Die Zahlen sind beunruhigend: Das Geschlechterverhältnis in MINT-Ausbildungsberufen ist seit 16 Jahren nahezu unverändert – 90 Prozent der Fachkräfte sind Männer, nur 10 Prozent Frauen. Viel zu wenige Frauen entscheiden sich für einen Beruf in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.
Gaming, Making, Coding: Wie Erfurt MINT für alle fördert
Das liegt zum einen an veralteten Rollenbildern: Frauen werden noch immer stärker mit Familie, Haushalt und Pflege in Verbindung gebracht. Zum anderen fehlen weibliche Vorbilder – wenn weniger Frauen in MINT-Berufen arbeiten, gibt es auch weniger Identifikationsmöglichkeiten für junge Mädchen.
Geschlechtervielfalt für diverse Teams und kreative Arbeit
Gerade in der heutigen Zeit benötigen deutsche Unternehmen jedoch dringend Fachkräfte in diesen Bereichen. Eine höhere Geschlechtervielfalt wäre nicht nur hilfreich, um den hohen Bedarf an qualifizierten Mitarbeitenden zu decken, sondern auch, weil diverse Teams kreativer arbeiten und bessere Lösungen für Probleme finden. Zudem sollten Frauen die gleichen Chancen haben, gut bezahlte und zukunftssichere Berufe zu ergreifen.
Es gibt viele Gründe, warum Programme wie Jugend hackt 2 Go (Jh2Go) wichtig sind. In dem Forschungsprojekt soll herausgefunden werden, wie Mädchen sowie inter*, nicht-binäre, trans und agender Personen stärker für technische Themen begeistert werden können. Jh2Go bietet Workshops zu Coding, Making und Gaming, insbesondere für Mädchen im ländlichen Raum.
Institut Spawnpoint wandelt zwischen den Welten
Verantwortlich für das Projekt sowie viele weitere Angebote ist das Institut Spawnpoint, das seinen Sitz in Erfurt hat und nach eigener Aussage „zwischen den Welten“ wandelt – gemeint sind digitale, mediale und natürlich unsere reale Welt.
Digitale Lebenswelten junger Menschen besser verstehen
„Spawnpoint bietet Workshops und Fortbildungen an, die (größtenteils) Erwachsene fit machen, damit sie die digitalen Lebenswelten junger Menschen besser verstehen“, erklärt Marie Bielefeld vom Verein Spawnpoint. „So können sie in ihrer Arbeit, zum Beispiel im Jugendhaus oder in der Beratung, besser auf ihre Zielgruppen eingehen.“ Wer digitale Lebenswelten versteht, kann auf Augenhöhe mit jungen Menschen agieren – das ist die Devise von Spawnpoint.
Moderne Methoden mit Jugendlichen nutzen
Das Institut bildet zudem Studierende der Sozialen Arbeit und anderer pädagogischer Fachrichtungen aus. „Wir wollen alle erreichen, damit in verschiedenen Bildungsansätzen – sei es kulturell, politisch oder im Bereich Nachhaltigkeit – moderne Methoden mit Jugendlichen genutzt werden“, sagt Bielefeld. Neben den Fortbildungen für Erwachsene findet deshalb aktuell zweimal im Monat „Jugend hackt“ für 12- bis 18-Jährige statt.
Technik & Teilhabe bei „Jugend hackt“ in Erfurt
Dieses Angebot ist laut der Spawnpoint-Sprecherin kostenlos und bewusst offen gestaltet. „Ganz anders als in der Schule bringen die Kinder hier selbst Ideen und Fragen zu MINT-Themen mit. Wie kann ich einen Mini-Computer bauen oder etwas mit dem 3D-Drucker erstellen? Gemeinsam mit anderen Technik-Fans und ehrenamtlichen Mentor:innen werden hier Lösungen ausprobiert“, erklärt sie.
Die Veranstaltungen finden alle im barrierefreien „Maker Space“ statt. Das ist eine Technik-Werkstatt für alle. Dort gibt es unter anderem die Möglichkeit, als Person mit Behinderung viel Technik auszuprobieren und sich zum Beispiel etwas Hilfreiches für den Alltag mit dem 3D-Drucker zu drucken.
Finanzielle Unterstützung steht auf der Kippe
Doch derzeit steht die Arbeit von Spawnpoint auf der Kippe. Es geht laut Marie Bielefeld um Planungssicherheit. Das Projekt wurde bisher vom Land Thüringen gefördert, doch aktuell ist unklar, ob es auch künftig im Haushalt berücksichtigt wird. „Ein Ort wie der barrierefreie Maker Space ist einzigartig in Thüringen und muss unbedingt erhalten bleiben. Im Moment arbeiten einige Menschen von Spawnpoint ehrenamtlich, um die Veranstaltungen weiterhin anbieten zu können.“
Um die Finanzierung langfristig zu sichern, stellt Spawnpoint derzeit Anträge auf Bundesebene und plant, die Zusammenarbeit mit Stiftungen sowie mit Aktion Mensch im Bereich Barrierefreiheit weiter auszubauen.
„Das Erreichen von Zielgruppen im digitalen Raum ist ein wichtiger Aspekt, der von vielen Multiplikator*innen und Institutionen mit Jugendangeboten noch zu wenig erkannt und genutzt wird“, betont Bielefeld. „Wir entwickeln konstruktive Ansätze, die sowohl die Bedürfnisse der Jugendlichen als auch die Anforderungen der offenen und aufsuchenden Jugendarbeit berücksichtigen.“
Gezielter Einsatz von Gaming
Das heiße praktisch: Wie kann ich Games im Jugendhaus einsetzen, um damit Kommunikation zu fördern? Oder auf welchem Weg kann Berufsorientierung sich an Games orientieren, um junge Menschen für das Thema zu motivieren.
Digitale Teilhabe fördern
„Wir möchten digitale Teilhabe fördern und die Attraktivität ländlicher Regionen durch innovative Bildungsangebote stärken“, sagt Bielefeld. Langfristig soll es regelmäßig Workshops mit offenen Lehrmaterialien geben. Insbesondere MINT-Jugendliche sollen die Möglichkeit erhalten, Selbstvertrauen aufzubauen, technisches Know-how in einer bewertungsfreien Umgebung zu entwickeln und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.
Kommende Veranstaltungen
Vom 30. Juni bis 3. Juli ist „We make Sommerferien“ angesagt. Da finden Workshops für Kinder bei verschiedenen tollen Akteuren in ganz Erfurt statt. Unter anderem wird es auch Angebote zu Gaming und Elektro-Technik in unserem barrierefreien Maker Space geben. Die nächsten „Jugend hackt“ – Termine sind am 11. April und 30. April. Außerdem sei ein „Game Jam“ geplant. Das ist ein Wochenende, an dem Jugendliche in kleinen Gruppen eigene Games entwickeln können.
