Wenn Michael Schulte bald in Thüringen auftritt, ist das mehr als ein gewöhnlicher Tourstopp. Orte wie Erfurt sind für ihn keine bloßen Städte auf der Landkarte, sondern Räume voller Atmosphäre, Erinnerungen und kleiner Entdeckungen, die seine Reisen bereichern. Zwischen Altstadtgassen, Naturerlebnissen und besonderen Locations spannt sich ein persönlicher Bogen, der auch in seiner Musik sichtbar wird. Michael Schulte ist ein Künstler, der mit seinen Songs Emotionen feinfühlig transportiert – mal sanft und berührend, mal kraftvoll und überraschend.
Michael Schulte erlebt Thüringen unter Tage
In unserem Gespräch erzählt er von der Faszination, die Thüringen auf ihn ausübt, von Momenten auf Tour, in denen man die Zeit für ein einfaches Schlendern durch eine Stadt genießt, und von ungewöhnlichen Konzertorten wie dem Erlebnisbergwerk Merkers, 500 Meter unter der Erde. Denn in ebenjenem tritt er am 11. April auf. Im Rahmen seiner aktuellen Tour „Sanfte Töne – besondere Orte“ ist der Musiker zudem am 24. April in der Alten Oper in Erfurt zu sehen.
Du hast gleich zwei Tourstopps vor dir, die dich nach Thüringen führen. Wenn du an Thüringen oder speziell an Erfurt denkst – hast du da persönliche Erinnerungen oder besondere Erlebnisse im Kopf?
Ja, ich war ja tatsächlich erst kürzlich wieder in Erfurt – mit Night of the Proms. Das war eine wunderschöne Erfahrung. Und ehrlich gesagt hat mir dieser Besuch auch noch einmal richtig vor Augen geführt, was für eine schöne Stadt Erfurt eigentlich ist. Diese Atmosphäre dort, die Altstadt, das Ganze drumherum – das hat schon was. Von daher freue ich mich wirklich sehr darauf, jetzt bald wieder zu euch zu kommen.

Michael Schulte spielt eines seiner „verrücktesten Konzerte bisher“ in Thüringen. Foto: Markus Haner
Wenn man auf Tour ist, bleibt ja meistens nicht so viel Zeit, um eine Region wirklich zu erkunden. Trotzdem: Wenn du an Thüringen denkst – oder jetzt an Erfurt, das dir ja offenbar gut gefallen hat – gibt es etwas, das du dir gern einmal in Ruhe anschauen würdest?
Wir haben tatsächlich noch nichts Konkretes rausgesucht. Beim letzten Mal, als ich in Erfurt war, hatten wir leider nicht so tolles Wetter. Deswegen hoffe ich diesmal ein bisschen auf besseres Wetter. Wenn das klappt, würde ich einfach gern mit meiner Band ein bisschen durch Erfurt schlendern. Einfach durch die Stadt laufen, ein bisschen Atmosphäre aufsaugen – das ist auf Tour manchmal schon Luxus.
Die Chancen stehen gut – es soll tatsächlich wieder schöner werden. Jetzt muss ich aber trotzdem fragen: Wie sieht’s aus mit Wandern? Thüringen hat ja mit dem Rennsteig so ein paar Klassiker. Wäre das etwas für dich oder eher nicht so dein Ding?
Doch, absolut. Wenn es zeitlich reinpasst, dann ist Wandern wirklich eine sehr schöne Sache. Ich mag das total, einfach draußen zu sein, ein bisschen Natur mitzunehmen und den Kopf freizubekommen. Auf Tour ist das natürlich immer eine Frage der Zeit, aber grundsätzlich bin ich da auf jeden Fall dabei.
Ein Tourstopp sticht ja ganz besonders heraus: das Konzert am 11. April im Erlebnisbergwerk Merkers. Als du zum ersten Mal gehört hast, dass du ungefähr 500 Meter unter der Erde auftreten wirst – was war dein erster Gedanke?
Ich glaube, das gehört definitiv zu den verrücktesten Konzerten, die ich bisher gespielt habe – einfach weil ich sowas noch nie gemacht habe. Das ist schon ein ziemlich abgefahrenes Setting. Und ich weiß auch, dass der ein oder andere aus meiner Band ein bisschen Muffensausen hat. Da kommt dann schnell so dieses Gefühl auf: Oh Gott, so tief unter der Erde – was ist, wenn man Platzangst bekommt oder so. Mein Keyboarder zum Beispiel denkt sich schon: „Oh Gott, das ist ja wirklich tief unten unter der Erde.“ Für manche ist das vielleicht kein ganz so angenehmes Gefühl.
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Ich persönlich freue mich aber total darauf. Wirklich, ich finde das super spannend. Und ich glaube auch, dass die Leute rund um Merkers das natürlich kennen und genau deswegen auch zahlreich kommen werden. Ich bin mir sicher, dass das etwas sehr Besonderes wird – auch, weil wir dort zum ersten Mal unser neues Set live spielen werden. Das macht den Abend für uns noch einmal extra aufregend.
Wenn du wählen müsstest – würdest du dich eher irgendwo kilometerweit über dem Boden sehen, beim Fallschirmspringen zum Beispiel? Oder doch lieber tief unter der Erde beim Höhlentauchen?
Ich glaube tatsächlich fast eher unter der Erde. Das fühlt sich für mich irgendwie greifbarer an als ganz weit oben in der Luft.
Deine aktuelle Tour trägt den Titel „Sanfte Töne – besondere Orte“. Wie ist eigentlich die Idee entstanden, deine Songs in so einem reduzierteren, akustischen Setting zu präsentieren?
Ich hatte einfach noch einmal richtig Lust darauf, die Songs in einem anderen Rahmen zu spielen. Also zum Beispiel in Theatersälen oder an ganz besonderen Orten. In Hamburg spielen wir etwa in der Elbphilharmonie, in Erfurt in der Alten Oper – das sind natürlich wunderschöne Locations. Und in solchen Räumen zu spielen, macht einfach wahnsinnig viel Spaß.
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Da habe ich mir gedacht: Zu diesen Orten passt vielleicht auch ein anderes musikalisches Setup. Also eher so ein bisschen im MTV Unplugged-Style. Wir haben die Songs teilweise neu arrangiert, sie klingen anders, ein bisschen reduzierter – obwohl wir trotzdem mit voller Band spielen. Aber die Instrumentierung und die Dynamik sind einfach ein bisschen anders.
Und das ist nicht nur fürs Publikum spannend, sondern auch für uns als Band. Viele der Songs spielen wir seit Jahren immer in derselben Version. Wenn man sie dann plötzlich noch einmal ganz anders hört und spielt, bekommt man selbst wieder eine neue Perspektive darauf. Das hält die Musik lebendig – und genau das macht daran so viel Spaß.
Gibt es einen Song, auf den du dich besonders freust, ihn in dieser akustischen Version zu spielen?
Ich glaube, einer meiner Favoriten ist tatsächlich „You Let Me Walk Alone“, weil der in dieser Version wirklich ganz anders klingt als das Original. Wir haben zum Beispiel das Klavier am Anfang komplett weggelassen. Stattdessen beginnt der Song mit einer E-Gitarre – einer sehr sphärischen, atmosphärischen E-Gitarre. Das gibt dem Stück sofort eine ganz andere Stimmung.
Aber eigentlich gilt das für viele Songs. Es ist einfach schön, diese Stücke noch einmal in einem anderen Gewand zu hören – und sie auch anders zu singen. Dadurch entdeckt man selbst wieder neue Seiten daran. Deswegen freue ich mich ehrlich gesagt auf fast jeden einzelnen Song im Set.
Hard Facts:
- 11. April | Erlebnis Bergwerk Merker | Hier geht es zum Ticket Shop
- 24. April | Alte Oper Erfurt | Hier gibt es weitere Infos
