- Festival mit buntem Line-up
- Merkers wird zum Punk-Hotspot
- Rock am Berg bei Bands beliebt
Zum 14. Mal heizen Punkbands im ehemaligen Leichtathletikstadion in Merkers ein. Sven Schlossarek vom Rock am Berg Merkers e.V. erinnert sich an die Anfänge des Festivals und unerwarteten „hohen Besuch“. Vor inzwischen 20 Jahren ging im äußersten Westen Thüringens erstmals ein Open-Air an den Start. Die Klosterruine Vacha nahe der Grenze zu Hessen diente dabei als stimmungsvolle Kulisse für den Auftritt von vier Punkrock-Bands, darunter der lokalen Formation Knüpeldicktion. „Ich war damals Sänger und Bassgitarrist in der Band und wir waren auf der Suche nach einem festen Auftrittsplatz“, erinnert sich Sven Schlossarek, der damals wesentlich an der Organisation beteiligt war.
Das Rock am Berg in Merkers ist gefragt!
„Ich bin ein ‚Wendekind‘ und im Zeitraum der sogenannten ‚Baseballschlägerjahre‘ Anfang der 90er Jahre gab es sehr stark ausgeprägt die beiden politischen Ströme Links oder Rechts – auch bei mir im Freundeskreis. Ich habe mich für die linke Seite entschieden, bin mit Bands wie Slime oder Normahl aufgewachsen und habe auch regelmäßig Konzerte besucht“, verrät der heute 52-Jährige, der in Vacha aufgewachsen ist. An Musik war Sven schon immer interessiert – und daran, den rechten Tendenzen im ländlichen Raum etwas entgegenzusetzen.
Nach mehreren Ortswechseln erklingen die wütenden Gitarrenriffs und giftigen Texte einer ganzen Reihe von Szene-Bands seit 2013 von der Bühne im altehrwürdigen Waldstadion, nur zehn Kilometer Luftlinie von Vacha entfernt. Knüpeldicktion ist zwar inzwischen Geschichte, aber Sven Schlossarek ist als Vereinsvorsitzender des Rock am Berg Merkers e.V. immer noch federführend bei einem Festival, das inzwischen von einer vierstelligen Personenzahl besucht wird und überregionale Bekanntheit erlangt hat.
Das Festival in Merkers verbindet Welten
Kein Wunder also, dass musikalische Formationen inzwischen regelrecht Schlange stehen, um ins Line-up aufgenommen zu werden. „Wir verfügen über einen riesigen Band-Pool und erhalten jeden Tag rund 20 neue Bewerbungen, so dass wir auch mit dem Booking für unser Jubiläum 2027 inzwischen zu achtzig Prozent durch sind“, freut sich Sven, der auch hauptberuflich für einen Event-Service arbeitet und diese Erfahrung auch beim Rock am Berg einbringen kann.
„Bei den Bands erstellen wir nach dem Ende des Festivals durch eine Umfrage unter den etwa 65 Vereinsmitgliedern ein Ranking, das auch das ‚Preissegment‘ berücksichtigt.“ So kam es dazu, dass im April 2026 die Ausfälle von Endstation Chaos und Rauchen durch ein kurzfristiges Engagement von Berlin 2.0 und Eule Müller mehr als adäquat kompensiert werden konnten. Insgesamt 30 Bands aus den Bereichen Punk, Hardcore, Oi!, Alternative und Liedermaching gehen an drei Festivaltagen Anfang Juni 2026 ab dem Nachmittag auf zwei Bühnen an den Start.
Rock und Politik prägen das Waldstadion Merkers
Ergänzt wird das Programm am (Vor-)Mittag auf der kleinen Bühne um Vorträge, Informationsveranstaltungen oder Filmen zu heiß diskutierten gesellschaftlichen Themen. „Wir verstehen uns als antifaschistisches Festival – und das ist nicht nur Spaß, sondern politische Bildung gehört auch mit dazu“, erklärt Sven, der auch einige witzige Geschichten aus der Historie des Festivals zu berichten weiß.
Thüringer Festival steht für Vielfalt und Haltung
Besonders gern erinnert er sich an einen Auftritt vom Duo Meg’n Jez, der inzwischen etwa zehn Jahre zurückliegt. „Die gingen damals noch zur Schule und am Nachmittag rief mich die Mutter von Jez an, dass sein Vater die Beiden abholen würde. Eigentlich nichts Besonderes, nur wussten wir einfach nicht, dass es sich dabei um den Die Toten Hosen-Drummer Vom Ritchie handelt, der dann vor Ort von einer anderen Band begrüßt wurde und spontan bei drei Songs der Band Wilde Zeiten mitgetrommelt hat. Natürlich wurde er auch vom Publikum erkannt und konnte sich vor Autogrammwünschen kaum retten.“
Punk, Metal, Rock – Alle Festivals 2026 in Thüringen im Überblick
Die Location selbst ist für den Rock am Berg Merkers e.V. ein Glücksfall. Der Verein hat das ruhige und abgelegene Gelände rund um die frühere DDR-Leichtathletikstadion gepachtet, in der Sportanlage sowohl Elektro- als auch Wasseranschlüsse selbst gelegt und Sanitäranlagen erneuert. Für die Instandhaltung ist immer etwas zu tun, bis dann zum Festival-Wochenende rund 200 Ehrenamtliche beim Aufbau, an der Bühne, hinterm Tresen oder beim Einlass mit anpacken. Ein großer Aufwand – auch wenn die Vorverkaufszahlen bisher noch nicht mit denen der Vorjahre vergleichbar sind.
Thüringer Festival mit besonderer Botschaft
Sven, der berufsbedingt den Sommer über auf vielen weiteren Open Air-Festivals unterwegs ist, hat dafür eine Erklärung: „Die Leute warten wegen der hohen Spritpreise ab und überlegen stärker, wofür sie ihr Geld ausgeben. Ein voller Kühlschrank hat da größere Priorität – und das verstehe ich auch.“ Dabei hat er neben den Ticketverkäufen einen großen Wunsch: „Vor zwei Jahren war glühende Hitze, letztes Jahr Regen. Dieses Jahr wäre irgendetwas dazwischen nett.“
Hard Facts:
- Waldstadion 1, 36460 Krayenberggemeinde
- Infos bei Instagram unter: @rockamberg_merkers
- Mehr auf der Festival-Homepage




