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Vom Lost Place zum Technotempel: Kein neuer Techno-Club in Weimars Sendehalle

3. September 2026 • Geschrieben von Florian Dobenecker
Zwei Jahre lang feierte ein Techno-Kollektiv illegal im Untergeschoss der Weimarer Sendehalle, 2024 wurde das Haus geräumt. Die Stiftung plant nun einen Kulturort – und stieß beim Beräumen auf kuriose Funde. Foto: Nora Klein

Zwei Jahre lang feierte ein Techno-Kollektiv illegal im Untergeschoss der Weimarer Sendehalle, dann wurde das Haus schließlich geräumt. Die Zeiten eines Techno-Clubs sollen nun endgültig vorbei sein – stattdessen plant die zuständige Stiftung einen Kulturort mit Partys in gemäßigterem Rahmen.

Weimar: Sendehalle wird Kulturort

Nachdem die Weimarer Sendehalle vom Rundfunkstandort zum Lost Place mutierte, zogen vor einigen Jahren Techno-Liebhaber mit ihren hämmernden Beats ein. Damit soll nun Schluss sein. Wir haben mit dem Vorstand der Stiftung Sendehalle Weimar gesprochen und erzählen euch mehr über dessen Pläne.

Techno-Raves im Keller

Irgendwann stand die Sendehalle in Weimar einfach leer. Nach dem Verkauf des Gebäudes 2006 an den russischen Investor Igor Chartschenko wurde aus dem einstigen Rundfunkstandort ein Lost Place: riesig, verlassen, mitten in einem Wohngebiet. Dann, ungefähr 2022, bekam die Geschichte des Hauses einen neuen, ziemlich lauten Soundtrack.

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In Weimar wird die alte Sendehalle zum Kulturort – die Spuren der illegalen Techno-Jahre bleiben sichtbar erhalten. Nora Klein
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In Weimar wird die alte Sendehalle zum Kulturort – die Spuren der illegalen Techno-Jahre bleiben sichtbar erhalten. Nora Klein
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In Weimar wird die alte Sendehalle zum Kulturort – die Spuren der illegalen Techno-Jahre bleiben sichtbar erhalten. Nora Klein
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In Weimar wird die alte Sendehalle zum Kulturort – die Spuren der illegalen Techno-Jahre bleiben sichtbar erhalten. Nora Klein
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In Weimar wird die alte Sendehalle zum Kulturort – die Spuren der illegalen Techno-Jahre bleiben sichtbar erhalten. Martin Kaufmann
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In Weimar wird die alte Sendehalle zum Kulturort – die Spuren der illegalen Techno-Jahre bleiben sichtbar erhalten. Nora Klein
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In Weimar wird die alte Sendehalle zum Kulturort – die Spuren der illegalen Techno-Jahre bleiben sichtbar erhalten. Martin Kranz
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In Weimar wird die alte Sendehalle zum Kulturort – die Spuren der illegalen Techno-Jahre bleiben sichtbar erhalten. Elena Kaufmann

Ein Techno-Kollektiv zog ein und im Untergeschoss begann eine zweijährige Zwischenexistenz als illegaler Club. Martin Kranz, Vorstand der Stiftung Sendehalle, die das historische Bauwerk wieder kulturell nutzbar machen möchte, beschreibt den Ort rückblickend als „Eldorado“ für eine junge Szene, die nach Corona vor allem eines suchte: wiedergewonnene Freiheit.
Das Kollektiv „Club 5018“, ursprünglich aus Berlin und verbunden mit der Erfurter Technoszene, nutzte das historische Gebäude für große Raves. „Diese Szene hat das Haus bewohnt und genutzt und im Untergeschoss zwei Jahre lang riesige Techno-Raves gefeiert“, sagt Kranz und fügt an: „Irgendwann, das war ungefähr 2022, gab es da eine Entscheidung des Besitzers, die Räume zur Verfügung zu stellen – den genauen Grund kennen wir bis heute nicht, das Techno-Kollektiv ins Haus hineinzulassen.“

Weniger romantisch für die Nachbarschaft

Es gab „keinerlei Nutzungsgenehmigung, gar nichts“. Nicht einmal die elementarsten Voraussetzungen für einen regulären Clubbetrieb waren vorhanden: kein Wasser, keine Toiletten. Nur zwei Dixi-Klos im Hof. Für die Partygäste mochte das Teil des Abenteuers gewesen sein. Für die Nachbarschaft war es weniger romantisch. „Dieses Gebäude liegt mitten in einem Wohngebiet und die Nachbarn fanden das naturgemäß überhaupt nicht witzig“, sagt Kranz. Die Belastung für die Anwohner war entsprechend groß.

Das Haus wurde geräumt

2024 endete die Techno-Party. Das Haus wurde geräumt. Was blieb, waren massive Zerstörungen. Als Kranz und sein Team das Gebäude übernahmen, bot sich ein Bild, das mit kultureller Zwischennutzung nur noch entfernt zu tun hatte: Müll, zerschlagene Möbel, verwüstete Räume. „Es war wirklich unfassbar“, erinnert sich Kranz. In viele Räume kam man zunächst überhaupt nicht hinein. Stück für Stück wurde das Gebäude beräumt. Es soll saniert werden. Mit Bedacht.


Und dann waren da die Überreste der Clubzeit. Ein Raum soll bewusst so erhalten bleiben, wie er vorgefunden wurde: Getränke auf dem Tisch, benutzte Schuhe auf dem Sofa, die Spuren eines Lebens, das gerade erst aufgehört zu haben scheint. Auch diese Phase soll nicht aus der Geschichte des Hauses getilgt werden – ähnlich wie die vorherige Sendehallen-Historie. „Wir wollen auch diese Zeitschicht sichtbar machen“, sagt Kranz – neben der NS-Geschichte und der DDR-geprägten Nutzung.

Von bizarren Fundstücken


Das absurdeste Fundstück wartete auf Martin Kranz und sein Sanierungsteam im Untergeschoss. Dort hing eine lilafarbene Schaukel von der Decke. „Das war, wie uns mehrere Menschen bestätigt haben, die dort auf Partys gewesen sind, tatsächlich die Liebesschaukel des Techno-Clubs“, erzählt Kranz. Dahinter: ein großes Bällebad. „Also: Nach der Liebesschaukel ging es ins Bällebad“, scherzt er. Es ist eine bizarre Szene, aber gerade deshalb passt sie in die Biografie dieses Hauses, in dem die Zeitschichten nicht fein säuberlich getrennt nebeneinanderliegen.

Kein dauerhafter Technoclub

Und auch, wenn die Sendehalle bis 2029 zum vielfältigen Kulturort transformiert werden soll, werde künftig kein dauerhafter Technoclub in den Hallen Einzug halten. Dafür, sagt Kranz, sei der Ort schon wegen seiner Lage im Wohngebiet nicht geeignet. Partys und Feste soll es weiterhin geben, aber eben in einem anderen Rahmen.

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Die Club-Ära bleibt trotzdem Teil des Hauses: nicht als nostalgische Verklärung und nicht als Werbung für illegale Raves, sondern als Teil der sichtbaren Historie eines besonderen Ortes, der viele Geschichten erzählen kann. Oder, wie Kranz es formuliert: „Wir wollen all diese historischen Spuren, auch die jüngeren, sichtbar lassen. Also das, was dort passiert ist, was Künstlerinnen und Künstler hinterlassen haben, was junge Leute an die Wände gebracht haben. Graffitis, Zeichnungen, Kunstwerke. Aus alten Tonbändern wurden dort zum Beispiel Werke an Wände geklebt, teilweise wirklich bezaubernd schön. Das alles soll erlebbar bleiben. Für mich sind das so etwas wie Schaufenster der Geschichte.“

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