Kinder benutzen keine Filter – und genau das lieben „Deine Freunde“. Das hat uns Bandmitglied Florian Sump im Interview verraten. Was 2012 als spontanes Spaßprojekt für eine Kindergruppe begann, ist heute die wohl „coolste Kinderband der Welt“. Mit einer Mischung aus Hip-Hop, Pop und Elektro bringen sie nicht nur Kinder zum Feiern, sondern lassen auch Erwachsene in Erinnerungen an ihre eigene Kindheit schwelgen. Ihre Songs handeln von Hausaufgaben, nervigen Elternregeln und Schokolade, die nur Oma rausrückt – humorvoll, alltagsnah und mit fetten Beats direkt aus der Lebenswelt der Kinder.
„Deine Freunde“ spielen live mit Orchester bei Konzert in Erfurt
Jetzt erfüllt sich die Band einen ihrer eigenen Kindheitsträume: eine Orchester-Tour! Am 17. April erwartet Fans etwas völlig Neues: Gemeinsam mit der STÜBAphilharmonie spielen „Deine Freunde“ in der Messe Erfurt ein Konzert, das Hip-Hop und Klassik aufeinandertreffen lässt. Wie es sich anfühlt, plötzlich mit fast 80 Musiker:innen auf der Bühne zu stehen, warum Kinder das ehrlichste Publikum der Welt sind und warum sich selbst im Sitzen feiern lässt, erfahrt ihr im Interview.

Deine Freunde sind ein Garant für ausverkaufte Konzerthallen. Foto: Marco Sensche
Vor 12 Jahren habt ihr eure Band „Deine Freunde“ gegründet. Wie kam es eigentlich dazu, dass ihr beschlossen habt, eine Kinderband zu gründen – war das eher eine Schnapsidee oder ein geheimer Masterplan?
Ich wünschte, ich könnte sagen, es war ein geheimer Masterplan, weil uns das genial dastehen lassen würde. Aber es war eher eine Schnapsidee. Ich habe zehn Jahre lang im pädagogischen Bereich mit Kindern zusammengearbeitet und damals für eine Gruppe, die ich betreute, einen Song mit befreundeten Musikern (die jetzigen Bandkollegen: Markus Pauli und Lukas Nimscheck) aufgenommen. Dabei fiel mir auf, dass es kaum Musik gibt, die sich mit der wirklichen Lebensrealität von Kindern auseinandersetzt.
Die Kindergruppe feierte den Song total ab, und wir als Musiker haben das auch ab dem ersten Mal zusammensitzen total genossen und hatten direkt neue Ideen, sodass wir sagten „Kommt – wir machen weiter“, weil es einfach so viel Spaß bringt.
Gab es einen Moment, in dem ihr gemerkt habt: „Okay, das mit der Band ist nicht nur ein Spaßprojekt, das wird richtig groß“?
Es gab nicht das eine Konzert bei dem wir dachten: „Wow, jetzt hat das irgendwie diese Größe erreicht“. Von Anfang an, selbst als die Konzerte noch sehr klein waren, gab es so ein überwältigendes Feedback der Kinder und deren Eltern und Großeltern.
Sie waren einfach froh, dass es uns plötzlich gab und überschütteten uns mit Liebe, die wir auch sehr gerne angenommen haben. Das war genau unser Ziel: Unterhaltung in die Familien zu bringen. Wir konnten nicht damit rechnen, dass das so gut klappt. Durch diese Rückmeldung war uns direkt klar, dass wir hier an was dran sind, das es wert ist, weiterverfolgt zu werden.
Ihr macht Musik für Kinder. Bringt euch eure Musik manchmal in die eigene Kindheit zurück? Hilft euch das beim Songschreiben?
Ja, ständig! Die eigene Kindheit ist ganz oft die Quelle unserer Texte. Wir überlegen immer, was wir damals als Kinder erlebten. Was uns, aber auch was die Eltern genervt hat. Dann fragen wir uns, was es davon heute noch genauso in den Familien gibt.
Obwohl sich die Welt sehr verändert hat und vieles anders ist als vor 30 Jahren, gibt es gewisse Dynamiken, die irgendwie zeitlos sind. Darüber Songs zu machen, bringt uns als Band riesigen Spaß, weil es eher ungewöhnlich ist, solche Situationen in Musik zu packen.
Am 17. April spielt ihr zusammen mit der STÜBAphilharmonie in der Messe Erfurt. Ein ziemlich wilder Genre-Mix. Wie hat das Orchester auf eure Musik reagiert? Gab es skeptische Blicke oder waren sie sofort Feuer und Flamme?
Die waren coolerweise sofort begeistert. Viele aus dem Orchester besuchten uns sogar auf Tour und schauten sich live an, was wir so machen. Wenn man „Orchester“ hört, hat man ja oft diese typischen Klischees im Kopf.
Ehrlich gesagt hatte ich die auch, bevor wir die Philharmonie kennengelernt haben. Aber das sind alles sehr lebensbejahende, coole, feiernde, musikliebende Menschen, die alles andere sind als diese Vorstellung von einem strengen Orchester-Geiger im Anzug. In erster Linie geht’s ihnen um Musik und die Leidenschaft dahinter. Die gemeinsamen Proben brachten unglaublich viel Spaß.
Jetzt wagen wir uns mal raus aus unserer Komfortzone. Seit fast 13 Jahren stehen immer nur wir drei auf der Bühne, und plötzlich sind wir da mit fast 80 Menschen. Wir spielen auch ganz andere Lieder als sonst, weil sie jetzt von einem Orchester begleitet werden. Das wird eine völlig neue Erfahrung, aber wir haben alle richtig Bock drauf.
Normalerweise kennt man euch laut und wild. Du hast eben schon die Klischees rund ums Orchester angesprochen. Mit dieser Tour vermischt ihr beide Welten. Glaubst du ihr müsst euch oft daran erinnern, nicht mitten in der Show ins Mikro zu rufen: „Macht mal Lärm!“?
Das kann gut sein. Vielleicht erwischen wir uns bei den ersten Konzerten noch dabei, zu laut zu moderieren oder direkt in den Eskalations-Party-Modus zu verfallen (lacht). Aber ich glaube, die Musik und die Kraft des Orchesters geben von selbst den Ton an.
Wir wollen da gar nicht gegensteuern. Unser Plan ist, uns einfach voll reinzuhängen und diese unglaubliche Musik gemeinsam zu genießen. Ich denke, das wird unsere Lautstärke von ganz allein etwas runterregeln. Hoffe ich zumindest.
War es schwer, sich auf die ruhigere Orchester-Variante einzulassen? Seid ihr bei den Proben auf Herausforderungen gestoßen?
Klar gibt es Herausforderungen. Bei manchen Songs dachten wir sofort, das ist super umgesetzt. Bei anderen hätten wir uns das ein bisschen anders vorgestellt. Da ist es dann wichtig die Köpfe zusammenzustecken – und diesmal nicht nur zu dritt, wie im Studio, sondern zusammen mit dem Dirigenten. So finden wir Lösungen, die alle glücklich machen.
Für uns als Band ist das was ganz Neues. Wir fühlten uns erstmal wieder wie kleine Jungs. Eigentlich sind wir ja mittlerweile gestandene Männer auf der Bühne (lacht), weil wir im letzten Jahrzehnt so unfassbar viele Konzerte gespielt haben. Es ist schon sehr respekteinflößend, wenn dann so viele Musiker:innen vor dir stehen, die echte klassische Instrumente spielen.
Was glaubst du, wie die eher ruhigen Orchesterklänge bei einem so jungen Publikum ankommen? Denkst du, dass eure Fans auch im Sitzen so abgehen werden wie bei euren normalen Konzerten?
Das wird spannend – ich kann das noch nicht so ganz einschätzen. Wir spielen in völlig anderen Konzerthäusern, in manchen hört man jedes kleinste Geräusch aus dem Publikum. Das ist schon anders als die Hallen, in denen wir sonst unterwegs sind.
Ich lasse mich überraschen. Erwachsene neigen oft dazu, Kinder zu unterschätzen. Man könnte meinen, dass es den Kindern schwer fällt, in den knapp anderthalb Stunden stillzusitzen. Aber ich habe gelernt, diesen Fehler nicht zu machen. Ich traue ihnen zu, sich darauf einlassen zu können, ein Konzert mal ganz anders zu erleben, als sie es sonst von uns gewohnt sind.
Sollte sich da der ein oder andere nicht halten können und doch auf den Stühlen rumspringen, dann find ich das – ehrlich gesagt – auch nicht schlimm.
Wie ist eure Erfahrung mit Kindern als Publikum? Sind Kinder ehrlicher als Erwachsene?
Kinder sind oft ungefilterter, weil ihnen die kindliche Freude noch nicht aberzogen wurde und sie noch diese kindliche Ehrlichkeit haben. Als Erwachsener sagt man aus Höflichkeit nicht immer das, was man denkt, aber Kinder sprechen das aus, was ihnen gerade durch den Kopf geht. Das finden wir total erfrischend, auch wenn mal Kritik dabei ist.
Auf Konzerten erleben wir Kinder nicht als großartig anderes Publikum als Erwachsene. Unsere Shows sind sehr auf Tanzen, Feiern, ausgelassenes Mitsingen und eine gute Zeit haben ausgelegt. Das machen die Kids genauso wie ihre Eltern. Bei unseren normalen Konzerten gibt es einen Kinderbereich, in dem sie völlig frei abgehen können. Bei der Orchestertour fällt dieser Bereich weg und die Kinder sitzen direkt neben ihrer erwachsenen Begleitperson. Wir sind echt gespannt, wie sich das auswirkt.
Kannst du dich an einen lustigen Moment erinnern, in dem euch die ungefilterte Ehrlichkeit von Kindern so richtig erwischt hat?
Oh ja! Nach den Konzerten treffen wir die Kids oft für Autogramme und Fotos. Wenn wir dann noch nicht geduscht haben, weil wir direkt rausgegangen sind, kommt schon mal ein Kind und sagt: „Boah, ihr stinkt!“ (lacht). Kein Wunder – nach 90 Minuten Vollgas auf der Bühne schwitzen wir natürlich ordentlich.
Oder wenn ihr Lieblingslied nicht dabei war. Bei mittlerweile acht Alben können wir natürlich nicht alle Songs auf einem Konzert spielen. Da gibt es schonmal Beschwerden von den Kindern.
Aber durch die Art der Kinder, wie sie das einfach raushauen, waren das immer schöne Momente. Wenn wir Erwachsene das einfach mal so machen würden, hätten wir wahrscheinlich weniger Probleme.
Gibt es ein klassisches Stück, das ihr gerne in den „Deine Freunde“-Stil umwandeln würdet?
Da haben wir noch nie drüber nachgedacht. Als Kind habe ich immer super gerne “Peter und der Wolf“ gehört. Ich fand es krass, wie einzelne Tiere zu Instrumenten wurden. Das waren so heftige Melodien für mich, dass ich sie heute noch im Kopf habe.
Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir uns mit dem „Deine Freunde“-Humor Sachen ausdenken würden, die ein bisschen verrückter sind. Was Pauli und Lukas dazu sagen, müsste ich sie mal fragen.
Am 17. April bringen „Deine Freunde“ ihr Orchester-Konzert in die Messe Erfurt, doch auch auf ihrer „Alle in die Halle“-Tour im Herbst machen sie Halt in Thüringen. Am 21. November 2025 steigt in der Sparkassen Arena in Jena so ein richtiges „Deine Freunde“-Konzert – mit Party, Tanz, Springen und natürlich jeder Menge Mitsingen.
Hard Facts:
- Deine Freunde mit der STÜBAphilharmonie
- 17. April | Messe Erfurt
- „Alle in die Halle“ – Tour:
- 21. November | Sparkassen Arena Jena
- Tickets und mehr: www.deinefreunde.info
