Das Unbekannte. Eine neue Welt. Experiment. Nebulös und doch gewiss. Das alles ist die Konzertreihe „Black Box“ der Jenaer Philharmonie, mit der das Ensemble in seiner inzwischen sechsten Spielzeit den klassischen Konzertsaal verlässt und in den Club umzieht: das Kassablanca.
„Durst“ der Philharmonie Jena
Am 10. Februar 2026 steht dort das Programm „Durst“ auf dem Spielplan. Und wie die Orchestermusiker Alexander Suchlich (Trompete) und Anne Schuster (Viola) im Interview mitteilen, dreht sich bei diesem Format alles um neue Perspektiven. „Es geht nicht darum, irgendwelche Grenzen auszuloten, sondern Verbindungen und Räume zu schaffen, andere Blickwinkel, Überraschungen zu kreieren, um zu berühren“, erklärt Suchlich.
Musik erleben, anders gedacht
Der Trompeter bestätigt: „Black Box“ ist bewusst offen gedacht. Die Musikerinnen und Musiker der Philharmonie kuratieren ihre Abende selbst und genießen dabei große Freiheit. Laut Anne Schuster liegt der Reiz gerade in der Vielfalt möglicher Zugänge: Musik lasse sich nicht nur musikalisch, sondern auch physikalisch, mathematisch oder psychologisch betrachten. Hinzu kämen unterschiedliche Stilrichtungen und ungewöhnliche Besetzungen. „Der Reiz für das Publikum entsteht durch den bunten Strauß an Überraschungskonzerten, in denen sie ihre Philharmoniker auf ganz andere Weise erleben“, so Schuster.
Musikauswahl soll nicht plakativ sein
Musikalisch wird das Thema nicht illustriert, sondern emotional gespiegelt. „Die Musikauswahl soll nicht plakativ sein“, sagt Alexander Suchlich. Sie könne wirken, „wenn man sich auf sie einlässt – ob nur für sich oder in Verbindung mit dem sonstigen Geschehen und dem Raum“. Gespielt wird solo, im Duo, Trio oder Quartett, ergänzt durch Texte und Gedanken zum Thema.
Dass „Black Box“ im Kassablanca stattfindet, ist dabei kein Zufall. Für Suchlich bietet der Club einen anderen Rahmen als ein Konzertsaal: „Dieser Raum kommt vielen Menschen entgegen, wenn sie sich innerlich und äußerlich freier fühlen wollen.“ Die fehlende starre Struktur verlange Offenheit – sowohl vom Publikum als auch von den Musiker:innen. Anne Schuster ergänzt: „Im Kassa entsteht eine Art Intimität, die es erlaubt, etwas mehr mit dem Publikum zu interagieren.“ Was genau passiert, bleibt aber bis zum Konzert selbst offen. „Man ist als Besucher:in über entscheidende Inhalte im Unklaren, wenn man die Karte kauft“, sagt Suchlich. Genau darin liege das Prinzip der „Black Box“. Am 10. Februar wird dieses Prinzip erneut erprobt – mit Trompeten, Texten und einem Thema, das alle betrifft. Der Durst, so viel steht fest, darf mitgebracht werden.
Musik, die mehr als Klang ist
Besonders der Durst nach dem, was (klassische) Musik kann, soll und darf. Oder wie die Alexander Suchling sagt: „Es gibt keine Grenzen. Nur subjektive Begrenzungen: die eigenen Fähigkeiten, Lebenssituationen, Denkgebäude etc. Musik kann hier helfen, sich – wenn auch vielleicht nur für einen kurzen Moment – gleichzeitig geborgen und unendlich zu fühlen.“
Hard Facts:
- Black Box № 2 »Durst«: 10. Februar, 20 Uhr | Wo: Kassablanca Jena
- Black Box № 3: 28. April, 20 Uhr | Wo: Kassablanca Jena
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