Statt Leinwand gibt es Eis, statt Schnitt und Spezialeffekten Körper, Bewegung und Musik. Wenn sich im April die Messehalle in Erfurt in ein Kino verwandelt, läuft dort kein Film – zumindest keiner im klassischen Sinne. „Cinema of Dreams“ heißt die neue Show von Holiday on Ice, die vom 10. bis 12. April in Thüringen Station macht und die Messe in Erfurt in ein fiktionales Lichtspielhaus verwandelt.
Show in Erfurt nutzt Raumkonzept und sorgt für neue Perspektiven
Wie „Holiday on Ice“-Sprecherin Julia Kroll erklärt, ist die Messehalle dabei fast schon ein Glücksfall: „Unsere gesamte Produktion passt perfekt in die Halle.“ Eine Besonderheit bleibt trotzdem – bespielt wird quer durch den Raum. Ein Aufbau, den „nur sehr wenige Veranstalter“ nutzen, wie Kroll sagt.
Im Zentrum stehen 37 Eiskunstläufer:innen aus zwölf Nationen. Für die Sprecherin ist diese Mischung mehr als nur ein organisatorischer Fakt: „Unterschiedliche Kulturen bedeuten unterschiedliche Bewegungsstile, Persönlichkeiten und kreative Impulse.“ Genau daraus entstehe die Dynamik der Show – oder, wie es Kroll etwas pathetischer formuliert: „One World on Ice.“
Holiday on Ice verwandelt Erfurt in ein Kino auf Kufen
Inhaltlich lehnt sich „Cinema of Dreams“ an die große Welt des Kinos an, ohne konkrete Filme nachzuerzählen. Stattdessen arbeitet die Show mit bekannten Stimmungen: Lovestory, Action, Glamour, Science-Fiction. „Wir spielen mit Genres, die man aus dem Kino kennt“, so die Sprecherin. Übersetzt wird das Ganze in Choreografien, Musik und Bühnenbilder – ein Filmgefühl, nur eben live.
Eisshow setzt auf Emotionen statt klassische Story
Die Rahmenhandlung bleibt dabei klassisch: Drei Freunde beleben ein altes Kino neu und erschaffen ihre eigenen Geschichten. Szene für Szene entfaltet sich daraus eine Art visuelles Mixtape aus Filmzitaten und Emotionen. Unterstützt wird das durch ein internationales Kreativteam, das eher aus dem Pop- und Showbusiness als aus dem klassischen Eissport kommt.
Am Ende geht es aber weniger um Story als um Wirkung. „Wenn das Licht ausgeht und die ersten Töne erklingen, verwandelt sich die Eisfläche plötzlich in eine Welt voller Farben, Bewegung und Emotion“, beschreibt Kroll den Anspruch. Das Eis wird zur Bühne, auf der unter anderem auch Andrii Kokura zu Hause ist, ein ukrainischer Profi-Eiskunstläufer, den wir vor der Show in Erfurt ein paar Fragen gestellt haben.
Wie lang und oft trainiert ihr, um alles ordentlich hinzubekommen?
Wir proben etwa acht Wochen, bevor die Tour startet. In dieser Zeit trainieren wir fast täglich – wir arbeiten an der Choreografie, an Sprüngen, Hebungen und all den Details, die die Show zum Leben erwecken. Es ist intensiv, aber genau in dieser Phase wächst auch alles als Team zusammen. Und auch während der Tour trainieren wir regelmäßig weiter, um auf unserem höchsten Level zu bleiben und Abend für Abend eine großartige Show zu liefern.
Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie einen Sprung ausüben? Woran denken Sie?
Eiskunstläufer:innen haben tatsächlich Zeit, in der Luft zu denken. Meist ist es eine Art Sekundenanalyse – man spürt sofort, ob der Sprung gut läuft oder nicht. Wenn etwas nicht stimmt, versucht man, es zu korrigieren, aber vieles passiert reflexartig. Der Körper reagiert schneller als die Gedanken.
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Denkt ihr auch manch mal „hoffentlich lande ich nicht mit dem Gesicht auf dem Eis“? Oder welche Ängste habt ihr während der Show?
Während der Shows habe ich diese Angst eigentlich nicht. Aber wenn ich in einen Sprung gehe, bin ich komplett fokussiert, damit genau das nicht passiert. Mit den Kufen zuerst zu landen ist definitiv die bevorzugte Option.
Welche Szene war in der Umsetzung die größte Herausforderung?
Der schwierigste Teil war definitiv das Ende – die letzten Szenen der Geschichte, performt zu den Songs „Beautiful Things“ und „Die With a Smile“. Für mich ist das Ende alles. Es ist entscheidend, das Publikum mit dem richtigen Gefühl zurückzulassen. Deshalb geben wir alle unser Bestes, um eine starke Performance zu zeigen und die passenden Emotionen zu transportieren.
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Wenn Sie selbst eine Szene aus Ihrer Lieblingsfilmreihe auf Eis zeigen könnten – welche wäre das?
Matrix! Die Szene, in der Neo kommt, um Morpheus zu retten. Das wäre wirklich episch und würde unglaublich viele Möglichkeiten für Choreografie und Tricks bieten.
Und abschließend: Wenn Thüringen ein Eiskunstlaufsprung wäre, welcher wäre es?
Für mich haben Sprünge tatsächlich ihre ganz eigene Atmosphäre und Ausstrahlung. Thüringen wäre definitiv ein Lutz – sehr, sehr elegant.
Mehr zu Holiday on Ice:
- Wann: 10. bis 12 April (7 Vorstellungen)
- Wo: Erfurt | Messe
- Tickets gibt es im Ticketshop Thüringen





