Mit seinem lang erwarteten Debütalbum „Heavyweight Champion“ meldet sich der Berliner SingerSongwriter und Multiinstrumentalist Donkey Kid eindrucksvoll zurück. Der 22-jährige Musiker, der sich in den letzten Jahren eine internationale Fangemeinde aufgebaut hat, kombiniert auf dieser Platte Indie-Rock mit elektronischen Elementen.
Dein neues Album heißt „Heavyweight Champion“. Was macht dein erstes Album zum Schwergewichtschampion?
Die Thematik. Der Titel hat nichts mit Boxen zu tun, sondern mit einer gewissen Schwermut, die ich als „heavyweight“ empfunden habe. Letztes Jahr war für mich nicht leicht, und genau darüber habe ich das Album geschrieben. Irgendwann war klar: Es wird „Heavyweight Champion“. Also, die Thematik macht’s.
Was hat dich letztes Jahr so beschäftigt, dass auch das Album davon handelt?
Die Liebe. Ich habe eine Beziehung, mit dem Album verarbeitet.
Mit Schwergewichten wirst du auch im Musikexpress verglichen, einem der wichtigsten deutschsprachigen Musikmagazine. Da heißt es, dein Album klingt wie Bloc Party, Arctic Monkeys, MGMT und The Strokes – echte Indielegenden der 2000er. Was macht das mit dir?
Das habe ich auch gesehen und mich riesig gefreut. Richtig cool, weil das so in der Form noch nie passiert ist – vor allem, dass die Referenzen auch wirklich gepasst haben. Ich find’s großartig, dass die Leute die Einflüsse raushören. Der Autor hat’s genau getroffen: MGMT war am Anfang tatsächlich einer der Haupteinflüsse für das Album. Es war einfach schön zu sehen, dass das gehört und verstanden wurde. Und ich bin Fan von all den genannten Bands – mit denen in einem Atemzug genannt zu werden, ist schon echt schmeichelhaft.
Was bedeutet es für dich, inspiriert oder beeinflusst zu werden?
Ich hab‘ meistens so eine Phase, in der ich komplett in die Musik von einem Künstler oder einer Künstlerin eintauche. Wochenlang höre ich dann nur das. Und je mehr ich das höre, desto mehr kriege ich Bock, selbst etwas in die Richtung auszuprobieren oder einen bestimmten Sound nachzubauen. Aber weil ich nicht nur von einem Sound beeinflusst bin, sondern von vielen verschiedenen, kommt am Ende immer was Eigenes dabei raus – kein billiger Abklatsch, sondern etwas Neues.
Du hast das Album größtenteils selbst geschrieben, gesungen und produziert. Was war dabei die größte Herausforderung für dich – und wo hast du dich richtig im Flow gefühlt?
Ich mache das schon immer so – allein schreiben, produzieren, aufnehmen. Das war von Anfang an mein Ding. Die Band war bisher immer nur für die Live-Auftritte dabei. Aber bei diesem Album habe ich zum ersten Mal mit jemandem zusammengearbeitet, einem Freund von mir – Joel. Wir haben das zu zweit gemacht, und das war neu für mich. Komischerweise war’s aber keine richtige Herausforderung, weil es einfach super funktioniert hat. Es hat die Arbeit sogar aufgewertet.
Ich habe gelernt, wie hilfreich es ist, direkt im Moment Feedback zu bekommen. Früher habe ich die Songs fast fertig gemacht und sie dann Leuten gezeigt. Aber wenn die dann was dazu gesagt haben, war’s schwierig, noch was zu ändern – es war ja schon fast durch. Mit Joel war das anders. Er war direkt im Prozess dabei, und wir konnten Dinge ausprobieren, die ich allein vielleicht nie gemacht hätte. Das hat mir total geholfen und richtig Spaß gemacht.
Das Album ist trotzdem größtenteils wie immer bei mir zu Hause entstanden. Aber wir waren auch zwei Wochen in einer Hütte im Odenwald – das war richtig cool. Zwei Wochen lang nur Musik, keine Ablenkung, keine anderen Einflüsse. Das war ein echter Flow-Moment. Die größte Herausforderung ist aber immer das Gleiche: zu entscheiden, wann es fertig ist. Das ist echt das Schwerste.
Du wurdest schon ziemlich gehyped, hast aber lange nur EPs oder Singles rausgebracht. Warum hat ein Album so lange auf sich warten lassen?
Ehrlich gesagt lag das vor allem an mir. Vorletztes Jahr hatte ich sogar schon mal ein Album geschrieben, aber irgendwie hat’s sich nicht richtig angefühlt. Ich war nicht zufrieden damit. Es hat ein paar Anläufe gebraucht. Letztes Jahr haben wir dann auch super viele Konzerte gespielt, da war einfach keine Zeit, sich hinzusetzen und ein Album zu machen. Dieses Jahr war’s anders – wir hatten nur ein paar Gigs, und plötzlich war die Zeit da.
Ich holte mir dann Unterstützung und wollte das Ganze nochmal richtig angehen, quasi von vorne. Songs hatte ich eigentlich genug, aber ich wollte ein Album machen, das sich rund anfühlt. Und jetzt kommt es endlich: das Debütalbum.
Einige deiner Songs handeln von schwierigen Erfahrungen und Gefühlschaos. Gibt es einen Track auf dem Album, der für dich besonders emotional war, als du ihn geschrieben hast?
Eigentlich waren’s irgendwie alle. Ich merkte das jetzt beim Album-Release. Joel und ich spielten ein kleines Konzert in Berlin, und da hab ich die Songs zum ersten Mal live performt. Das war schon heftig bei jedem einzelnen Track. Beim Schreiben ist der Prozess immer recht intensiv, aber wenn’s dann ans Mischen geht, denkst du nicht mehr so viel über den Inhalt nach – das wird fast schon technisch.
Aber auf der Bühne hat’s mich dann wieder voll eingeholt. Da wurde mir klar, dass wirklich jeder Song auf seine Weise emotional ist.
Du hast auch außerhalb von Deutschland eine wachsende Fanbase, mit Shows in Paris und London. Wie fühlt es sich an, internationale Fans zu haben, und gibt es Unterschiede im Feedback?
In London und Paris war auffallend gute Stimmung, es war sehr ausgelassen. Aber ich will gar nicht sagen, dass das in Deutschland anders ist – das hängt eh immer von der Show ab. Ich spielte auch noch nicht so oft in England oder Frankreich, aber wenn wir dort waren, waren es immer megacoole Konzerte. Vielleicht lag’s auch an uns, weil wir so krass aufgeregt waren. In Deutschland ist das Publikum aber genauso super – es kommt einfach auf den Moment an.
Als ihr in London wart, wie war das für dich? London ist ja bekanntlich eine magische Stadt für Indie-Künstler:innen.
Ja, total! Unser Gitarrist Luke ist Engländer – und da kamen ein paar Freunde von ihm – das hat sich fast wie ein Heimspiel angefühlt, obwohl wir in London waren. Die Stimmung war richtig gut. Es war zwar kleiner, weil wir im Ausland waren, aber genau das fand ich irgendwie cool. Wir haben in einem Keller eines Pubs gespielt, vor etwa 150 Leuten, das hatte eine richtig besondere Atmosphäre.
Wächst deine Fanbase in Deutschland schon auf mehr als 150 Leute an?
Ja, definitiv. Letztes Jahr haben wir im Lido in Berlin gespielt – da waren über 600 Leute.
Ich als Elektro-Pop-Fan finde ja deinen Song „Appetite“ besonders gut. Wie setzt du so elektronische Songs auf der Bühne um?
Lustig, dass du das fragst – ich komme gerade von der Probe, und genau den haben wir heute geprobt. Max, unser Bassist, spielt dabei auch mal kein Saiteninstrument, sondern Synthie. Wir machen generell eine Mischung aus unserem Live-Rock-Setup und den elektronischen Produktionen. Der Bass bleibt wie auf der Aufnahme, aber die Gitarren sind live deutlich rockiger. Und klar, Pedals und alles, was wir so haben, kommen zum Einsatz. Da wird wirklich alles aufgefahren (lacht).
Erfurt darf dich bald live erleben! Was dürfen die Fans von deinem Auftritt erwarten – und gibt es Songs, auf die du dich besonders freust, sie auf die Bühne zu bringen?
Die Fans können sich auf eine großartige Show freuen. Wir spielen fast das ganze Album und natürlich auch die älteren Hits – es ist also alles dabei. Wir proben gerade so viel wie nie zuvor, und ich denke, wir werden richtig gut spielen. Ein Song, auf den ich mich besonders freue, ist „I am him“. Auf dem Album ist das ein elektronischer Song, der fast nur aus Synthesizern besteht. Wir machen daraus aber eine Gitarrenversion, die ziemlich nach den Strokes klingt. Das mag ich sehr. Ich glaube, der wird richtig cool. Aber es ändert sich auch von Woche zu Woche, auf welchen Song ich mich am meisten freue. Gerade ist das mein Liebling.
Du hast in Erfurt das letzte Mal zum Schluss noch „Let there be Rock“ von Tocotronic angestimmt. Können wir uns auf solche Überraschungen freuen?
Das werde ich nicht verraten (lacht). Das ein oder andere Easteregg kommt mit rein.
