12 Stunden Clubhopping: Thüringens erste Lange Nacht der Clubkultur lockt in Jena
Wer in Jena und auch sonst wo nachts unterwegs ist, kennt das Prinzip: Man entscheidet sich für einen Club und verpasst dadurch automatisch alles, was gerade in den anderen Kulturorten passiert. Die „Lange Nacht der Clubkultur“ will dieses Problem zumindest für einen Abend abschaffen. Unter dem Motto „Eine Nacht. Ein Ticket. Mehrere Kulturorte.“ laden mehrere Clubs, Soziokulturzentren und Off-Locations zum stadtweiten Clubhopping ein. Wie Nachtkulturkoordinator Christoph Litwinov berichtet, entstand die Idee aus Gesprächen mit der Szene selbst.
Lange Nacht der Clubkultur in Jena
Litwinov war dort ohnehin kein Unbekannter. „Ich war in der Szene schon bekannt, weil ich als Türsteher überall mal mitgearbeitet habe.“ Nach seinem Amtsantritt stellte er sich bei den Akteuren vor und startete einen Booking-Stammtisch. „Ich habe die Akteure an einen Tisch geholt, wir haben uns abends ein, zwei Stunden getroffen und über die aktuelle Lage gesprochen.“ Aus diesen Treffen entstand schließlich die Idee, Nachtkultur gemeinsam zu denken und nicht jeder Club für sich.
Nachtkultur als Gemeinschaftsprojekt
Was auf dem Papier nach einer ziemlich guten Idee für einen Abend klingt, ist organisatorisch allerdings eher ein Langstreckenlauf. Acht oder neun Kulturakteure mit unterschiedlichen Programmen, Interessen und Arbeitsweisen unter einen Hut zu bekommen, braucht mehr als eine WhatsApp-Gruppe. „Erst einmal einen gemeinsamen Nenner finden, einen Termin, an dem die Häuser noch nicht bespielt sind, ein gemeinsames Budget, ein Corporate Design, eine Marketingstrategie, einen Ticketverkauf, eine Veranstaltungsordnung, ein Awareness-Konzept, eine zentrale Bändchenausgabe, Personal.“ Litwinovs Fazit: „Das passiert nicht an einem Tag.“
Dafür wird an diesem Abend einiges geboten. Das Ticket kostet im Vorverkauf rund 16 Euro und ermöglicht den Zugang zu mehreren beteiligten Orten. Das Spektrum reicht von Techno, House und Hip-Hop über Indie und Psych-Stoner-Rock bis zu Queer Pop, Latin House und Reggaeton. Mit dabei sind unter anderem Kassablanca, Rosenkeller, Kulturbahnhof, Café Wagner, Spacement, Mikro Club und Haus auf der Mauer.
Planetarium ist eine der ältesten Institutionen
Und dann wäre da noch das Planetarium. Ein Ort, bei dem man vielleicht zuerst an Sterne denkt und erst danach an Clubnächte. Für Litwinov ist gerade das der Reiz: „Das Planetarium ist eine der ältesten Institutionen, die Jena überhaupt hat.“ Gleichzeitig verfüge es über eine außergewöhnliche Projektions- und Soundtechnik. „Das muss man sich unbedingt mal geben. Deshalb sind die dabei.“
Lange Nacht der Clubkultur für alle
Eine vergleichbare Veranstaltung habe es in Jena in dieser Form bislang nicht gegeben. Die frühere Schwarzbiernacht sei damit kaum zu vergleichen, sagt Litwinov. Die „Lange Nacht der Clubkultur“ sei vielmehr „ein sehr niedrigschwelliges Angebot, aus der Szene für die Menschen“. Das Ziel ist zunächst erstaunlich unprätentiös: „ein schöner Abend, an dem alle gesund und glücklich sind.“ Dahinter steckt allerdings ein größerer Anspruch. Es gehe um mehr Sichtbarkeit für die Clubkultur und darum, „junge Menschen wieder zu animieren, in Clubs zu gehen und zu zeigen, wie toll Clubkultur sein kann“.
Gerade für neue Studierende könnte das interessant werden. Im Oktober kommen wieder mehrere tausend Menschen nach Jena, die Stadt und Nachtleben erst kennenlernen müssen. „Wo sonst besucht man für 16 Euro acht verschiedene Locations in zwölf Stunden?“, fragt Litwinov.
„Verschiedene Charaktere mit unterschiedlichen Ansichten“
Dass ausgerechnet die unterschiedlichen Akteure gemeinsam an einem Strang ziehen, ist dabei fast schon Teil der Geschichte. „In der Kulturbranche hast du verschiedene Charaktere mit unterschiedlichen Ansichten“, sagt Litwinov. Seine Aufgabe sei es, diese Interessen zusammenzubringen. „Ich werde nie jeden zu hundert Prozent überzeugen.“ Entscheidend sei vielmehr, dass jeder bereit ist, „ein Stück von seinem Standpunkt abzurücken und auf die anderen zuzugehen“. Sein Urteil über die Jenaer Szene fällt entsprechend positiv aus: „Wir haben echt eine coole Szene.“
Zwölf Stunden Musik, Licht und Clubhopping
Ob aus der langen Nacht eine Tradition wird, entscheidet sich allerdings nicht allein auf der Tanzfläche. Litwinov würde gern weiterplanen, doch dafür brauche es verlässliche Rahmenbedingungen. Für die Clubkultur bleibt also auch nach zwölf Stunden Musik, Licht und Clubhopping eine Frage offen: ob aus einem gemeinsamen Abend tatsächlich ein dauerhaftes gemeinsames Projekt wird.
Hard Facts:
- Datum: Freitag, 23. Oktober 2026
- Tickets: 16 € im Vorverkauf (z. B. via TixforGigs), 20 € an der Abendkasse (sofern nicht ausverkauft)
- Altersbeschränkung: Einlass ab 18 Jahren
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