„Wir sind das Zuhause jedes Ossis und machen Feiern wieder zu dem, was es einmal war – und was Wessis niemals checken!“ – Es gibt Partys, die locken mit guter Musik und einem kartierten Line-up. Und dann gibt es solche, die gleich die halbe Nachwendezeit mit in den Club schleppen – inklusive Fliesentisch, Goldkrone und einer ordentlichen Portion Assi‑Humor. Die „East Side Party“ gehört zur zweiten Kategorie. Und sie meint das, zumindest laut eigener Ansage, ziemlich ernst – wenn man das überhaupt ernst nehmen kann …
Ostdeutschlands härteste Party kommt nach Erfurt
Am 27. März macht die „East Side Party“ erneut Station im Central Erfurt – eine von vielen Stopps einer Reihe, die sich ganz ohne Ego-Probleme als „größte Partyreihe in ganz Ostdeutschland“ bezeichnet. Über 50.000 Gäste pro Jahr sollen laut Veranstalter bei dem derben Konzept zusammenkommen, um „unsere Heimat“ und „unsere Feierkultur“ zu zelebrieren. Oder, wie es die Ankündigung verspricht: „Der Osten eskaliert.“
„Wir eskalieren, wie nur wir Ossis es können“
Wie der Veranstalter mitteilt, bietet das Format eine Mischung aus Hardtekk, Techno, Uptempo und Konzert-Rap-Show – kein nostalgischer Ostrock- oder Schlager-Abend, sondern ein bewusst lauter, harter Rave mit regionalem Branding. „Mit den besten Acts aus dem Osten eskalieren wir, wie es nur Ossis können – ehrlich, hart und stolz aus dem Herzen!“, heißt es dazu passend auf Instagram. Die musikalische Ausrichtung ist klar: Abriss mit Tekk-Rap statt Jugendliebe mit Ute.
Mit Acts wie The Dark Horror, Justin Pollnik, Zensery, Ossitrio und Eycer setzt das Line-up auf etablierte Namen der härteren elektronischen Szene. Große Überraschungen bleiben aus – das Konzept ist weniger musikalische Innovation als vielmehr kalkulierte Eskalation.
Fliesentisch und Pfandflaschen prägen die Party
Auffälliger als das Line-up ist allerdings die Inszenierung drumherum. Die Party arbeitet mit einer Mischung aus Ostalgie, Selbstironie und bewusst derbem Humor. Specials wie der „Fliesentisch-Deal“ („Bring deinen Tisch mit und wir schenken dir einen Kasten Bier!“) oder die Möglichkeit, das Ticket mit „50 Pfandflaschen“ zu bezahlen, sprechen Bände und erscheinen eher weniger als Serviceleistung. Achtung: Ironie wird hier mit dem Zaunpfahl serviert.
„Maßstab in allen namenhaften Clubs der DDR“
Auch sprachlich bleibt die Veranstaltung krawallesk: „Wir setzen den Maßstab in allen namhaften Clubs der DDR!“ und „Diese Nacht kann nur in die Geschichte eingehen!“ sind Slogans, die weniger subtil daherkommen als vielmehr mit der Tür ins Haus fallen und ein „Wir gegen die“-Gefühl bedienen. Dazu kommen Gags wie „Wessis zahlen 1 Euro mehr“ oder „Baut die Mauer! – Maurer erhalten 50 Prozent Nachlass“. Offensichtlich provokanter Humor – könnte aber für elaborierte Raver abschreckend wirken.

Justin Pollnik (im Bild), laut Instagram das Mastermind hinter der East Side Party, ist mit über 60.000 Followern in dem Sozialen Medium einer der bekanntesten DJs aus Ostdeutschland. Foto: Justin Pollnik/Pressefotos
Die Grenze zwischen ironischer Ost-Identität und plumpem Chauvinismus bleibt ein schmaler Grat – und dürfte je nach Perspektive unterschiedlich bewertet werden. Doch ganz ohne Awareness feiern auch Ossis nicht. Die Veranstalter schreiben ausdrücklich: „Jede*r ist willkommen! Wir feiern stolz unsere Heimat, aber ohne Intoleranz, Rassismus oder politischen Quatsch. Hass bleibt draußen, Liebe bleibt drinnen.“
„Ossis feiern besser“
Unterm Strich ist die „East Side Party“ vor allem eines: ein durchinszeniertes Eventformat, das weniger auf musikalische Vielfalt als auf kollektiven Exzess setzt – laut, derb und mit unübersehbarer Selbst-Überzeichnung- oder doch eher -Überschätzung? Um es mit den Worten der Veranstalter zu sagen: „Wir zerlegen zusammen mit euch jeden Club. Ossis feiern besser – zeigen wir das mit Herz!“.
Hard Facts:
- Wann?: 27. März 2026
- Wo?: Club Central Erfurt
- Hier gibt’s weitere Infos
