Wanderung im Thüringer Wald zeigt raue Seiten zwischen Großbreitenbach und Schwarzatal
3. Juli 2026 • Geschrieben von
Lutz Granert
Im Oktober 2024 habe ich den ersten Teil des Panoramawegs Schwarzatals bis zum ehemaligen Bahnhof Großbreitenbach mit einer Freundin und ihrem Sohn im Kinderwagen gemeistert. Dieses Jahr liegt die Herausforderung woanders: Am Pfingstwochenende müssen wir in Ilmenau einen Bus erwischen, der 11.30 Uhr am Ausgangspunkt bei Kilometer 91 (von 136) hält. „Wir“ bedeutet: Mein Bruder Axel, der mich vor zwei Jahren schon von Bad Blankenburg bis Unterweißbach begleitete, und meine 73-jährige Mutter, die mein Tempo beim Wandern nicht wird halten können. Und für heute stehen 26,6 Kilometer an, davon 22 auf dem Weitwanderweg.
Die Sonne knallt bei blauem Himmel und sommerlichen Temperaturen ordentlich. „Keine Empfehlung an Tagen wie heute“, meint Axel schweißgebadet. Angekommen in Meuselbach-Schwarzmühle, kehren wir ins Flair-Hotel „Waldfrieden“ auf eine Holunderblütenschorle ein. Es ist 15.30 Uhr, als sich meine puterrote Mutti und Axel zum Bahnhof verabschieden, 15,5 Kilometer liegen noch vor mir.
Zwei Tage durch Thüringen und die Route hat es in sich
Nach einem kurzen Abstecher zum Fachwerkhaus und Kräutergarten des Thüringer Wald-Kreativ-Museum (Touringen-Stempelstelle 172) verlasse ich das Stadtzentrum von Großbreitenbach nach Südosten. Wir stärken uns nahe des Biathlonzentrums „Andrea Henkel“ mit selbstgeschmierten Broten und laufen dann die breite Forststraße ins Böhlener Tal hinab. Über eine urige Brücke überqueren wir den Breitenbach und folgen dem Flusslauf auf weichem Waldpfad.Panoramaweg fordert Kondition und belohnt mit Überraschungen
„Schaut mal hier“, ruft Mutti – und deutet auf eine gräulich glänzende, sich windende Form am Boden: Die erste von fünf Blindschleichen, die heute und morgen meinen Weg kreuzen. Kurz auf einer Forststraße steigen wir rechts steil über eine Wiese den Hang hinauf. Hier sind die verheerenden Auswirkungen von Trockenheit und Stürmen der letzten Jahre deutlich sichtbar: Durch den kahlen Hang mit abgeholzten Fichten sind die nächsten 2,5 Kilometer der Strecke deutlich zu sehen – ein nachdenklich stimmender Weitblick.- Blindschleichen sind harmlos aber auf trockenem Waldboden häufig anzutreffen. Foto: Lutze Granert
- Touringen-Stempelstelle am Thüringer Wald Kreativ-Museum. Foto: Lutz Granert
- Schutzhütte am Griesbachfelsen. Foto: Lutz Granert
- Naturidiylle im Böhlener Tal. Foto: Lutz Granert
- Abgestorbene und gerodete Bäume bei Mellenbach-Glasbach. Foto: Lutz Granert
- Blick nach Rudolstadt nahe dem Aussichtspunkt Fürstenstand. Foto: Lutz Granert
- Blick zurück nach Sitzendorf vom Sommerberg. Foto: Lutz Granert
- Schutzhütte Trippstein mit Hüttenbuch. Foto: Lutz Granert
- Steinbrocken im Böhlener Tal. Foto: Lutz Granert
Strecke bei Meuselbach-Schwarzmühle fordert Ausdauer und Orientierungssinn
Nur wenige Meter weiter erhöht parallel zu den Gleisen der Schwarzatalbahn treffe ich eine Wanderin, die mich auf Baumfällarbeiten hinweist. Das passt zum Gesamtbild: Auch auf dem breiten Wiesenpfad spenden nur wenige noch stehende Bäume Schatten, Stümpfe allenthalben. Beim Aufstieg nach Barigau stapfe ich zunehmend erschöpft vor mich hin und biege bei einem irritierenden Wegweiser des sonst hervorragend ausgeschilderten Panoramawegs (rotes Dreieck auf weißem Grund) falsch ab.Thüringer Wald konfrontiert mit Trockenheit und eindrucksvoller Weite
Umso steiler kraxele ich hechelnd über eine Wiese zum aussichtsreich thronenden Barigauer Turm empor. Im kleinen, aber modern eingerichteten Ausflugslokal bestelle ich mir eine Kräuterlimonade zum Mitnehmen – ein regelrechter Zaubertrank! Die letzten 3,7 Kilometer bis ins Hädderbachtal fallen leichter, auch wenn sich hinter Oberhain eine ausgeschilderte Abkürzung über ein Bächlein als eingezäunte Sackgasse erweist.Thüringen im Aktivurlaub: Das sind die aktuellen Rad-, Wander- und NaturtippsNoch einmal 2,6 Kilometer lege ich im Tal bis nach Unterweißbach zurück, wo ich gegen 19.30 Uhr das Landhotel „Zum Hirsch“ erreiche, wo ich als einer der wenigen Wanderer unter vielen Motorradfahrern übernachte. Ich bin platt – und verzichte auf etwa vier zusätzliche Kilometer hin und zurück zur Schutzhütte „Kämpfs Ruh“ am Quelitzfelsen (Touringen-Stempelstelle 166).
Strecke bringt Fehlwege und eindrucksvolle Panoramen zusammen
Am zweiten Tag steige ich oberhalb vom Semmelpeter in die Route ein. Ein schattiger Hohlweg bis zum Sommerberg – doch das Panorama auf Sitzendorf ist nach einem als „beschwerlich“ gekennzeichneten Aufstieg in mehreren Kehren zum Bismarckturm noch besser. Das größte Highlight der Tour liegt 3,3 Kilometer weiter: Aus dem „Fenster“ der mit kunstvollen Intarsien geschmückten Schutzhütte auf dem Trippstein bietet sich ein wunderschöner Tiefblick nach Schwarzburg – Motorradgeknatter ist bis hier zu hören.Route zwischen Sitzendorf und Schwarzburg fordert und belohnt
Auf und ab geht es nun auf einer breiten Forststraße nach Cordobang, auf einem Feldweg nach Böhlerscheiben, wo ich mir mein Mittagessen (Trockenfrüchte) schmecken lasse. Bis zur mit Tischdecke und digitaler Stempelstelle aufwartenden Schutzhütte am Griesbachfelsen bin ich allein unterwegs, doch hier kommen wiederholt Wanderer vom nahen Parkplatz hinauf. Mein Nickerchen fällt kurz aus, bevor ich in brütender Hitze durch Bad Blankenburg laufe und nachmittags gegen 15 Uhr endlich auf dem mit Gräsern überwucherten Serpentinenpfad nach Rudolstadt-Schwarza absteige. Keine einzige Einkehrmöglichkeit am Weg – umso mehr lasse ich mir gegen 15.45 nach 21,9 Kilometern eine Pizza in einem orientalischen Bistro schmecken, bis ich am Bahnhof meine Tour beende. Für Puristen: die letzte Meile zur Schwarzamündung in die Saale habe ich mir gespart.Mehr coole News für euch:
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