Thüringer Drag-Szene erobert das Jena und das Weimarer Land mit „Rampenlicht“
Die Thüringer Drag Szene ist in den letzten Jahren nicht nur massiv gewachsen, sondern möchte die Kunstform nun auch in Orte bringen, in denen queere Veranstaltungen Mangelware sind. Dafür haben sich Angel van Hell aus Jena und Nova Ethereal aus Erfurt mit der Ländlichen Erwachsenenbildung Thüringen e. V. zusammengeschlossen und gehen nun auf eine kostenfreie Tour unter dem Titel „Rampenlicht“. Los geht’s am 16. August im Café Wagner in Jena, es folgen am 3. Oktober Apolda und am 21. November Bad Sulza.
Drag-Tour durch Thüringen
Nova und Angel sind beide in ostdeutschen Dörfern aufgewachsen. „Wir beide wissen also bestens, wie es ist als queere Person auf dem Land zu leben,“ erklärt Nova. Und Angel ergänzt: „Auch wenn viele queere Menschen in größere Städte ziehen, darf man nicht vergessen, dass sie im ländlichen Raum genauso existieren und ein Recht auf queere Kulturangebote haben.“ Und Nova weiter: „Genau deshalb wollten wir auch die Regionen besuchen, in denen wir vorher noch nie aufgetreten sind, um den Menschen dort einen ersten Kontakt zur Drag Welt zu ermöglichen.“
Drag ist mittlerweile eine unglaublich vielfältige Kunstform
„Ich glaube außerdem fest daran, dass persönlicher Kontakt, ein lockeres Kennenlernen und Austausch viele Vorurteile, die Menschen womöglich gegenüber Drag-Artists haben, durch eine solche Veranstaltung abgebaut werden können,“ ergänzt Angel. Genau deswegen sind die Shows auch nicht als reine Perfomance Shows angelegt, sondern die beiden Künstlerinnen wollen auch in lockeren Gesprächen vermitteln, wo Drag eigentlich herkommt, welche Bedeutungen die Kunstform hat und weshalb sie ein wichtiger Teil der queeren Szene ist.

Denn Vorurteile begegnen den beiden immer wieder: Häufig werde die Kunstform mit der geschlechtlichen Identität verwechselt. „Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe!“ betonen die beiden. Menschen aller Identitäten und sexueller Orientierungen können sich in dieser Kunstform betätigen, egal ob männlich, weiblich oder nichtbinär. Auch gibt es schon lange nicht mehr nur Drag Queens, sondern auch Drag Kings und sogar sogenannte Drag Quings, die dann die beiden Formen verbinden. Nicht immer geht es also bei Drag um übertriebene Weiblichkeit, Glitzer und Party, denn Drag ist mittlerweile eine unglaublich vielfältige Kunstform.
Generell ist alles extremer geworden
Die allgemeine Entwicklung rund um Drag nehmen Angel und Nova zweischneidig wahr: „Generell ist alles extremer geworden. Auf der einen Seite bekommen wir immer mehr Support und werden auch außerhalb der queeren Szene gebucht. Auf der anderen Seite werden aber auch die Gegenstimmen und der Hass größer, das geht Hand in Hand.“ So verwundert es auch nicht, dass ihnen das Vorurteil begegnet, Drag-Queens würden Kindern eine queere Agenda aufdrücken und frühsexualisieren. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch, dass sich weder die sexuelle Orientierung noch die geschlechtliche Identität beeinflussen lassen.
Und genau das kann Drag leisten
Vielmehr kann die Kunstform ein Zugehörigkeitsgefühl schaffen: „Natürlich hatte ich auf dem Land keine großen queeren Vorbilder und habe mich oft nicht zugehörig und vor allem falsch gefühlt,“ berichtet Angel van Hell, die in einem sorbischen Dorf aufgewachsen ist. Und genau das kann Drag leisten: „Als Kind auf dem Dorf waren Drag Artists, die ich nur aus Fernsehen und dem Internet kannte, für mich wie Super Held*innen, die ihre Queerness nicht verstecken müssen,“ erzählt Angel weiter.

Auch für Nova Ethereal war die Begegnung mit Drag im Fernsehen ein positiver Wendepunkt im Leben: „Das war mein erster Kontakt mit der queeren Welt und hat mich sofort fasziniert. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, mit meinen Gedanken und Gefühlen nicht allein zu sein. Diese Erfahrung hat mir geholfen, mich selbst besser zu verstehen und meinen eigenen Weg zu finden. Man kann also sagen, dass Drag mir geholfen hat, mich selbst zu verstehen.“
Ein gelungener Abend
Und so versteht man auch sofort die Antwort der beiden Queens auf die Frage, mit welchem Gefühl ihre Tourgäste – egal ob queer oder nicht – den jeweiligen Abend verlassen sollen: „Bestärkt, voller (queerer) Energie und dass es in Allem ein schöner gelungener Abend voller Unterhaltung war!“
Hard Facts:
- 18. August in Jena (Café Wagner)
- 03. Oktober in Apolda (Eiermannbau)
- 21. November in Bad Sulza (Ort noch offen)
- Showstart je 17 Uhr (Einlass ab 16 Uhr), Programm bis 20 Uhr (mit Pausen)
- Eintritt kostenfrei