Thüringens CSDs kämpfen mit Fördermitteln und Anfeindungen
Mit dem Ende der Sommerferien läuft in Thüringen die zweite CSD-Saison des Jahres an: Mehrere Städte richten bis Ende September noch eine Parade aus. Hitze, gekürzte Förderprogramme und rechte Mobilisierung prägen die Vorbereitungen der Teams.
Thüringen feiert im Spätsommer
13 Christopher Street Days gibt es dieses Jahr insgesamt in Thüringen. Obwohl der Juni als traditioneller Pride Month schon vorbei ist, stehen noch acht CSDs an. Man könnte fast meinen, der Spätsommer ist die echte Pride-Saison im Freistaat. Weshalb eigentlich? Tatsächlich sind die Gründe vielfältig.
Acht CSDs ziehen noch durch den Freistaat
„Wir sind ein kleines Team und es benötigt natürlich Zeit, um den CSD in dem Rahmen auf die Beine zu stellen. Daher geben wir uns gerne etwas Puffer“, heißt es beispielsweise vom CSD Gera. Von zu wenigen Ehrenamtlichen, die sich bei der Organisation engagieren, berichten alle CSD-Teams: „Es fehlen aktive Mitwirkende die Aufgaben übernehmen“, berichtet das Team des CSD Gotha. „Es ist schwer, Menschen dazu zu bewegen, sich nachhaltig zu engagieren“, meint auch Esra vom CSD Gera. Und natürlich ist auch bei denjenigen, die sich aktiv beteiligen, die verfügbare Zeit begrenzt: „Anders als die Facebook-Kommentierenden es uns vorwerfen, sind wir nämlich berufstätig und organisieren alles in unserer Freizeit“, erklärt Judith vom CSD Mühlhausen.

CSD-Teams stellen sich rechten Störversuchen
Aber auch „das zunehmende Verharmlosen der neuen rechtsextremistischen und damit auch homo- und transfeindlichen Akteur*innen“ ist ein großes Problem, vor dem die Thüringer CSDs stehen, berichtet nicht nur Judith. Nach dem islamistischen Anschlag auf den CSD Berlin müssen die Teams ihre Sicherheitskonzepte nicht erst neu erstellen. „Wir haben bereits im letzten Jahr gemeinsam ein Sicherheitskonzept erstellt, hierbei lag der Fokus eher auf Gefahrensituationen im Bezug auf rechte Mobilisierungen“, heißt es unter anderem vom CSD Gera. „Die größte Bedrohung geht von lokalen Rechten Gruppen aus, die den CSD stören“, erklärt auch der CSD Gotha aus Erfahrung.
Schrumpfende Förderung
Das Thema Geld ist in der Organisation aller CSDs ein präsentes Thema. Alle bekommen Spenden und Fördermittel, einige wenige auch Sponsorings. Vor allem verschiedene Fördermöglichkeiten der Bundesprogramme „Demokratie Leben“ und „Denk bunt“ sind wichtig, gleichzeitig kürzt die Bundesregierung diese. „Die Streichung von Fördermitteln für ehrenamtliche Projekte durch die Bundesregierung ist für viele zunehmend spürbar“, berichtet unter anderen der CSD Ilmenau.
Hitzerekord macht Strich durch die Rechnung
Für den von außen betrachtet für viele späten CSD-Termin sind die Gründe aber vielfältiger: In Gera und Erfurt beispielsweise haben sich die September-Termine schlicht in den vergangenen Jahren etabliert und „mit dieser Tradition finden wir uns ganz gut zurecht“, meint der CSD Gera. „Das erste Wochenende im September hat in den letzten Jahren auch immer gut vom Wetter her gepasst“, sagt Richard vom CSD Erfurt. Überhaupt nicht gepasst hat das Wetter für den CSD Ilmenau im Juni, dieser musste vom Hitzerekord-Wochenende in den September verschoben werden. „Uns war es nicht möglich gewesen an diesem Tag den CSD durchzuführen und dabei die gesundheitliche Sicherheit aller Teilnehmenden und Helfenden sicherzustellen“, berichtet das Orga-Team.

Erst Sommerferien, dann Pride Parade
Bei der Terminsuche mit einbezogen werden aber auch die Sommer- und Semesterferien: „Unser Datum haben wir gewählt, da bei uns viele Jugendliche involviert sind“, erklärt beispielsweise der CSD Gotha und ergänzt: „Zudem glauben wir das queere Themen auch nach dem Pride Month noch relevant sind.“
Queeres Leben auch auf dem Land
„Es braucht queere Sichtbarkeit auch auf dem Land, denn auch auf dem Land gibt es queere Menschen. Jedes Kind, jeder Mensch, der sich nicht allein und falsch fühlt, weil er weiß, dass schwul, lesbisch, bi, trans, queer sein, normal und wunderschön ist, ist ein Gewinn“, meint Judith vom CSD Mühlhausen. „Wir wollen queere Menschen in Nordhausen einen guten Raum zum Austausch bieten und Sichtbarkeit zeigen. Wir erleben leider immer mehr Anfeindungen. Außerdem zeigt sich im Stadtrat und im Kreistag eine feindliche Stimmung gegen alles, was bunt ist. Da müssen wir ganz klar dagegen halten“, ergänzt Pascal vom CSD Nordhausen. Die Chance dazu haben die Menschen in Thüringen vom 22. August bis Ende September nun noch in Mühlhausen, Gotha, Altenburg, Erfurt, Eisenach, Nordhausen, Ilmenau und Gera.
Hier kommen alle anstehenden CSD-Termine in Thüringen:
- 22. August, 13 Uhr Untermarkt: CSD Mühlhausen, Insta: @CSDMühlhausen
- 29. August, 10 Uhr, unterer Hauptmarkt: CSD Gotha, Insta: @csd_gotha
- 30. August, 13 Uhr, Bahnhofsvorplatz: CSD Altenburg, Insta: @csd_altenburg
- 5. September, 13 Uhr, Domplatz: CSD Erfurt, Insta: @csderfurt
- 12. September, 14 Uhr, Bahnhof: CSD Eisenach, Insta: @CSDeisenach
- 12. September, 13:30 Uhr, Bahnhofsvorplatz: CSD Nordhausen, Insta: @csdnordhausen_official
- 19. September CSD Ilmenau (Nachholtermin), Insta: @csd_ilmenau
- 26. September CSD Gera, Insta: @csdgera
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