Text: Paula Spitzner
Die Bastion auf dem Petersberg in Erfurt, die Creuzburg im Wartburgkreis oder die Seestern-Panorama-Bühne in Zeulenroda-Triebes direkt an der Talsperre – immer mehr außergewöhnliche Open-Air-Spielorte versüßen den Thüringer Konzertsommer. Der Freistaat mausert sich und immer mehr Veranstaltende und Gäste entdecken das Live- und Draußen-Gefühl neu. In unserer Reihe wollen wir die außergewöhnlichste Venus ins Spotlight nehmen und schauen, welche Events sie bieten und was sie so besonders macht.
Geschichte von der Steinzeit bis zur Moderne
In Erfurt erzählt kaum ein Ort Geschichte so dicht wie der Petersberg. Mit einer Höhe von 231 Metern dominiert er zusammen mit dem benachbarten Domberg die städtische Topografie. Seine Historie reicht weit zurück: Lagerplatz in der Steinzeit, kultischer Ort der Kelten und Germanen, Pfalz der Franken und später geistliches Zentrum. Mit dem Dreißigjährigen Krieg rückte die militärische Bedeutung in den Vordergrund, die Festungsanlage entstand. Der Petersberg wurde beschossen, besetzt, entfestigt – und im 20. Jahrhundert erneut militärisch genutzt. Erst nach 1990 wurde er als Ort der Stadtgesellschaft zurückerobert und saniert.
Groß genug für Stimmung, klein genug für Nähe
Auf der rund 2.500 Quadratmeter großen Festwiese fühlt sich Geschichte ganz nah an. Im Osten erhebt sich die Bastionsmauer, im Westen liegt ein dreieckiges Schutzwerk vor der Hauptmauer. Von Norden her sichert die massive Geschützkaponniere Nr. 1 den Platz. So entsteht ein grünes Areal wie eine kleine Festung: mitten in Erfurt und doch angenehm abgeschirmt. Bis zu 4.000 Menschen passen hinein – groß genug für Stimmung, klein genug für Nähe zur Bühne.

Die Zitadelle Petersberg in Erfurt vereint jahrhundertealte Geschichte mit aktueller Kultur. Foto: Andreas Abendroth
Nach der Wende entwickelte sich die Wiese zu einem verlässlichen Open-Air-Ort. In den 1990er Jahren als Veranstaltungsfläche etabliert, ist sie barrierefrei erreichbar und an den Nahverkehr gut angebunden. Technisch ist das Areal für unterschiedliche Formate vorbereitet: von Konzerten über Inszenierungen bis hin zu Stadtfesten.
Petersberg-Konzertsommer 2026
Im vergangenen Jahr zählte der Konzertveranstalter Landstreicher etwa 30.000 Gäste auf dem Petersberg. Erstmals wurde dort eine Serie von acht Konzerten am Stück als Festival-Sommer umgesetzt. Zusammen mit den Domplatz-Open-Airs positioniert sich Erfurt damit klar als Anziehungspunkt für Kulturinteressierte und Freiluftfans. 2026 kehrt der Petersberg-Konzertsommer zurück: Mit Mark Forster, Alvaro Soler und Kaffkiez ist bereits jetzt ein diverses Programm am Start.
Festivalatmosphäre über den Dächern der Stadt
Was den Petersberg aber besonders macht, ist seine Kulisse: Umgeben von barocken Mauern entsteht eine konzentrierte Akustik und ein direkter Blick zur Bühne – alles über den Dächern Erfurts. Das schafft eine Mischung aus urbanem Festivalgefühl und historischer Schwere, die schwer zu kopieren ist. Die Grenzen des Ortes sind Einschränkung und Qualität zugleich: wenig Raum für Expansion, viel Raum für Atmosphäre.

Der Musiker Berq verwandelte 2025 den Petersberg in ein Meer aus Beats und Emotion. Foto: Nadja Schütze
Neben Konzerten bleiben traditionelle Stadtfeste präsent – Petersbergkirmes, Krämerbrückenfest, Familien- und Petersbergfest schreiben die Nutzung als Ort der Stadt weiter. So ist der Petersberg nicht nur Kulisse, sondern Scharnier zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Eine Festung, die zum Klangkörper wird und ein Areal, das Geschichte unter freiem Himmel weiterspielen lässt.
Hard Facts:
- Wo: Festwiese auf dem Petersberg, Erfurt
- Mehr zum Konzertsommer findet ihr hier!
