Clueso über Protest, Haltung und sein Heimspiel: „Fuck AfD“ – aber es braucht mehr als Parolen
1. Juli 2026 • Geschrieben von
Florian Dobenecker
Lange hielt sich Clueso mit einer öffentlichen Stellungnahme zum AfD-Bundesparteitag in Erfurt zurück. Auf eine frühere Anfrage hatte sein Management lediglich angekündigt, der Musiker werde sich „zu gegebener Zeit“ äußern. Nun hat der gebürtige Erfurter im Spiegel ausführlich Stellung bezogen – und macht deutlich, wie er auf das politische Großereignis in seiner Heimat blickt. Clueso sagt klar „Fuck AfD“ und blickt in Erfurt zugleich tiefer auf Wut, Frust und die Frage, wie man Menschen erreicht, bevor politische Radikalisierung den Alltag zerreißt.
Clueso über AfD und Erfurt: Warum ihm Parolen nicht reichen
Dabei wird schnell klar: Der Sänger positioniert sich deutlich gegen die AfD. Gleichzeitig warnt er davor, politische Debatten auf einfache Schlagworte zu reduzieren. „Deswegen habe ich überhaupt kein Problem damit zu sagen: ,Fuck AfD.‘ Gar kein Problem. Aber das ist mir ein bisschen zu simpel“, sagt Clueso. Stattdessen müsse es darum gehen, Menschen zu erreichen, die sich aus Frust der Partei zuwenden. „Wir müssen versuchen, die Leute abzuholen, die wir noch erreichen können, und nicht immer nur draufhauen.“Clueso fordert mehr als laute Worte
Für Clueso ist das keine abstrakte politische Diskussion, sondern Alltag in Thüringen. „Ich bin ja da, ich sehe das“, sagt er. Die Entwicklung rund um die AfD „zerreißt ganze Stammtische“. Das finde er „furchtbar“. Viele Menschen suchten vor allem Veränderung. „Nicht alle, die dort hingehen, sind Nazis“, betont er. Gerade deshalb müsse man miteinander reden und Alternativen aufzeigen. Für ihn sei das „nicht einmal etwas Politisches, sondern etwas Menschliches“.AfD-Parteitag trifft auf Megakonzerte: Clueso und Roland Kaiser bringen Haltung auf den Domplatz ErfurtAm 4. Juli fällt Cluesos Heimspiel auf dem Erfurter Domplatz genau auf den Tag des AfD-Bundesparteitags und der erwarteten Großdemonstrationen. Wäre das Konzert nicht lange vorher geplant gewesen, wäre er nach eigener Aussage wohl unter den Protestierenden gewesen. „Wenn das alles nicht so zusammengefallen wäre, wäre ich wahrscheinlich auf der Gegendemo.“
Heimspiel auf dem Domplatz
Ob er es trotz Konzert noch zur Demonstration schafft, lässt er offen. „Wenn ich es schaffe – ohne etwas versprechen zu wollen –, komme ich vorbei.“ Schon im Vorfeld habe er mit anderen Musikerinnen und Musikern telefoniert. Einige könnten zunächst auf der Demonstration auftreten und später bei seinem Konzert auf der Bühne stehen. Auch aus seinem Team seien Menschen bei den Protesten dabei.„Das wird ja wie Braveheart“
Das Zusammentreffen von Parteitag, Demonstrationen und Konzert beschreibt Clueso mit einem ungewöhnlichen Vergleich: „Ich dachte nur: Das wird ja wie Braveheart. Was ist denn los mit euch?“ Gemeint ist die enorme Zuspitzung eines Tages, an dem Zehntausende Menschen in Erfurt gleichzeitig aufeinandertreffen und die gesellschaftliche Spaltung besonders sichtbar wird.Bernd das Brot zeigt Haltung: Wie Erfurts KiKA-Figuren plötzlich zu Demonstranten wurdenPolitisch soll auch sein Konzert werden – allerdings auf seine Art. „Unser Konzert ist an diesem Tag definitiv auch ein politisches Konzert“, sagt Clueso. Geplant sind unter anderem ein Gedicht, der Song „Love the People“ und persönliche Ansagen. Gleichzeitig wolle er den Konzertabend nicht zu einer reinen Kundgebung machen. Die Menschen hätten den Abend lange geplant, viele kämen mit ihren Familien. „Ich habe auch das Gefühl, dass es meine Aufgabe ist, die Menschen an diesem Abend positiv aufzuladen.“
„Berühmtheit ist eine Art Währung, die man einsetzen kann“
Öffentliche Haltung zeigt Clueso schon seit Längerem. Nach den vergangenen Wahlen erklärte er, er wolle „nicht in einem Land aufwachen, das von Radikalen regiert wird“. Bei Konzerten erinnert er sein Publikum regelmäßig daran, „was in der Welt los ist und wie friedlich wir hier gemeinsam feiern können“. Dass seine Stimme Gewicht hat, ist dem Musiker bewusst. „Berühmtheit ist eine Art Währung, die man einsetzen kann“, sagt er. Er versuche zwar, sorgsam damit umzugehen. „Aber in so einer Situation setze ich sie auf jeden Fall ein.“Mehr coole News für euch:
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