Wenn sich die Erdkruste nackig macht: Thüringen feiert den Tag des Geotops
Einmal im Jahr macht die Erdkruste Werbung für sich selbst – und Thüringen ist mittendrin. Am Sonntag, 20. September, heißt es wieder: Stollen auf, Höhlen frei, Steinbrüche für alle. Wie das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) mitteilt, erwartet die Thüringer:innen zum Tag des Geotops Führungen sowie weit mehr – und das komplett kostenlos. Vor Ort übernehmen dann Vereine, Ämter und Fachleute die eigentliche Regie durch Fels und Finsternis.
Tag der Geotope in Thüringen
Aber was genau feiern wir hier eigentlich? Ein Geotop ist, vereinfacht gesagt, ein Ort, an dem die Erdgeschichte nicht unter Wiesen und Wald versteckt ist, sondern einfach offen und nackig daliegt – ein Felsen, eine Höhle, ein alter Steinbruch. Wie eine aufgeschlagene Seite in einem sehr, sehr dicken Buch.
Fundstellen in Thüringen
Und dieses Buch ist alt, richtig alt: Am Bromacker bei Tambach-Dietharz fanden Forschende Skelette von Urzeit-Tieren, die vor rund 290 Millionen Jahren lebten. Lange bevor der erste Dinosaurier auch nur daran dachte, von einem Meteoriten ausgelöscht zu werden. Solche Fundstellen gibt es weltweit nur wenige, und eine davon liegt eben in Thüringen.
Kein Wunder also, dass die Region gern als „Grünes Herz und geologisches Schatzkästlein Deutschlands“ bezeichnet wird, weil hier fast alle Erdzeitalter auf engstem Raum sichtbar sind. Von den bundesweit 77Nationalen Geotopen liegen zwölf in Thüringen. Darunter die Drachenschlucht bei Eisenach, so eng, dass du an manchen Stellen beide Felswände gleichzeitig berühren kannst.
Zwölf Nationale Geotope zeigen Erdgeschichte
Oder die Barbarossahöhle im Kyffhäuser – eine von weltweit nur zwei zugänglichen Anhydrit-Höhlen, deren Wände nicht aus Tropfstein, sondern aus bizarr herabhängenden Gipslappen bestehen. Die entstehen, wenn Anhydrit durch Feuchtigkeit zu Gips aufquillt. Dazu kommen die Kristallgrotte Merkers mit handtellergroßen Salzkristallen und die rot-bunten Badlands bei den Drei Gleichen, die aussehen, als hätte man versehentlich ein Western-Filmset nach Thüringen verlegt.
Das Programm am 20. September
Der Schwerpunkt 2026 liegt im UNESCO Global Geopark „Thüringen Inselsberg – Drei Gleichen“ und im Thüringer Schiefergebirge. Am Großen Inselsberg geht es von 13 bis 16 Uhr auf Wanderschaft zum Rhyolith, dem „Gestein des Jahres 2026“, entstanden aus uralter Lava. Treffpunkt ist das GeoInfozentrum am Aussichtsturm.

Wer es lieber unterirdisch mag, findet im Friedrich-Wilhelm-Stollen in Lichtenberg von 10 bis 13 Uhr eine Führung unter Tage. Ambitioniertere Naturfreund:innen zieht es ins Deutsche Schiefertafelmuseum nach Ludwigsstadt: Dort führt eine 9,5 Kilometer lange, gut viereinhalbstündige Tour durch 150 Millionen Jahre Erdgeschichte, für 10 Euro und mit nur 35 Plätzen – Anmeldung bis zum 17. September ist Pflicht. Schon am Vortag, dem 19. September, wird zudem in Spechtsbrunn der neue Gesteinspark am Rennsteig eröffnet, samt Exkursion von 10 bis 13 Uhr.
Wissen über Geologie
Du musst kein Wissen über Geologie haben, um zu merken, dass diese Orte einmalig sind – und genau das ist der Punkt. Was einmal weggebaggert oder zugeschüttet ist, kommt nicht wieder. Gleichzeitig bieten viele Geotope Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen, die genau diesen kargen Untergrund brauchen.
Immer am dritten Septembersonntag
Den Aktionstag selbst gibt es übrigens schon seit 2002, immer am dritten Septembersonntag, und er lebt genau von diesem einen Trick: Orte, die sonst verschlossen bleiben, werden für einen Tag geöffnet, Geolog:innen und Höhlenforscher:innen übernehmen die Führung, und plötzlich verstehen auch Laien, warum jemand vor einer über Jahrmillionen gebogenen Gesteinsfalte stehen bleibt und einfach nur staunt.
Hard Facts:
- 20. September
- Thüringenweit
- Infos gibt es hier
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