Mira Held ist Genuss-Expertin. Seit mehreren Jahren betreibt sie mit ihrem Partner Flo den Blog „How to Gourmet“ und futtert sich durch Restaurants in Thüringen. In ihrer regelmäßigen Kolumne nimmt sie uns mit auf ihre kulinarischen Abenteuer in Thüringen und gibt Inspirationen für den nächsten Leckerbissen, Wochenendschmaus oder die kleine Alltagsversüßung.
Lato in Weimar belebt Traditionsort mit neuem Konzept
Ein bisschen fühlt es sich an wie Fremdgehen. An dem Ort, an dem sich bis zum Herbst 2024 mein liebstes Restaurant in Thüringen befand, ist jetzt neues Leben eingezogen. Es ist wirklich schön, dass sich mutige Menschen finden, die neue Restaurants eröffnen und ich kann niemandem verübeln, sich in die wunderschönen, holzvertäfelten Gasträume in der Humboldtstraße in Weimar verliebt zu haben. Trotzdem wünsche ich mir insgeheim, dass diese hippe neue Weinbar einfach an einen, für mich unverbrauchten Ort gezogen wäre. Dann könnte ich diesen Absatz einfach weglassen und mich ganz unvoreingenommen und frohlockend mit dem beschäftigen, was jetzt ist.
Restaurant in Weimar überrascht mit kleinen Gerichten
Jetzt ist es das „Lato“! Und das ist wirklich fein. Ende 2025 hat Robert Brückner das eröffnet, was er als „Restobar“ bezeichnet. Der Fokus liegt gleichermaßen auf einem entspannten Angebot an kleinen Speisen und einer großen Weinauswahl. So kann man entweder nur einen kleinen Snack zu einem guten Glas genießen oder sich aus den Gerichten ein kleines Menü zum Teilen am Tisch zusammenbasteln.
Alle drei bis vier Wochen wechseln die offenen Weine, doch wer mehr Lust hat (oder Freunde mitbringt), kann sich auch durch ein großes Angebot an Flaschenweinen probieren. Ein Großteil davon kommt aus Deutschland, viele auch aus dem Saale-Unstrut-Gebiet. Genau wie bei den Speisen wird Wert auf Regionalität gelegt. Wer mag, findet auch interessante Naturweine auf der Karte.
Neue „Restobar“ kombiniert Weinvielfalt mit lockerer Atmosphäre
Das lasse ich mir nicht zweimal sagen und bestelle mir einen wirklich guten Orange Wine vom winzigen Weingut Konni & Evi aus Laucha. Ansonsten machen meine Freunde und ich es uns einfach und bestellen „einmal alles, bitte!“
Während wir noch die Kunst an den Wänden studieren (hier sollte ganz offensichtlich mit dem altehrwürdigen Charme der Räume gebrochen werden, in denen schon Goethe seinen Wein getrunken hat), wird unser Tischgespräch von etwas unterbrochen, das wir zuerst für das laute Knarzen einer alten Holzdiele halten. Doch wir finden schnell heraus, dass es sich um das beliebteste Geräusch im Restaurant handelt: Es ist der Sound einer Anzeigetafel, die an der Wand angebracht ist.
Weimars neue Weinbar, die Service und Erlebnis anders denkt
Die Gäste am Nebentisch stehen auf, gehen den Gang entlang zur Küche und kehren mit einem vollbeladenen Tablett und einem zufriedenen Gesicht zurück. Das „Lato“ setzt auf eine halbe Selbstbedienung. Bestellt wird gemütlich am Tisch, die fertigen Speisen holt man sich dann in der Küche ab, sobald die richtige Nummer auf der Anzeige erscheint.
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Mit dem Geräusch, das ebenso das einer gequälten Fahrradgangschaltung am Berg sein könnte, erscheint wenig später unsere Nummer auf der Anzeige. Auf unserem Tablett finden sich Oliven, gebackener Fenchel mit Ziegenkäse, eine cremige Polenta, Hackbällchen in Tomatensoße, eingelegter Kürbis, Kartoffelpüree, Rosenkohl mit Semmelbröseln, Austernpilze mit einer scharfen Mayo, eingelegte gelbe Bete und ein frischer Dip mit sauren Gurken. Dazu gibt es Baguette.
Neues Lokal in Thüringen setzt auf Regionalität und Atmosphäre
Mir gefällt die Vielfalt, die sich vor uns auf dem Tisch ausbreitet. Alle Gerichte sind in hübschen handgemachten Schälchen der Weimarer Keramikerin Isa Schreiber angerichtet. Es ist schön, es macht Appetit und es erinnert mich an das, was der Name „Lato“ bedeutet, an den „Sommer“. Dasitzen mit Freunden, zwanglos genießen, etwas Schönes trinken, sich gut unterhalten, teilen, lachen, snacken, schlürfen. Die Gerichte sind nicht über die Maßen ausgefeilt, aber vor allem die Polenta und die Hackbällchen finde ich richtig gut.
Die Thüringer Gastronomie wächst
Mein erster Eindruck: Das „Lato“ ist zwanglos, gemütlich, hip und hat einen Anspruch an das, was hier auf den Tellern und in den Gläsern landet. Es ist eine schöne Bereicherung für unsere hiesige kulinarische Landkarte. Das “Lato” wird auf seine Art weiterführen, was in diesen Räumen seit über 150 Jahren passiert ist: feuchtfröhliches Lachen bei Wein und Speisen.
Mehr zum Lato:
- Wo: Humboldtstraße 2, 99423 Weimar
- Öffnungszeiten: Mi – Sa | 17 – 23 Uhr
- Mehr unter: www.lato-weimar.de






