Die Bastion auf dem Petersberg in Erfurt, die Creuzburg im Wartburgkreis oder die Seestern-Panorama-Bühne in Zeulenroda-Triebes direkt an der Talsperre – immer mehr außergewöhnliche Open-Air-Spielorte versüßen den Thüringer Konzertsommer. Der Freistaat mausert sich und immer mehr Veranstaltende und Gäste entdecken das Live- und Draußen-Gefühl neu. In unserer Reihe wollen wir die außergewöhnlichste Venus ins Spotlight nehmen und schauen, welche Events sie bieten und was sie so besonders macht.
Park in Weimar wird zur Bühne
Zwischen Stadt und Natur, dort wo Weimars Alltag kurz die Schuhe auszieht und barfuß durchs Grün läuft, liegt der Park am Congress Centrum Neue Weimarhalle. Eingebettet in den Asbachgrünzug ist er so etwas wie ein grünes Bindeglied mit Hang zur Bühne. Terrassen steigen hier wie kleine Zuschauerreihen aus dem Boden, sie führen von der Weimarhalle direkt ins Parkgeschehen hinein. Dazwischen entfaltet sich eine Landschaft aus offenen Rasenflächen, geschwungenen Wegen und einer Teichanlage, die mit barocker Umfassungsmauer und Kaskade fast ein bisschen so tut, als hätte sie sich extra für Applaus in Position gebracht. Die „Bühne“ ist hier keine starre Konstruktion, sondern eher ein launiges Zusammenspiel aus Wasser, Wiese und Architektur – ein Ort, der sich selbst inszeniert, ohne es zu dick aufzutragen.
Wiesen als Zuschauerplätze
Die Zuschauerplätze sind gewissermaßen die Wiesen selbst, das Wasser übernimmt die Hauptrolle als glitzernder Mittelpunkt. Historisch betrachtet ist das Ganze übrigens kein Neuling im Rampenlicht: Schon im 15. Jahrhundert wurde das Areal als herzoglicher Baumgarten erwähnt, später wanderte es in die Hände von Friedrich Justin Bertuch, einer echten Schlüsselfigur der Weimarer Klassik, der dem Ort seinen kulturellen Feinschliff verpasste. Im frühen 20. Jahrhundert ging das Gelände schließlich in städtischen Besitz über – und blieb sich doch treu: immer grün, immer ein bisschen repräsentativ, immer mit einem Hang zur gepflegten Gelassenheit.

Das Jugendsinfonieorchester der Musikschule „Johann Nepomuk Hummel“ unter Leitung von Erik Sieglerschmidt eröffnete mit seinem Konzertprogramm „4 Elements“ die Saison 2025 auf der Seebühne im Weimarhallenpark. Foto: Michael Grübner
Zur echten Open-Air-Bühne wurde der Park allerdings erst viel später, im Zusammenspiel mit der modernen Nutzung der Weimarhalle. Seit dem späten 20. und frühen 21. Jahrhundert wird hier nicht mehr nur spaziert und geschaut, sondern auch gehört, gestaunt und gefeiert. Der Park hat sozusagen sein klassisches Gartenkostüm behalten, aber sich heimlich eine Festivaljacke darübergezogen. Heute ist er fester Bestandteil der sommerlichen Kulturlandschaft Weimars – einer Stadt, die ohnehin gern zeigt, dass Kultur auch unter freiem Himmel gut klingt.
Klangvolles Programm in 2026
2026 zeigt sich der Park wieder von seiner klangvollen Seite und verwandelt sich in eine Bühne für große Namen und große Nächte. Eine Open-Air-Konzertnacht der Staatskapelle Weimar lässt den Park in sinfonischen Wellen schwingen und beweist, dass auch Bäume einen guten Musikgeschmack haben können. Danach wird es abwechslungsreich: Milow bringt gefühlvollen Pop ins Grün, Schiller taucht den Abend in elektronische Klanglandschaften, Asaf Avidan sorgt mit seiner markanten Stimme für Gänsehaut zwischen Gras und Wasser, und Alphaville liefern Hymnen, die selbst die ältesten Parkbäume noch leise mitsummen lassen. Hier trifft Ohrwurm auf Ohrwald – und beide bleiben gern ein bisschen länger.
Kultur im Breitwandformat
Doch der Park kann nicht nur Konzert, er kann auch Kultur im Breitwandformat. Die Fête de la Musique bringt ein klingendes Durcheinander aus unterschiedlichsten Acts in den Park, die Weimarer Master Classes machen ihn zum Treffpunkt für musikalische Nachwuchstalente, und das Kunstfest setzt kreative Akzente zwischen Rasen und Wasser. So wird aus dem Park ein Ort, an dem sich Hochkultur und Picknickdecke ganz entspannt die Hand reichen.

Beim Konzert von Martin Kohlstedt (Klavier) zusammen mit den Percussionisten Aline Patschke, Dave Daniel und Michael Nagler im Rahmen des Kunstfestes 2025. Foto: Candy Welz
Das Besondere an diesem Ort ist seine Fähigkeit, gleichzeitig vieles zu sein, ohne sich zu verlieren. Historischer Garten, moderne Open-Air-Bühne und ruhiger Rückzugsraum. Die Wasserlandschaft wirkt dabei wie ein natürlicher Dirigent, der alles zusammenhält, während die zentrale Lage dafür sorgt, dass man mitten in der Stadt ist und doch kurz das Gefühl hat, woanders zu sein. Der Park ist kein Ort, der sich in eine Schublade legen lässt – eher einer, der sie freundlich öffnet, kurz reinschaut und dann lieber wieder ins Grüne zurücktritt.
Hard Facts:
- 21. Juni | Fête de la Musique
- 4. Juli | Open-Air-Konzertnacht der Staatskapelle Weimar
- 17. Juli | Milow
- 30. Juli | Schiller
- 31. Juli | Asaf Avidan
- 1. August | Alphaville
- Weitere Infos zum Programm findet ihr unter www.weimar.de
