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Bio-Uhr und Erwartungsdruck: Erfurts ehrlichste Diskussionsreihe geht in die dritte Runde

5. Oktober 2026 • Geschrieben von Florian Dobenecker
Was bedeutet es heute, eine Frau zu sein – und welche Rolle spielt Mutterschaft dabei? Das erfahrt ihr bei Wer wir sind am 16. Oktober in Erfurt. Foto: Anja Feßer

Ob man will oder nicht: Die gesellschaftliche Erwartungshaltung an Frauen ist oft ein fein säuberlich geschnürtes Paket aus veralteten Rollenbildern und subtilem Druck. Kaum ist die Ausbildung oder das Studium im Kasten, wartet schon der gedankliche Zeigefinger mit der Frage aller Fragen: „Und, wie sieht’s mit Nachwuchs aus?“ Wer sich dagegen entscheidet, gilt schnell als egoistisch; wer bereut, Mutter geworden zu sein, bricht ein absolutes Tabu. Dass es höchste Zeit ist, diese vorgefertigten Narrative ordentlich durchzuschütteln, beweist die Veranstaltungsreihe „WER WIR SIND – WER SIND WIR“.

Wer wir sind in Erfurt

Wie der nochson e. V. mitteilt, geht das Erfolgsformat am 16. Oktober 2026 in Erfurt bereits in die dritte Runde. Nach einem gelungenen Auftakt zum Thema Frauen und Älterwerden in der Studiobox und der zweiten Ausgabe zu Frauen und Finanzen im Haus Dacheröden zieht das Event nun in den Kalif Storch. Der Fokus diesmal: Mutterschaft. Oder genauer gesagt: Das Spannungsfeld zwischen „Frau sein“ und „Mutter werden“.

Weiblicher Lebensrealitäten aufzeigen

Laut nochson e. V. verfolgt das Format ein ganz schnörkelloses Ziel: zentrale Aspekte weiblicher Lebensrealitäten auf die Bühne zu holen, sichtbar zu machen und intergenerationell zu diskutieren. Das Rezept der Reihe ist dabei so simpel wie effektiv. Den Auftakt macht jedes Mal eine Autorin oder Expertin mit einer Lesung aus ihrem Buch, was den inhaltlichen Rahmen absteckt. Daran schließt sich ein moderierter Talk an. Fünf Frauen unterschiedlichen Alters sprechen auf dem Podium ganz unverblümt über Kinderwunsch, gewollte Kinderlosigkeit, Mutterschaft, Regretting Motherhood und die leisen oder lauten Zweifel, die jede dieser Lebensentscheidungen begleiten können.

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Das Besondere an dem Format ist die Mischung aus Literatur, ehrlichem Diskurs und Perspektivenvielfalt. Anstatt vorgefertigte Antworten abzuliefern, entsteht durch den Austausch verschiedener Generationen und Biografien ein authentischer Dialog. Es geht um Fragen, die weit über das Einzelschicksal hinausgehen: Wie frei ist die Entscheidung für ein Kind in unserer Gesellschaft wirklich? Welche Erwartungen prägen das Bild der „richtigen“ Mutter? Und was passiert, wenn man sich später fragt, wie das andere Leben ausgesehen hätte?

Schutz- und Reflexionsraum

Dabei schafft die Veranstaltung einen Schutz- und Reflexionsraum, in dem unterschiedliche Entwürfe gleichberechtigt nebeneinanderstehen dürfen – ganz ohne Bewertung oder Rechtfertigungsdruck. Zudem wird explizit mitgedacht, dass nicht alle Menschen mit Kindern sich als Mütter verstehen und Familie heute in unterschiedlichsten Formen gelebt wird. Denn Frau zu sein bedeutet eben nicht zwangsläufig, Mutter zu werden, und Mutter zu werden bedeutet nicht automatisch, darin die einzige Lebenserfüllung zu finden.

Ein gewaltiges Stück Ehrlichkeit

Warum es genau solche feministischen Events braucht? Weil in den Medien noch immer viel zu oft patriarchal geprägte Frauenbilder dominieren. Formate wie dieses schaffen Sichtbarkeit für Themen, die sonst im Verborgenen bleiben, brechen gesellschaftlichen Druck auf und bieten Frauen sowie FLINTA*-Personen die Chance zur Vernetzung und zum Empowerment. Wenn Wissen zwischen den Generationen fließt, Klischees bröckeln und persönliche Erfahrungen als das erkannt werden, was sie sind – nämlich Teil struktureller Fragen –, dann gewinnt die Erfurter Kulturlandschaft ein gewaltiges Stück Ehrlichkeit dazu.

Hard Facts:

  • Ort: Kalif Storch, Zum Güterbahnhof 20, Erfurt 
  • Datum: 16.10.2026
  • Einlass: 19 Uhr 
  • Beginn: 19:30 Uhr
  • Tickets gibt es hier

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