„Erfurt ist ’ne tote Nummer“ – Das Netz diskutiert ein virales Video aus Thüringen
Ist in der thüringischen Landeshauptstadt kulturell tote Hose? Und wie wird Erfurt durch journalistische Publikationen in Deutschland wahrgenommen? Diese Fragen sorgen im Netz gerade für ordentlich Gesprächsstoff. Auslöser der Debatte ist ein Reel von Lisa Hilpert, Vorständin der Ständigen Kulturvertretung Erfurt (SKV). Ihr Video erzielte auf Instagram bereits über 23.000 Aufrufe, mehr als 850 Likes und rund 60 Kommentare.
„Erfurt ist ne tote Nummer“
Der Aufhänger ist prominent: In der 100. Jubiläumsausgabe des Jugendmagazins „fluter“, herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), dreht sich alles ums Thema Feiern. Ein Beitrag porträtiert dabei eine Gruppe von Studierenden in Erfurt. Die Bilanz der Befragten fällt allerdings ernüchternd aus. Laut Lisa Hilpert bringen es die Zugezogenen im Heft schnell auf den Punkt: „Erfurt finden sie schwierig – tote Nummer.“
Netzt diskutiert ein virales Video
Ganz unkommentiert lassen wollte die Kulturakteurin diesen Satz nicht. „Ich will mich eigentlich nicht mehr so viel aufregen, aber das kann ich nicht ganz unkommentiert lassen“, erklärt Lisa im Reel. Dabei stellt sie in der Caption direkt klar, dass ihr Beitrag „ausdrücklich kein Diss gegen die Autorin oder die Studierenden“ sein soll. Sie selbst schätze die Arbeit der Redaktion sehr, lese das Heft regelmäßig und habe es abonniert.
Was sie jedoch stört, ist die typische Berichterstattung über die Region. „Aber was mich schon nervt, ist, dass immer wieder die gleichen Narrative erzählt werden, sobald es um unsere Region hier geht“, betont Lisa. Im Artikel werde selbst hervorgehoben, dass die Jugendlichen aus dem Westen zugezogen sind und die Stadt noch gar nicht gut kennen. Dennoch falle rasch das harte Urteil über das Erfurter Nachtleben und die Stadt generell.
Erfurts Kulturszene wehrt sich gegen das harte Urteil
Dabei wischt Hilpert die berechtigte Kritik keineswegs vom Tisch. Punkte wie teure Clubpreise, Unsicherheiten oder das Thema Rechtsextremismus lässt sie voll gelten: „Ich erkenne das. Das ist definitiv so und darüber muss auch geredet werden.“ Nur fehle ihr schlicht die Kehrseite der Medaille. „Das heißt aber nicht, dass es hier nicht übelst viele richtig geile, aktive, tolle Sachen gibt, tolle Menschen gibt“, so Lisa weiter. Ihr Wunsch an das bundesweit kostenlos verteilte Magazin lautet daher: „Ich fänd‘s einfach schön, wenn auch mal ‘ne andere Perspektive aufgemacht wird.“
„Nix gegen diese Städte … „
In den Kommentaren unter dem Reel bekommt die SKV-Vorständin massenhaft Zuspruch aus der lokalen Community. Viele Nutzer wundern sich über die Darstellung im Heft. Ein User schreibt ungläubig: „Höre das und denke mir einfach nur so HÄ??! Ich liebe die Erfurter Kulturszene. Klar, ist es kein Berlin, aber es gibt so viele tolle, vielfältige und einzigartige Veranstaltungen“. Ein anderer meint mit Blick auf die Herkunft der Befragten: „Vor allen Dingen, weil kurz vorher noch erwähnt wurde, dass einige aus Münster oder Passau zugezogen sind. Nix gegen diese Städte, aber dagegen finde ich das Erfurter Nachtleben doch ziemlich lebhaft.“
Stimmen aus dem Uni-Alltag
Neben der Frage nach journalistischer Sorgfalt („Wie kann man denn bitte eine Artikel über Erfurt machen, wenn man sich NICHT in Erfurt auskennt?“) melden sich auch Stimmen aus dem Uni-Alltag in den Kommentaren zu Wort. Eine Person, die Studierende betreut, berichtet: „Also die meisten Studis, die ich an der Uni betreue, fahren jedes Wochenende nach Hause und wissen nicht einmal, dass sie ein kostenloses Kulturticket im Studentenausweis haben. Super schade, weil es hier echt so viel zu erleben gibt, aber eben nicht, wenn man nur zwei Clubs und sonst nichts kennt.“
Ob Erfurts Nächte nun tot oder lebendig sind, bleibt wohl Ansichtssache. Das Video von Lisa hat jedenfalls gezeigt: Die hiesige Kulturszene ist hellwach und wehrt sich wortstark gegen pauschale Stempel.
Hard Facts:
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