Es ist ein kurzer Moment im neuen Podcast „Recall“, der hängen bleibt – und der nun auch in Thüringen für Gesprächsstoff sorgen wird. LaFee, einst einer der größten deutschen Popstars der 2000er, erzählt dort von einer Begegnung mit Clueso, der damals als Musiker bereits etabliert war. Wie LaFee im Podcast von Senna und Bahar (Monrose) schildert, habe sie dieses Treffen als verletzend erlebt. Ein klassischer „Never meet your hero“-Moment, wie das dazugehörige Reel überschrieben ist.
Ein Moment mit Clueso bleibt LaFee bis heute im Gedächtnis
LaFee blickt dabei rund 20 Jahre zurück. Sie war damals 16 Jahre alt, frisch im Popgeschäft, während Clueso bereits als Musiker wahrgenommen wurde. „Ich hab einmal Clueso kennengelernt, und ich dachte: was für ein toller Musiker, was für ein sensationeller Sänger – und er hat sich halt mir gegenüber komplett daneben verhalten“, sagt sie. Die Enttäuschung klingt bis heute nach: „Da dachte ich auch so: really?“
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Im Gespräch mit Bahar geht es nicht um konkrete Vorwürfe, sondern um ein Gefühl. LaFee beschreibt, dass sie sich nicht ernst genommen fühlte. Auf die Nachfrage, ob es daran lag, dass sie noch auf der Suche nach sich selbst war, antwortet sie deutlich: „Nur weil ich mich noch finden muss, heißt das nicht, dass ich weniger ernst zu nehmen bin – weil, ich arbeite auch wie ein Schwein.“ Bahar ergänzt, dass unterschiedliche Talente nichts über den Wert einer Person aussagen. LaFee bringt es so auf den Punkt: „Ich finde es schade, dass man in dieser Branche Menschen belächelt.“
LaFee: Musikbusiness der 2000er war „Haifischbecken“
Die Aussagen sind Teil eines größeren Rückblicks. Im Podcast spricht LaFee offen über ihren frühen Ruhm, über Einsamkeit trotz Erfolg und über den Druck, dem sie als Teenager ausgesetzt war. Mit 15 wurde sie zum Star, während andere noch die Schulbank drückten. Sie beschreibt das Musikbusiness jener Zeit als ein „Haifischbecken“, in das sie geworfen wurde – mit wenig Schutz und kaum Raum für Zweifel. Irgendwann habe sie für sich entschieden, so nicht weiterleben zu wollen, trotz Charts, Aufmerksamkeit und medialer Präsenz.
Der geschilderte Vorfall mit Clueso steht dabei exemplarisch für eine Branche, die vor 20 Jahren deutlich anders funktionierte als heute. In den frühen 2000ern war das Musikgeschäft stark männlich geprägt, hierarchisch organisiert und wenig sensibel für Machtgefälle. Junge Künstlerinnen galten oft als „Teenie-Acts“, nicht als gleichwertige Profis. Begriffe wie Awareness oder Grenzverletzung spielten öffentlich kaum eine Rolle. Verhalten, das heute hinterfragt würde, galt häufig als rauer Branchenalltag. Diese Einordnung in die Zeit soll den Kontext erklären. Dabei soll kein individuelles Verhalten entschuldigt werden.
Eine Stellungnahme von Clueso liegt nicht vor
Wichtig ist auch: LaFee erhebt keinen Vorwurf strafbaren oder systematischen Fehlverhaltens. Sie schildert eine persönliche Erfahrung aus ihrer Perspektive. Eine Stellungnahme von Clueso liegt nicht vor, ebenso gibt es keine Hinweise darauf, dass sich ähnliche Situationen später wiederholt hätten. Ob und wie Clueso das damalige Verhalten heute bewerten würde, ist offen. Menschen und Haltungen können sich über zwei Jahrzehnte verändern.
„Clueso ist sooo wahnsinnig bodenständig …“
Auch seine Fans springen dem Thüringer Musiker in den Kommentaren unter dem Beitrag zur Seite: „Clueso ist sooo wahnsinnig bodenständig und ein echter Erfurter. Ich finde es schwierig, dass du dich aufgrund einer Begegnung so äußerst … “, schreibt Userin Nicole. „Das war vor 20 Jahren. Da war Clueso 25. Ich denke mit 25, haben wir alle mal etwas gemacht, was wir heute nicht mehr so machen würden. Wir werden doch alle älter, erfahrener und anständiger“, schreibt Userin Charleen in die Kommentarspalte.

LaFee gibt auf ihrer “ Ring Frei Tour 2009 “ ein Konzert in der Thueringenhalle. Foto: Marco Kneise
Dass LaFee heute in dem Interview darüber spricht, hat auch mit ihrer aktuellen Situation zu tun. Sie ist mit neuer Musik zurück, arbeitet weitgehend unabhängig und beschreibt ihre heutige Karriere als selbstbestimmter. Der Podcast „Recall“ bietet dafür den passenden Rahmen: Senna und Bahar laden dort regelmäßig Gäste aus der VIVA-Ära ein, um über Ruhm, Abstürze und das Leben nach dem ersten Hype zu sprechen.
Fragen auf über Respekt im Musikbusiness
Der „Clueso-Moment“ ist dabei weniger ein Diss als eine Rückschau. Er wirft Fragen auf über Respekt, Macht und Wahrnehmung im Musikbusiness – damals wie heute. Und er zeigt, warum es wichtig ist, solche Geschichten mit zeitlicher Distanz und Differenzierung zu erzählen. Nicht um Schuld zuzuschreiben, sondern um sichtbar zu machen, wie sehr sich Debatten verändert haben – und warum sie noch lange nicht abgeschlossen sind.
