Alle zehn Minuten wird weltweit laut Amnesty International eine Frau ermordet. Weil sie eine Frau ist. Meist wird die Tat als bedauerlicher Einzelfall dargestellt. Als Beziehungsdrama. Doch dies verdeckt das antifeministische und häufig rechtsextreme Gesellschaftsbild, das solche Femizide befördert, so die Menschenrechtsorganisation.
Aktionstag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen
Daran muss sich etwas ändern! Was auch die New Yorker Künstlerin und Aktivistin Eve Ensler, bekannt durch die „Vagina-Monologe“ denkt. Deshalb rief sie 2012 „One Billion Rising“ – auf Deutsch „Eine Milliarde erhebt sich“ – ins Leben. Der Aktionstag ist eine der größten weltweiten Kampagnen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen.
Eine Milliarde erhebt sich
Der Name „One Billion Rising“ kurz OBR verweist auf eine nüchterne Statistik: Laut den Vereinten Nationen erlebt weltweit jede dritte Frau in ihrem Leben körperliche oder sexualisierte Gewalt. Bei rund acht Milliarden Menschen bedeutet das über eine Milliarde betroffene Frauen und Mädchen. „One Billion Rising“ ruft genau diese „eine Milliarde“ – und alle solidarischen Menschen – dazu auf, sichtbar zu werden.

Bereits 2025 protestierten zahlreiche Aktivist:innen in Heiligenstadt gegen Gewalt an Frauen, Mädchen und queeren Menschen. Foto: Daniel Wiegand
Auch in Thüringen spiegeln Zahlen die Dringlichkeit des Themas wider. Wie die Thüringer Polizei im Lagebild „Häusliche Gewalt“ mitteilt, wurden im Jahr 2023 im Freistaat 6.551 Opfer häuslicher Gewalt registriert – ein Anstieg von 22,1 Prozent im Vergleich zu 2019. Bundesweit meldet das Bundeskriminalamt im Lagebild „Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten 2024“ 308 vollendete Tötungsdelikte an Frauen im Kontext von Partnerschaftsgewalt. Der Landesfrauenrat Thüringen spricht für 2024 von einem weiteren Anstieg häuslicher Gewalt um rund vier Prozent.
Digitale Gewalt nimmt weiter zu
Neben körperlicher Gewalt rückt zunehmend digitale Gewalt in den Fokus. Laut BKA wurden 2024 bundesweit 18.224 weibliche Opfer von digitaler Gewalt registriert – Bedrohung, Stalking und Nötigung im Netz nahmen um sechs Prozent zu. Auch der Landesfrauenrat Thüringen weist auf diesen Trend hin. Gewalt verlagert sich damit nicht nur in private Räume, sondern auch in digitale Bereiche.
Mehr als 200 Länder gehen an Valentinstag auf die Straße
Um auf diese Lage aufmerksam zu machen gehen jedes Jahr am 14. Februar, dem Valentinstag, zahlreiche Menschen in mehr als 200 Ländern und auch in Thüringen auf die Straße, um tanzend gegen Gewalt zu protestieren und ein Zeichen zu setzen. Der Tanz ist dabei bewusst gewählt. Er steht für körperliche Selbstbestimmung – für die Rückeroberung eines Körpers, der durch Gewalt fremdbestimmt wurde. Statt ausschließlich Leid zu zeigen, setzt die Bewegung auf Stärke, Gemeinschaft und Sichtbarkeit.
Die Aktion ist zugleich politisch. Sie bringt ein oft verborgenes Thema in die Öffentlichkeit, schafft Solidarität für Betroffene und verknüpft die Aufmerksamkeit mit konkreten Forderungen: mehr Schutzplätze in Frauenhäusern, konsequenteres Vorgehen gegen Femizide und stärkere Prävention, etwa an Schulen.
Gotha und Eisenach im Zentrum der Bewegung
In Thüringen finden deshalb Aktionen am 14. Februar 2026 in zwei Städten statt. In Gotha, der größten Veranstaltung des Landes, wird auf dem Neumarkt an der Margarethenkirche von 11 bis 13.30 Uhr eine Tanzdemonstration und Kundgebung organisiert. Unter dem Motto „Women on Fire“ lädt das Frauen- und Familienzentrum Neudietendorf zum Mitmachen ein. Es ist die zentrale Veranstaltung zur Aktion, bei der sich eine Vielzahl der Thüringer Frauenhäuser beteiligen und zum Mitmachen auffordern.
Slogan für Kraft zur Veränderung
Neben der zentralen Aktion in Gotha ist in Eisenach ein öffentlicher Flashmob in der Karlstraße – laut Stadt Eisenach um 11 Uhr vorgesehen. Die Wartburgstadt bot im Vorfeld deshalb kostenlose Tanzproben in der Start-up-Kirche an. Eine Übersicht weiterer Orte bietet die Deutschlandkarte von One Billion Rising.
Feuer nicht als Zerstörung, sondern als Kraft
Dort ist auch das diesjährige Motto nachzulesen: „Women on Fire“ und „Ni una menos“. „Women on Fire“ steht für Entschlossenheit und Energie – Feuer nicht als Zerstörung, sondern als Kraft zur Veränderung. „Ni una menos“, ein Slogan aus der lateinamerikanischen Frauenbewegung, bedeutet „Nicht eine weniger“ und richtet sich explizit gegen Femizide.
Die beiden Slogans macht klar: Der Tanz ist kein harmloses Event, sondern eine politische Demonstration. Die Bewegung will Energie in konkrete Forderungen übersetzen – etwa für den weiteren Ausbau von Frauenhäusern, Ausbau von Präventionsprogrammen an Schulen und die konsequente Umsetzung der Istanbul-Konvention, die Staaten verpflichte umfassender für Prävention, Strafverfolgung, Opferschutz sowie Gleichstellung zu sorgen.
Tanzbewegung macht politische Forderungen sichtbar
Also raus auf die Straße und tanzt! Denn Gewalt gegen Frauen findet oft im Verborgenen (häusliche Gewalt) statt. Die Flashmobs bringen das Thema mitten in die Stadtzentren und machen es unübersehbar. Und keine Angst, laut Veranstaltenden können am Aktionstag alle mitmachen, auch ohne Kenntnisse der Choreografie. Für Solidarität.
Hard Facts:
- Gotha | Neumarkt | 11 bis 13.30 Uhr
- Eisenach | Karlstraße | 11 Uhr
- Mehr unter onebillionrising.de
