Mit ihrem neuen Album „The Life of a Showgirl“ bricht Taylor Swift erneut alle Rekorde. Entstanden ist die Platte während ihrer gigantischen „Eras Tour“ – zwischen Hotels, Flughäfen und Konzertbühnen in Europa, während ihr Alltag ganz vom Rhythmus der großen Shows bestimmt war. 149 Konzerte in 51 Städten auf fünf Kontinenten – Taylor kennt sich aus im Leben eines echten Showgirls.
Deutschlands Popschlager-Queen der Travestie
Doch nicht nur die amerikanische Singer-Songwriterin weiß, wie man das Publikum in den Bann zieht. Deutschlands Popschlager-Queen der Travestie, Miss Chantal, kann ebenfalls ein Lied vom Showgirl-Dasein singen. Wenn die hochgewachsene Blondine die Bühne betritt, begeistert sie mit funkelndem Glamour, sprühendem Wortwitz und emotionaler Tiefe. Mit Charme, Herz und Gefühl führt Chantal in diesem Jahr durch das Winter-Travestie-Programm im DasDie in Erfurt.
Kann Taylor vielleicht noch etwas bei Chantal lernen?
Seit den 1990ern steht die Profi-Entertainerin auf den größten Bühnen des Landes – Zeit also, mit der alteingesessenen Glamour-Connaisseurin darüber zu sprechen, was ein echtes Showgirl wirklich ausmacht – und wo Taylor vielleicht noch etwas bei Chantal lernen könnte.
Chantal, du bist eigentlich in Leipzig ansässig, machst aber Wintertravestie in Erfurt. Wie kommt es denn dazu?
Ich liebe Erfurt – und natürlich auch Thüringen. Das DasDie ist ein großartiges Theater und wir spielen dort über drei Monate mit tollen Kolleginnen und Kollegen. Es ist jedes Jahr ein echtes Spektakel – für uns und fürs Publikum. Ich liebe das einfach.
Du bist sowas wie die Moderatorin, die durch den Abend führt?
Genau. Moderatorin trifft’s ganz gut. Ich führe durchs Programm, versuche die Leute mit meiner Musik und natürlich mit ein paar kleinen Anekdoten, die auch mal ein bisschen an der Gürtellinie kratzen, zu unterhalten.
Und das machst du natürlich in der Manier eines echten Showgirls – oder wie würdest du das selbst sagen?
Na, ich bin schon so eine Showdiva – eine Grande Dame der Bühne. Ich bin ja jetzt auch in einem etwas gesetzteren Alter, wo eine Rose zur Hagebutte wird (lacht). Wir versuchen natürlich, den Leuten etwas zu verkaufen – mit unserer Art, unserer Ausstrahlung. Ein klassisches Showgirl bin ich also nur bedingt.
Gerade wenn man eine Hagebutte ist, kann man einer Rose sehr gute Tipps geben. Was macht für dich ein echtes Showgirl aus?
Ein Showgirl muss Sexappeal haben, Glamour, Präsenz. Wenn sie auf der Bühne steht, müssen die Leute mit offenem Mund dastehen und sagen: „Wow, das ist toll!“ Ich habe natürlich auch meine Musik dabei, und ich weiß, dass ich die Leute damit fesseln kann.

Mit Charme, Herz und Gefühl führt Chantal in diesem Jahr durch das Winter-Travestie-Programm im DasDie in Erfurt. Foto: Miss Chantal
Wie wird man überhaupt Showgirl?
Ich glaube, das hat man einfach in sich. Ich wollte auf die Bühne – egal wie, egal was, egal warum. Die Faszination ist, den Menschen Freude zu bringen. Wenn man in viele Gesichter schaut und merkt, dass sie für einen Moment ihre Sorgen vergessen, dann hat ein Showgirl alles erreicht.
Wenn du Taylor Swift etwas über das echte Leben eines Showgirls beibringen könntest – was wäre die wichtigste Lektion?
Immer echt bleiben! Keine gekünstelten Sachen. Ich hab‘ schon so viele Stars gesehen, die auf der Bühne glänzen und dahinter enttäuschen. Authentizität ist das Wichtigste. Der Mensch auf der Bühne sollte derselbe sein wie der hinter der Bühne.
Was hat Taylor deiner Meinung nach auf ihrer Showgirl-Haben-Seite?
Natürlich ihr Aussehen, ihre Faszination. Taylor Swift – da muss ich ehrlich sagen, ich kann diesen Hype nicht ganz nachvollziehen. Aber es ist eben ein Hype geworden. Es gibt andere Showgirls, die wirklich beständig sind – Cyndi Lauper zum Beispiel. Die 80er-Ikonen. Das waren richtige Showgirls! Frauen, die Power haben, die ihre Generation geprägt haben. Taylor hat das, was junge Menschen heute sehen wollen, und sie macht das alles richtig.
Was unterscheidet dich als Showgirl von Taylor Swift?
Ganz klar: Geld (lacht).
Was hat ein Showgirl von früher ausgezeichnet – zum Beispiel Cyndi Lauper?
Ein Showgirl von früher hatte Eigenständigkeit. Cyndi Lauper war in den Achtzigern und Neunzigern einzigartig – durchgeknallt, bunt, skurril. Genau das hat sie besonders gemacht. Ähnlich wie Cher und die anderen großen Ladies. Die hatten alle ihr eigenes Ding, ihr Alleinstellungsmerkmal.
Ich wusste anfangs gar nicht, wer Taylor Swift ist. Erst als der Hype kam, hab ich mir Videos angeschaut. Und ich dachte mir: Stell sie mal auf eine normale Bühne wie früher – da wäre sie kein Showgirl. Sie hat Technik, Bühne, Outfits, Effekte – das ist eine andere Generation. Aber Taylor ist ein Superstar, und das soll sie auch bleiben. Wenn sie für junge Mädchen ein gutes Beispiel ist, bin ich da absolut dabei.
Stichwort Pailletten: Was muss ein Showgirl-Kostüm haben?
Ein Showgirl-Kostüm muss Sexappeal haben, glänzen, Glamour ausstrahlen. Es braucht diesen Wow-Effekt, wenn man rauskommt – dann hat man alles richtig gemacht.
Worauf achtest du bei deinen Kostümen?
Auf meinen Wow-Effekt. Wenn ich vorm Spiegel stehe und denke „Wow“, dann weiß ich, das passt.
In „Life of the Showgirl“ singt Taylor: Pailletten, Lippenstift, Strumpfbänder und Netzstrümpfe sind gesetzt. Was davon ist für dich gesetzt?
Alles (lacht)! Das muss perfekt sitzen. Man kann nicht halb gehangen auf die Bühne gehen, wie meine Oma immer gesagt hat. Die Menschen sehen auf der Bühne das Glamour-Girl, das Showgirl – und wir oben sehen all die Gesichter und Reaktionen. Das ist sehr intensiv.
Wenn du auf die Bühne gehst, erklingt bei dir glitzernder Schlager, bei Taylor Pop. Hast du auch andere Genres oder bleibt’s beim Schlager?
Ich bin seit zwei Jahren patentiert – als Deutschlands erste Pop-Schlager-Queen der Travestie. Und das wird auch so bleiben. Ich liebe Pop-Schlager. Die Menschen können tanzen, mitsingen – und ich habe meine eigenen Songs. Das macht einfach Spaß.
Taylor schreibt oft über ihre Ex-Freunde. Worüber schreibst du in deinen Songs?
Natürlich ist Schlager immer mit Liebe verbunden – Sehnsucht, Traurigkeit, Verlassenwerden. Aber meine Songs sind meist positiv. Es geht um glückliche, gesunde Liebe. Ich finde, man sollte die Leute in dieser etwas negativen Zeit positiv abholen.

Mit Charme, Herz und Gefühl führt Chantal in diesem Jahr durch das Winter-Travestie-Programm im DasDie in Erfurt. Foto: Miss Chantal
Was inspiriert dich beim Schreiben?
Meine eigenen Geschichten. Ich arbeite mit Freunden – Produzenten, Songwritern. Mein erstes Album erzählt fast komplett meine Geschichte – und die kann ich natürlich authentisch rüberbringen. Ich glaube, das ist bei Taylor Swift ähnlich – wer über sich selbst schreibt, fühlt es einfach.
Hast du ein Beispiel-Song?
Ja: „Sommer in Maspalomas“. Ich habe lange auf Gran Canaria gelebt und mich dort verliebt. Als ich zurück nach Deutschland kam, wollte ich unbedingt einen Song darüber: die kleine Bar, das Kennenlernen, der Abschied. Alles in den Zeilen zusammengefasst.
Taylor baut in ihre Songs oft kleine „Easter Eggs“ ein. Gibt’s bei dir auch versteckte Botschaften?
(Lacht) Darüber hab ich mir noch keine Gedanken gemacht. Deutscher Pop-Schlager ist leicht und direkt. Die Leute sollen sich wiederfinden – nicht rätseln.

Foto: Miss Chantal
Taylor hat ihre Swifties. Hast du schon „Chantalies“?
Ja, ganz viele (lacht)!
Wie hältst du Kontakt zu deinen Fans?
Über Social Media – Facebook, Instagram, TikTok. Da erreicht man die meisten Leute. Viele kommen regelmäßig, manche reisen mir sogar hinterher – nach Erfurt, Dresden, Dortmund. Sogar auf Kreuzfahrtschiffen hab ich schon Fans getroffen, die wegen mir da waren. Das ist natürlich ein kleiner Ritterschlag – da freu ich mich riesig.
Was ist für dich die größte Herausforderung im Showgirl-Alltag?
Sich immer wieder neu zu entdecken, sich neu zu erfinden. Nicht stehen bleiben. Die Zeit ist schnelllebig – wenn man auf der Stelle tritt, ist man schnell vergessen. Neues Kostüm, neues Lied, neue Perücke, neue Idee – das hält frisch. Und ich liebe es, wenn Menschen reagieren. Das gibt mir Kraft und inspiriert mich, weiterzumachen oder etwas zu verändern.
Wie oft hast du schon gedacht: „Ich bin zu alt für diesen Tüll“ – und dann doch weitergetanzt?
(Lacht) Noch nie! Man ist nie zu alt, um auf der Bühne zu stehen – es sei denn, die Leute lachen nicht mehr mit einem, sondern über einen. Dann sollte man vielleicht Platz machen. Aber bis dahin: weitertanzen!
Und wenn ein Showgirl mal einen schlechten Tag hat – was hilft?
Auf die Bühne gehen! Sobald man da oben steht, ist alles weg. Klar, man hat mal einen Durchhänger, aber sobald man in der Maske sitzt, verfliegt das. Nach den ersten 20, 30 Sekunden auf der Bühne denkt man sich: „Geiler Tag!“
Wie viel Taylor steckt in dir, wenn du auftrittst?
Nicht allzu viel (lacht). Vielleicht ein bisschen in den Texten – dieses Persönliche, das sie beschreibt. Glitzer und Glamour natürlich auch. Aber ich bin mehr die Old-School-Variante.
Und wie viel Chantal steckt in Taylor?
Alles! (Lacht) Nein, keine Ahnung. Ich glaube, Taylor ist gut wie sie ist und ich, so wie ich bin.
Aber ihr habt doch beide die Leidenschaft für die Bühne und Musik.
Das stimmt schon, ja. Musik, Glamour – das verbindet uns sicher. Äußerlich vielleicht nicht. (Lacht) Ich weiß nicht, wie sie privat ist, ob sie Tiere mag oder so.
Sie ist Katzenmutti.
Katzen? Ach, sie mag Tiere – das ist schon mal gut. Menschen, die Tiere mögen, sind gute Menschen.
Warum sollten auch Swifties mal deine Auftritte besuchen – zum Beispiel die Wintertravestie in Erfurt?
Ich denke, viele Swifties waren schon bei uns. Die vergleichen Taylor Swift nicht mit Chantal – die kommen einfach, weil sie Spaß wollen. Und das haben sie – ganz bestimmt!
Hard Facts:
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