrofone fangen die Vibrationen ein, Live-Elektronik verarbeitet sie in Echtzeit. Später am Abend gibt’s mit dem Konzert II die Fortsetzung auf dem Ernst-Abbe-Platz.

Neben dem Jenoptik Hochhaus oder dem Jentower prägen die Schrottplastiken von Frank Stella maßgeblich den Ernst-Abbe-Platz. Foto: Lutz Prager/Archiv Lutz Prager

Gegen 18:30 Uhr ziehen Grußworte ins Foyer der Carl-Zeiss-Straße 3 um: Jürg Kasper vom Kulturrat Thüringen und Johannes Schleußner, Kulturdezernent der Stadt Jena, sprechen zur Eröffnung. Im Anschluss diskutiert die Debattiergesellschaft der Universität Jena die Frage, die Stellas Werk seit drei Jahrzehnten begleitet: Ist Kunst im öffentlichen Raum gefällig oder soll sie gerade anecken? Ergänzt wird das Programm um das Schülerprojekt „kon STELLA tion“: Oberstufenschüler:innen des Christlichen Gymnasiums Jena zeigen Skulpturen, Grafiken, Musik und Comics, die sie von Stellas Werk inspirieren ließen.

Austausch mit Studierenden

Danach folgt mit „Exuviae“ von Robert Seidel eine Lichtprojektion auf die Hudson-River-Valley-Skulpturen, die sich mit dem Thema der „verlorenen Form“ im Metallguss beschäftigt. Den musikalischen Ausklang ab 21 Uhr übernimmt DJ Robert Buschke. Zudem stehen den ganzen Abend über Studierende der Kunstgeschichte bereit, um mit dem Publikum über die einzelnen Werke ins Gespräch zu kommen.

Vom Zeiss-Werk zum Campus

Dass ausgerechnet Jena einen der weltweit größten Stella-Skulpturenparks beherbergt, hat mit dem Ort selbst zu tun. Der Ernst-Abbe-Platz war einst das Hauptwerk von Carl Zeiss und prägte die Industrialisierung der Stadt mit. Als der Künstler Frank Stella Anfang der 1990er-Jahre den tiefgreifenden Strukturwandel der Nachwendezeit vor Ort erlebte, inspirierte ihn genau diese Transformation – vom Industriestandort zum heutigen Dienstleistungs- und Universitätscampus. Er bot an, fünf der sechs Skulpturen seiner 1995 in New York entstandenen „Hudson River Valley Series“ – benannt nach dem Flusstal, das in der US-amerikanischen Industrialisierung eine Schlüsselrolle spielte – nach Jena zu bringen.

Am 17. Oktober 1996 wurden die Metallplastiken aufgestellt, nicht in einem Museum, sondern frei zugänglich im öffentlichen Raum. Eine Skulptur schenkte Stella der Universität Jena, drei weitere gingen in den Besitz von Jenoptik über; eine fünfte kehrte 2011 nach Ablauf der Leihfrist zum Künstler zurück. Möglich machte die Aufstellung auch der damalige Jenaer Kunsthistoriker Franz-Joachim Verspohl, der im selben Jahr Stellas Ehrendoktorwürde initiierte.

Prägender Künstler mit Jena-Bezug

Frank Stella wurde 1960 mit seinen „Black Paintings“ und später mit der Serie „Shaped Canvases“ zu einem der prägendsten US-Künstler seiner Generation. Er selbst beschrieb die Jenaer Werke als Versuch, sich „am Ende des Jahrtausends mit der Welt auseinanderzusetzen“. Stella starb am 4. Mai 2024 im Alter von 87 Jahren in New York. 30 Jahre nach der Aufstellung bekommen seine Skulpturen in Jena nun noch einmal eine ganz neue Bühne – diesmal mit Ton und Licht.

Hard Facts:

  • Stella ins Licht – Jubiläumsfest
  • Wann: Donnerstag, 29. Oktober, ab 18 Uhr
  • Wo: Ernst-Abbe-Platz und Carl-Zeiss-Str. 3, Jena
  • Hier kommt ihr zum Programm

Mehr Cooltur-News aus Thüringen:

Image
Image
Image