Jüdische Identität auf der ganzen Welt, in Deutschland, in Thüringen und auch in Erfurt ist eng verknüpft mit Israel. Es ist wichtig, dass wir die vielschichtige Kultur von Israel hier bekannt machen und somit eine Grundlage für ein friedliches Miteinander legen.“ Reinhard Schramm, der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, formuliert es treffend: Ein Besuch bei den 33. Jüdisch-Israelischen Kulturtage vom 19. März bis zum 10. April ist in vielerlei Hinsicht lohnend.
Jüdische Musikszene in Erfurt: Von Elektro bis Folk-Punk
Das Festival versteht sich als Kulturbotschafter:in: Für jüdisches Leben in Deutschland. Für die Geschichte und die Gesellschaft Israels. Für seine Multikulturalität und für die Menschen, die dort leben. Aber leider fehle es da oft an Wissen, meint Festival-Chef Johannes Gräßer, der diesem Umstand ein Ende setzen will: „Die Jüdisch-Israelischen Kulturtage helfen dabei, denn sie bieten verschiedene Möglichkeiten, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die in Israel leben oder dort aufgewachsen sind.“
85 Events in Thüringen: Das erwartet Erfurt beim Festival
Insgesamt 85 Veranstaltungen. Rundgänge, Workshops, Filme, erstmals sechs verschiedene Ausstellungen und jede Menge Musik verschiedener Stilrichtungen erwarten die Besuchenden in Erfurt, Gera, Mühlhausen, Meinigen und darüber hinaus. „Zum ersten Mal dabei sind in diesem Jahr Almerswind im Landkreis Sonneberg und meine Heimatstadt Greiz in Ostthüringen“, freut sich Gräßer, der bemüht ist, die Jüdisch-Israelischen Kulturtage (Jikt) generationenübergreifend zu positionieren.
So biete das Nerly in Erfurt so einige Formate für eine jüngere Zielgruppe an. „Auch die Ausstellungen in der Galerie Waidspeicher im Krönbacken und in der Kleinen Synagoge Erfurt zeigen Kunst von recht jungen jüdischen Künstlern“, sagt der Jikt-Chef und empfiehlt im gleichen Atemzug eine Lesung mit Autorin Sarah Klatt, die ihr Buch „Das Land, das ich dir zeigen will“ vorstellt, und ein Gesprächsformat mit der jungen Nahost-Korrespondentin und Aktivistin Sarah Maria Sander über Mechanismen und Herausforderungen der Medienberichterstattung über Israel.
Erfurt feiert Vielfalt: Die Jüdisch-Israelischen Kulturtage
Auch musikalisch decken Jikt eine große Bandbreite ab. So gibt der Klangkünstler Alex Stolze, den viele als Mitglied der Berliner Elektro-Indie-Band „Bodi Bill“ kennen, ein elektronisches Konzert in der Alten Synagoge. Die israelische Sängerin Hadar Maoz verbindet Popmusik mit traditionellen Klängen auf Bühnen in ganz Thüringen und „The Broken Tongue“ peppen ihren Sound schon mal mit Cabaret- und Folk-Punk-Elementen auf (am 10. April in Erfurt).
Johannes Gräßer ist immer wieder vom Facettenreichtum der Musik aus Israel begeistert. Speziell in Israel gebe es demnach ein besonders hohes Maß verschiedener kultureller Einflüsse, die sich in der Musik wiederfinden. „Die ‚eine jüdische‘ Musik gibt es nicht. Es sind Menschen, die mit ihrer Musik Geschichten erzählen und ihre Werte und Emotionen zum Ausdruck bringen – gleich welcher Herkunft oder Religion. Wenn wir dies erkennen und ein bisschen weniger in Schubladen denken, dann sind wir auch in unserer Gesellschaft einen Schritt weiter. Diese Erfahrung wünsche ich allen Generationen, die jüngere kann damit noch länger etwas bewirken.“
Perspektivwechsel in Thüringen: Jüdisches Leben entdecken
Laut dem Festivalmanager können alle Künstler:innen nach den Veranstaltungen auch direkt angesprochen werden, denn die persönlichen Begegnungen soll Meinung bilden. Wissen und Erfahrungen aus erster Hand vermitteln, ist die Devise. „Viele Diskussionen bleiben einseitig und verkürzt“, sagt er und weiter: „Hier können wir einen Perspektivwechsel ermöglichen.“
Jüdische Kultur erleben: Ausstellungen, Talks und Musik
Die Kulturtage wollen „Israel“ nicht nur im Namen tragen, sondern auch inhaltlich klar Bezug nehmen und verschiedene kulturelle Aspekte des Landes beleuchtet. „Für die Zivilgesellschaft ist es eine Einladung zum Kennenlernen, zum Austausch, zum miteinander Lernen und ja, auch zum Feiern und Genießen. Ohne das Weltgeschehen zu vergessen, ist es wichtig, auch in schwierigen Zeiten fröhlich sein zu dürfen.“
Hard Facts
- Jüdisch-Israelische Kulturtage: 19. März bis 10. April
- in 16 Städten in Thüringen
- Mehr: www.juedische-kulturtage-thueringen.de
