Ein Flagshipstore – das ist normalerweise der Ort, an dem große Marken zeigen, was sie am besten können: Prestige, Glanz, der „Wow“-Faktor präsentiert im Flaggschiff. Ein Laden, der nicht einfach nur verkauft, sondern ein Erlebnis verspricht, sei es durch innovatives Design, ein breites Produktsortiment oder spezielle Events.
Kunsthaus präsentiert Flagshipshop
Ein Konzept, das laut Kunsthaus Erfurt auch überraschend gut funktioniert, wenn man es auf Kunst überträgt. Und so eröffnet dort ab dem 5. Dezember der „FLAGSHIPSHOP“ – allerdings ohne Rabattcodes und Kommerz, dafür aber mit rund 100 Künstlerinnen und Künstlern.
Kunsthaus unter anderer Flagge
Wie Amanda Minetta Nette, Vorstandsvorsitzende des Kunsthaus e. V., mitteilt, war genau dieser Gedanke der Ausgangspunkt, für die Ausstellung, die am 5. Dezember in Erfurt eröffnet: „Ein Flagship-Store ist ein Konzeptstore, bei dem die Prestige-Produkte präsentiert werden – ein Ort, an dem das Beste gezeigt wird“, sagt sie.
Also: Warum nicht das Beste aus 35 Jahren Kunsthaus-Erfahrung in einen einzigen, komprimierten Showroom packen? Das Ergebnis: Eine Ausstellung, die sich über vier Ebenen zieht, von Editionen über Arbeiten auf Papier und Malerei bis Fotografie oder Multiples. Eine Art Best-of – nur ohne nostalgische Verklärung, sondern mit konkreter Gegenwartskunst.
Flagshipshop Erfurt: Die Ausstellung, die Kunst anders erlebbar macht
Der Titel „Flagshipshop“ sei dabei mehr als ein hübscher Wortwitz. „Wir präsentieren die herausragendsten Positionen von Künstler:innen, die wir in unserer langjährigen Arbeit kennengelernt und gezeigt haben“, erklärt Nette. Und weil das Kunsthaus eben doch eine Galerie ist, kann man die Werke dort auch kaufen – aber ohne das Flair eines Weihnachtsmarkts. „Das hier ist kein Basar. Wir wollen auch Menschen ansprechen, die überlegen, eine Kunstsammlung zu starten.“ Einsteigerfreundlich, aber mit Niveau. Kein Werk kostet mehr als 500 Euro und ist größer als Din-A3.
Flagshipshop zeigt 100 Künstler und Künstlerinnen
Dass in der Ausstellung niemand in der Ankündigung und der öffentlichen Präsentation besonders hervorgehoben wird, ist Absicht. Rund 100 Künstlerinnen und Künstler sind beteiligt – von frühen Wegbegleitern des Kunsthauses bis zu neueren Positionen. Namen hervorzuheben, würde der Idee widersprechen, betont Nette: „Wir gestalten die Ausstellung solidarisch und behandeln alle gleich.“
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Die Mischung macht’s: Thüringer Kunst trifft nationale Oeuvre, etablierte Arbeiten treffen auf neue Ansätze – ein Konzept, wie es das Kunsthaus seit jeher fährt. Oder wie Amanda Minetta Nette sagt: „Das Kunsthaus und die Ausstellung stehen für die Mischung aus lokaler Kunstförderung und der Präsentation von State-of-the-Art-Arbeiten aus der Kunstwelt.“
Es geht um das Zusammenspiel
Wie das alles im Flashipshop zusammenfindet? Durch eine Hängung, die weniger nach Lebensläufen der Künstler und Künstlerinnen sortiert als nach Zusammenspiel von Erscheinung und Energie: „Wir orientieren uns daran, wie die Werke miteinander harmonieren oder auch spannende Gegensätze schaffen. Es geht um das Zusammenspiel und die Dynamik im Raum – darum, eine Atmosphäre zu schaffen, die die Besucherinnen und Besucher überrascht und begeistert“, so die Kunsthaus-Sprecherin.
35 Jahre in einer Nussschale
Die Ausstellung knüpft an die hauseigene Tradition an, zeitgenössische Kunst ins Scheinwerferlicht zu stellen und zeigt, wie breit der Kunstbegriff geworden ist. Einmal quer durch die letzten 35 Jahre – aber ohne musealen Staub. Deshalb wird es ab 20 Uhr bei der Vernissage am 5. Dezember lebendig. Musik steuert Fjut vom DJ-Kollektiv „Gruppe Versus“ bei. Viele der beteiligten Kunstschaffenden sind zudem selbst vor Ort – ein idealer Moment für spontane Gespräche mit den Kreativen – und für spontane Käufe. „Wenn jemand nur zu Besuch in Erfurt ist und ein Werk zur Vernissage erwirbt, geben wir diese direkt mit“, sagt Nette. In solchen Fällen verschwindet ein Bild schon mal direkt von der Wand.
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Streng genommen ist der Flagshipshop jedoch kein klassisches Einkaufserlebnis. Aber er bringt genau das zusammen, was ein Flagshipstore verspricht: besondere Auswahl, Atmosphäre und ein Gefühl dafür, was eine Marke – in diesem Fall 35 Jahre Kunsthaus Erfurt – ausmacht. Eine seltene Gelegenheit, so viele Positionen so kompakt zu erleben. Und vielleicht auch die Chance, mit einem Kunstwerk nach Hause zu gehen.
Kurzurlaub fürs Auge
Die Ausstellung läuft vom 5. Dezember bis 6. Februar, jeweils Dienstag bis Freitag von 12 bis 18 Uhr, und der Eintritt ist frei. Wer zeitgenössische Kunst mag – oder herausfinden will, ob er sie mag – bekommt hier einen ziemlich charmanten Kurzurlaub fürs Auge. Und fürs Wohnzimmer vielleicht gleich mit.
Hard Facts:
- Vernissage: 5. Dezember | 20 Uhr
- Wo: Kunsthaus Erfurt | Michaelisstraße 34
- Öffnungszeiten: 5. Dezember bis 6. Februar, jeweils Dienstag bis Freitag von 12 bis 18 Uhr
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