Techno-Geschichte live erleben. Das ist im Mai bei einer ganz besonderen Veranstaltung angesagt, denn wenn zwei Namen wie Westbam und Dr. Motte gemeinsam auf einem Tourplakat stehen, geht es zwangsläufig um mehr als nur einen Clubabend. Mit der „Rave Love Tour 2026“ kommen zwei prägende Figuren der deutschen Technokultur nach Thüringen: Laut Central Club ist für den 23. Mai 2026 ein Stopp in Erfurt angekündigt.
Rückbesinnung auf die Ursprünge der deutschen Rave-Kultur
Der Titel „Rave Love“ sendet dabei klare Signale: Eine Rückbesinnung auf die Ursprünge der deutschen Rave-Kultur ist Programm. Die Veranstalter beschreiben die Reihe als Treffen zweier „Legenden und Pioniere der elektronischen Musik“ und verbinden sie mit Begriffen wie Freiheit, Gemeinschaft und dem Geist der frühen Technoszene. Gerade die Kombination aus Westbam und Dr. Motte trägt dabei eine besondere Symbolkraft: Beide stehen seit Jahrzehnten für unterschiedliche Seiten derselben Bewegung.
Westbam machte elektronische Musik massentauglich
Westbam, bürgerlich Maximilian Lenz, gehört zu den wichtigsten Figuren der deutschen Clubgeschichte. Bereits in den frühen Achtzigern verstand er das DJing nicht nur als Abspielen von Musik, sondern als eigenständige Kunstform. Mit seinem Label „Low Spirit“ und Veranstaltungen wie der Mayday prägte er die Entwicklung von Techno in Deutschland entscheidend mit und machte elektronische Musik massentauglich, wie es auf der Homepage von Universal Music heißt. Gleichzeitig blieb er stets eng mit der kulturellen Idee hinter der Szene verbunden – als Autor, Theoretiker und Grenzgänger zwischen Underground und Mainstream-Talkshow.

Erfurt wird zur Bühne für technoide Zeitgeschichte: Mit Westbam und Dr. Motte treffen zwei Ikonen der Szene aufeinander.. Foto: regios24/Sebastian Priebe
Dr. Motte wiederum gilt bis heute als das politische und spirituelle Gesicht der Berliner Rave-Kultur. 1989 initiierte er die erste Loveparade in Berlin – damals noch als politische Demonstration unter dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen“. Was mit wenigen Hundert Menschen begann, entwickelte sich in den folgenden Jahren zur größten Technoparade der Welt. Auch musikalisch setzte Dr. Motte Akzente, etwa mit dem Track „Der Klang der Familie“, der als Soundtrack der Nachwendezeit gilt.
Idee der früheren Rave-Geschichte
Dass beide nun gemeinsam touren, ist auch deshalb bemerkenswert, weil ihre Wege über Jahre nicht immer harmonisch verliefen. In der Szene wurde immer wieder über unterschiedliche Vorstellungen von Kommerzialisierung und Ausrichtung der Technokultur diskutiert. Die „Rave Love Tour“ wirkt deshalb fast wie ein gemeinsamer Blick zurück – und gleichzeitig wie eine Bestandsaufnahme dessen, was von der frühen deutschen Rave-Idee geblieben ist.
„Rave the Planet“ bringt Nostalgie
Der Zeitpunkt dafür könnte kaum passender sein. Seit 2024 gilt die Berliner Technokultur offiziell als immaterielles UNESCO-Kulturerbe – ein Schritt, für den sich insbesondere Dr. Motte über Jahre mit seinem Projekt „Rave the Planet“ eingesetzt hatte. Wenn Westbam und Dr. Motte nun gemeinsam durch Clubs touren, wirkt das deshalb nicht nur nostalgisch. Es ist auch ein Stück deutscher Pop- und Kulturgeschichte, das noch immer auf die Tanzfläche drängt.

Tausende Personen feiern auf der „Rave the Planet“-Technoparade auf der Straße des 17. Juni 2023 vor der Siegessäule. Die Parade wurde unter anderem von Techno-Pionier Dr. Motte organisiert und gilt als Nachfolgerin der Berliner Love Parade. Foto: Christoph Söder
Hard Facts:
- Wann: 23. Mai | 22 Uhr
- Wo: Am Wasserturm 8-10 | Central Club
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