Am Weimarer Theaterplatz – wo vor Kurzem noch Süßigkeiten im „Candyfreaks“ verkauft wurden – herrscht seit Tagen geschäftiges Treiben. Es wird gewerkelt und gebaut. Mitten im Herzen der Stadt, zwischen DNT und Kebap Haus, entsteht der Metaroom – „ein offener, temporärer Ort für Kultur, Austausch, Begegnung und feministische Perspektiven“, heißt es in der Ankündigung auf der Website. Rund um den Frauenkampftag am 8. März öffnete das Netzwerk „Metaware“ einen Raum in der Weimarer Innenstadt für Lesungen, Workshops, Gespräche und Musik und lädt bis 22. März zum Vorbeikommen und Mitmachen ein.
Metaroom in Weimar macht feministische Kultur sichtbar
Hinter dem Namen Metaroom steht ein FLINTA*-Netzwerk aus Weimar, eine soziokulturelle Initiative, die ganzjährig ehrenamtlich Projekte, Workshops und Veranstaltungen organisiert. FLINTA* steht dabei für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans und agender, also geschlechtslose Menschen. Mit dem Genderstern wird auf alle weiteren Geschlechtsidentitäten oder sexuellen Orientierungen verwiesen, die nicht den gesellschaftlichen Normen entsprechen.
Metaware vernetzt FLINTA-Künstlerinnen
Metaware ist ein loses, offenes Kollektiv, gegründet im November 2019 von fünf FLINTA*-Personen in Weimar mit dem Ziel, ebenjene DJs und Künstler*innen in der Weimarer Clubkultur sichtbarer zu machen – denn in Weimar gab es zwar viele FLINTA*-DJs, diese waren aber bis dahin auf Veranstaltungen kaum vertreten.

Wo früher Süßigkeiten verkauft wurden, entsteht jetzt in Weimar ein Raum für Lesungen, Musik und Begegnung. Foto: Metaroom
Der Name Metaware ist eine Reminiszenz an die Bauhaus-Frauen: Anlässlich des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums wurde 2019 eine Ausstellung über die Bauhaus-Frauen gezeigt – allerdings nicht in Weimar, sondern in Erfurt. Um auf die Bauhaus-Frauen aufmerksam zu machen, die nicht nur im Rahmen des Jubiläums in Weimar übergangen wurden, sondern bereits zu Bauhaus-Zeiten häufig in die Textilwerkstätten verdrängt worden waren, entstand der Name des Netzwerks: Aus der Verbindung des Textilbegriffs „Meterware“ und des Begriffs „Metaebene“ wurde „Metaware“.
Radiosendung, Workshops und kreativen Events
In den über fünf Jahren seit der Gründung ist Metaware stetig gewachsen und vereint unter sich neben dem gleichnamigen DJ-Kollektiv auch die monatliche Radiosendung „Metaspace“, einen Lesekreis, DJ-, Kreativ-, und Tanzworkshops, Lesungen, Konzerte und Tagesveranstaltungen. Die Strukturen sind offen, so dass sich alle, die Lust haben, einbringen können. „Wir sind eine Mischung aus Arbeitstätigen, Studierenden und Engagierten aus Weimar, Jena und Erfurt. Bei uns können FLINTA* in jeder Lebenslage mitmachen. Am besten erreicht man uns über Instagram oder per E-Mail.“
Zum Weltfrauentag hat das queer-feministische Kollektiv nun also den Metaroom auf die Beine gestellt. Wie jedes Jahr gab es am 8. März eine Demonstration und ein Straßenfest in Weimar, direkt auf dem Theaterplatz, organisiert vom „Bündnis Feministischer Kampftag Weimar“.
Metaroom füllt die Innenstadt mit Kultur
Einen Tag vorher, am 7. März, startete der Metaroom und lud zum gemeinsamen Plakate-Malen ein. Bei einer Live-Radioshow kamen Ausstellerinnen und Akteurinnen der 8. März-Aktion zu Wort, und die Dauerausstellung „8. März ist jeden Tag“ mit interdisziplinären Kunstwerken von fünf Künstler*innen wurde eröffnet. Am 8. März ging es nach dem Straßenfest anschließend mit der Afterparty im Metaroom weiter.
Zwei Wochen voller Events
„Uns ist wichtig, dass der 8. März nicht nur als Frauentag, sondern als feministischer Kampftag für alle FLINTA* gesehen wird. Am 8. März kämpfen wir für Menschen, die im Patriarchat diskriminiert werden, die von Sexismus und Gewalt betroffen sind. Dabei ist der 8. März für uns nur der Ausgangspunkt, um den ganzen März lang Programm zu machen.“
Gothaer Autorin enthüllt: Was sagt der Blick auf Brüste über unsere Gesellschaft?
Und das Programm im Metaroom reicht in diesen zwei Wochen von Konzerten und DJ-Auftritten, Tanz- und Kreativworkshops, Ausstellungen, Vorträgen, Gesprächskreisen, Radiosendungen, Strickabenden, bis hin Kleider- und Pflanzentauschpartys, Karaoke und einem Speeddating für neue Freund*innenschaften.
Kulturraum zeigt, wie ein FLINTA*-Netzwerk wächst
Möglich geworden ist das alles durch jede Menge Eigeninitiative des ehrenamtlich arbeitenden Teams, durch Förderprogramme und durch Sponsor*innen. Letztes Jahr gab es den ersten Metaroom am Graben. Dieses Jahr geht der Veranstaltungs- und Begegnungsraum nun in die zweite Runde, mitten im Zentrum Weimars, gleich neben Goethe und Schiller auf ihrem Podest.
Mehr als nur ein Veranstaltungsort
„Wir sind froh, dieses Jahr im Stadtkern präsent zu sein, da uns von Anfang an wichtig war, auch Menschen zu erreichen, die sich nicht in den Studierendenkreisen der Unis in Weimar bewegen. Einen zentral gelegenen Ort zu haben, an dem viele Menschen vorbeikommen, vielleicht interessiert in den Laden schauen, für einen kurzen Plausch bleiben oder für Veranstaltungen zurückkommen, ist unser Hauptfokus.“ Alle Angebote sind kostenlos. Der Raum ist offen für alle. „Wir freuen uns auf alle, die Lust haben, vorbeizukommen!“
Hard Facts:
- Wann: 7. + 8. März | 12. – 15. März | 19. – 22. März
- Wo: Am Weimarer Theaterplatz
- Alle Infos und Termine
Text: Claudia Solle





