Knall! Puff! Peng! – und plötzlich wird ein Dorfplatz zur Bühne. Wo eben noch gähnende Leere herrschte, türmen sich Kulissen, flimmern Lichter, kreisen Karussellpferde. Das Rumpel Pumpel Theater ist eingetroffen, jene Truppe, die schon mal als „over the top Liebeserklärung an die Volkskomödie“ bezeichnet wurde. Und die ihrem Ruf, „Deutschlands wildeste Straßentheatergang“ zu sein, auch in diesem August und September in Thüringen gerecht wird. Selbst der kleinste Marktplatz ist vor der Theater-Gang nicht sicher.
Rumpel Pumpel Theater tourt durch Thüringen 2025
Gegründet hat sich das Rumpel Pumpel Theater, weil den beteiligten Schauspieler:innen das klassische Stadttheater zu eng wurde. „Wir haben gemerkt, dass wir genügend Munition in unserer Witzetüte haben und keine Regie brauchen, die uns ein Konzept überstülpt“, erzählt Johannes Lange. Stattdessen wollten sie das Theater machen, das sie selbst gerne sehen würden: laut, schrill, frei von Grenzen, so das Ensemblemitglied.
Wild, schrill, laut: Rumpel Pumpel spielt in Thüringen
Für diese Freiheit verlassen die Theaterleute bewusst die großen Spielstätten. Denn für das Ensemble ist klar: Theater hat den Sprung hinaus aus den Häusern hin zum Publikum versäumt und darf nicht elitär bleiben. „Das Theater muss dorthin, wo es begonnen hat. Nach draußen, überall und für alle“, sagt Johannes. Genau deshalb führen ihre Wege nicht ins Stadttheater, sondern auf Festplätze, zwischen Plattenbauten oder sogar vor Skisprungschanzen.
Orte, an denen Gemeinschaft längst nicht mehr selbstverständlich ist. „Da den Dorfplatz mal voll zu machen, viele zum Lachen zu bringen, das ist dann schon was“, sagt der Schauspieler – und meint damit weit mehr als nur Unterhaltung. Er beschwört mit seinen Kolleg:innen ein neues Gemeinschaftsgefühl.
Theater frei von Grenzen: Rumpel Pumpel in Aktion
In diesem Sommer tourt die Gruppe im Auftrag des Kunstfests Weimar durch Thüringen. Im Gepäck: die Westernsatire „Im Brandzeichen des Astronomischen Pferdes“. Zwei abgehalfterte Show-Cowboys kämpfen darin um ihre letzte Chance, um Männlichkeit, Identität – und gegen den eigenen Abstieg. Auf der Bühne wird dabei nicht selten das Patriarchat erschossen.
Ein Effekt der offenen Fantasiewelten
Gesellschaftskritik steckt in den Szenen, auch wenn sie nie mit dem erhobenen Zeigefinger geschrieben sind. „Wir nehmen nur das hinein, was wir selber auch lustig finden“, sagt Johannes. Dass die Stücke dennoch politische Fragen aufwerfen, sei eher ein Effekt der offenen Fantasiewelten, die entstehen – und die jede:r für sich deuten kann.
Spektakel statt Stadttheater: Rumpel Pumpel in Thüringen
Damit all das gelingt, reist das Theater wie ein kleiner Zirkus: mit einem Karussell, einem Marktwagen, tonnenweise Technik. „Der Aufwand ist schier gigantisch“, gibt der Schauspieler zu. Aufbauen, auftreten und in einer Nacht- und Nebelaktion alles abbauen – ein organisatorischer Kraftakt. Doch der schweißt zusammen. „Es verbindet alle Beteiligten mit dem Projekt auf eine wundersame Weise. Der Stolz, der dann nach einer tollen Vorstellung oder Tour empfunden wird, der hält länger an und baut Stabilität auf.“

Das Rumpel Pumpel Theater (im Bild) ist in diesem Jahr Teil des Phoenix Theaterfestival. Foto: Sophie Wanninger
Und die Reaktionen auf das Rumpel Pumpel Theater zeigen, dass der Ansatz aufgeht, zeigen die Geschichten, die Johannes Lange erzählt: Da war etwa der Mann aus Wattenscheid, der anfangs meinte, mit Theater könne man ihn jagen – und schließlich mit Tränen in den Augen in der ersten Reihe stand.
Warum Rumpel Pumpel Theater in Thüringen Kult ist
„Oder die Rumpel Pumpel Ultras aus Kleinneundorf in Thüringen, die uns hierhergereist sind, einzelne Textpassagen mitsprechen konnten und Spruchbänder gebastelt haben. Wir nennen das den Rumpel-Bann. Mit dem haben wir bereits viele Leute beseelt und belegt.“
Gemeinschaft pur: Rumpel Pumpel Theater auf Tour
Was hinter dem Bann steht, können die Thüringer noch an vielen Orten erleben: in Rudolstadt beim Vogelschießen, auf dem Theaterplatz in Weimar und im Kunsthof Friedrichsrode. Denn ähnlich wie die Spielorte des Theaters ist laut dem Rumpel-Pumpel-Sprecher auch die Fantasie des Ensembles nicht limitiert. „Somit entstehen sehr offene Welten und Umgebungen, die sehr eigen sind.“
Hard Facts:
- 28. August | 17 Uhr: Rudolstädter Vogelschießen | Festplatz
- 29. August | 15 Uhr: Kunsthaus Müller | Wurzbach
- 30. August | 19 Uhr: Kloster Posa | Zeitz
- 31. August | 17 Uhr: Gasthof Fridolin | Kleinneuendorf
- 3. September | 20:30: Theaterplatz | Weimar
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