Kurz vor seinem zehnten Geburtstag drückt der Kalif Storch den Reset-Knopf. Der Erfurter Club hat sich nach neun Jahren einmal komplett neu erfunden – vom Eingangsbereich bis zur Empore. Am 13. und 14. September steigt das große Reopening: 24 Stunden Raven, neue Raumaufteilung, frische Lichttechnik. Selbst die Website ist neu aufgesetzt. Clubchef Hubert Langrock nennt den Umbau eine „Investition in die Zukunft“ – und das in einer Zeit, in der viele Kulturorte noch immer mit den Folgen der Pandemie kämpfen.
Kalif Storch in Erfurt startet nach radikalem Komplettumbau neu
Seit 2015 hat sich der Kalif Storch Stück für Stück in den alten Bahnhallen am Zughafen ausgebreitet. Erst ein großer Raum mit Bar, „weil wir zunächst die Möglichkeit bekamen, den zu bespielen“, erinnert sich Langrock. Nach und nach kamen Hof, Künstler-Toiletten und der „Kleine Muck“ als zweiter Dancefloor hinzu. Alles improvisiert, alles so, wie es die Räume eben hergaben. „Das hat viele Kompromisse bedeutet, weil es anders nicht machbar war“, sagt er.
Zeit für Tabula Rasa: Umbau aus der Notwendigkeit
Mit den Jahren zeigte sich: Der Club hatte Engstellen, die Garderobe blockierte den Zugang, im Muck versandeten kleine Partys, ungenutzte Flächen machten sich bemerkbar. „Nach zehn Jahren war es Zeit, Tabula Rasa zu machen und den Ort neu zu überdenken“, so Langrock.
Kalif Storch zeigt frische Räume und Ideen
Am 29. Juni lief die letzte Indoor-Party. Einen Tag später rückte das Team mit Vorschlaghammer und Akkuschrauber an. „Wir haben eine Woche lang alles rausgerissen“, erzählt Langrock. Holz wurde sortiert, alte Flächen wiederverwendet, dann begann der Neuaufbau. In nur zwei Monaten entstand ein Raumkonzept, das den Kalif Storch einmal umdreht: Statt direkt auf den Dancefloor zu stolpern, landen Gäste nun in einem kleineren Eingangsbereich mit Bar, bevor sich die große Halle öffnet.
Mehr Höhe, mehr Übersicht, mehr Möglichkeiten
Die neue massive Holzwand ersetzt die alte Regal-Konstruktion, dazu kam eine Empore. „So nutzen wir die Höhe des Raums endlich aus“, freut sich Langrock. Für ihn eine Herzensentscheidung – und eine logische: Der Club ist sechs Meter hoch, bisher aber nur am Boden genutzt worden. Das Ergebnis: mehr Übersicht, mehr Luft, mehr Möglichkeiten. Vor allem bei Konzerten. „Früher bist du direkt auf den Floor gefallen, jetzt kannst du erstmal ankommen, was trinken, entspannt in den Abend starten.“
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Die Kapazität bleibt bei Partys zwar ähnlich, aber bei Konzerten lassen sich rund 100 Gäste mehr unterbringen, bestuhlt 50 Plätze zusätzlich. Neue Sitzgelegenheiten bringen das Wohnzimmergefühl zurück, das im Muck zuletzt fehlte. Und auf der Empore gibt’s neue Perspektiven auf die Tanzfläche. Auch der DJ-Bereich hat sich verändert: Er ist höher und sichtbarer, ohne die Nähe zum Publikum zu verlieren. Hinter dem DJ kann nun getanzt werden – eine Anordnung, die man aus Boiler-Room-Streams kennt. „Manche kritisieren das, ich sehe es entspannt. Für die Stimmung ist es gut“, meint Langrock.
Komplettumbau, neue Technik, frisches Programm
Der Umbau verschlang einen mittleren fünfstelligen Betrag. Kein Luxusprojekt, sondern ein Statement: „Fortschritt passiert nur mit Investitionen“, sagt der Clubchef. In Erfurt sei das besonders relevant: Zwischen kleinen Clubs und großen Hallen wie dem Central klaffe eine Lücke. Mit mehr Kapazität könne der Kalif Storch Künstlerinnen und Künstler gewinnen, die bisher an der Stadt vorbeizogen und in Leipzig Halt machten.
Das wohl stylischste Klo der Welt ist in Erfurt im Kalif Storch
Frische Website für modernes Club-Erlebnis
Neu ist nicht nur der Raum, sondern auch die digitale Bühne. Parallel zum Bau bekam die Website ein Update: zweisprachig, übersichtlicher, mit Filterfunktionen. „Die alte Seite war irgendwann nicht mehr zeitgemäß“, so Langrock. „Jetzt ist das Handling klarer.“
Neu ist die Reihe „Starship“
Und die neue Homepage zeigt, inhaltlich bleibt der Club breit aufgestellt: Techno, Hip-Hop, Konzerte, Musikbingo, Tischtennis und die großen Klubnächte gehören weiterhin zum Kalender. Neu ist die Reihe „Starship“, entwickelt im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres – ein Abend mit 2000er-Hits. Zudem gibt es erstmals eine Kooperation mit der „Herbstlese“. Knapp 20 Konzerte sind für den Herbst geplant, dazu Tanzveranstaltungen und als Höhepunkt der zehnte Geburtstag im Dezember.
Kultur Shutdown: Das Interview mit Hubert vom Kalif Storch in Erfurt
Eine erste Kostprobe gab es schon beim CSD Anfang September. Das Soft Opening zeigte, wie stark sich die Atmosphäre verändert hat. „Viele kamen rein und fragten: Bin ich hier richtig? Ist das derselbe Laden?“, sagt Langrock. Genau das sei der Effekt gewesen, auf den er gehofft hatte: „Wir sind cleaner und durchgestylter als vorher, aber am Ende immer noch eine Industriehalle mit Charme.“
Nach neun Jahren alles umgebaut
Der Kalif Storch ist also wieder da. Neu aufgestellt, mit frischem Look und mehr Raum zum Atmen – und Tanzen. Oder, wie Hubert Langrock es zusammenfasst: „Ich find’s nice, dass man jetzt verschiedene Wege und Ecken zum Entdecken hat. Ich hoffe, die Gäste sehen, das Konzept geht auf.“
Die Story zum Kalif Storch – Wie alles begann
Hard Facts
- Klubnacht N°110 – 24h Reopening
- Wann: 13. und 14. September | 23:00 – 22:00
- Wo: Kalif Storch am Zughafen
- Weitere Infos: www.kalifstorch.com
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