Atze Schröder vor Thüringen-Auftritt: „Ich hab mal einen Film mit einer Erfurterin gedreht“
Der Mann mit der Lockenperücke und der blaugetönten Fliegerbrille steht mittlerweile seit drei Jahrzehnten auf den großen Comedy-Bühnen Deutschlands. Von der Filmkarriere über Podcasts bis hin zu Büchern hat Atze Schröder darüber hinaus so ziemlich alles mitgenommen.
Atze Schröder in Erfurt
Am 22. September kommt der selbsternannte Kanzler der Herzen mit seinem neuen Programm „Lovemachine“ in die Alte Oper nach Erfurt. Wir haben mit Atze über Stadtführungen und Telefonmuffel gesprochen – und darüber, warum drei Likes noch kein intensiver Kuss sind.
Im September kommst du mit „Lovemachine“ in die Alte Oper nach Erfurt. Warst du schon einmal in der Stadt – und hast davon eine lustige Anekdote auf Lager?
Ich war schon oft in Erfurt, ich gehöre fast dazu, kann ich sagen. Erfurt ist für mich eben nicht nur die Stadt der Wurst oder die Stadt der Türme, sondern auch die Stadt – bitte nicht sexistisch verstehen, aber irgendwo ist es das natürlich – der schönen Frauen. Ich habe nämlich schon mal einen Film mit einer Erfurterin gedreht: Yvonne Catterfeld. Und ich muss den Film wirklich noch mal sehen.
Bei Erfurt kann ich also auf jeden Fall mitreden. Lesungen habe ich dort zum Beispiel auch schon gegeben. Das klingt jetzt alles vielleicht geschleimt, aber hätte ich nur noch zehn Städte in Deutschland auf dem Tourplan, wäre Erfurt dabei. Die Stadt ist sozusagen das Dubai des Ostens – immer eine Reise wert!

Dann hast du vor Ort hoffentlich etwas Freizeit. Denn in deinem Programm sprichst du ja auch vom innerlichen Flugmodus. Wie sähe denn dein freier Tag in Erfurt aus?
Ich habe diesmal tatsächlich wieder Freizeit in Erfurt. Den Tag vorher spiele ich in Dresden, danach in Magdeburg. Bei der Hotelplanung habe ich meiner Agentur gesagt: Lasst mich nicht in Dresden übernachten, ich fahre nach Erfurt und bin dann dort in der Stadt unterwegs. Was das angeht, bin ich nämlich sehr geschichtsinteressiert.
Wenn sich zum Beispiel in Hamburg, wo ich wohne, irgendetwas tut oder ich von einer Sache lese, gehe ich der sofort auf den Grund. Das lässt sich in Erfurt auch wunderbar machen: Ich gehöre wahrscheinlich zu den Wenigen, die den Erfurter Dom und die Severikirche wirklich besichtigt haben. Zwei Stadtführungen machte ich außerdem auch schon mit. Ich fühle mich in Erfurt einfach sehr wohl.
Bei deinem neuen Showprogramm „Lovemachine“ geht es um Menschlichkeit und Nähe außerhalb der digitalen Welt. Gab es ein Erlebnis, das dir den Anstoß dafür gegeben hat?
Für diesen Teilbereich des Programms war es die Beobachtung, dass viele jüngere Menschen, die ich kenne, ungern telefonieren. Einer von ihnen, der zwar nächstes Jahr schon 50 wird, ist Micky Beisenherz, ein ganz alter Freund. Irgendwann sagte ich zu ihm: „Mensch, ich konnte dich nicht erreichen.“ Und er darauf so: „Ich telefoniere nicht so gern.“
Da sagte ich wieder: „Ich aber. Was machen wir da jetzt?“ Am Ende mussten wir beide so lachen – und ich habe mir sofort Notizen darüber gemacht, dass eben nicht mehr so gerne direkt gesprochen wird. Dazu dachte ich mir dann noch: Hoffentlich verlernen wir das nicht. Denn selbst bei der schönsten App – von Tinder bis Elitepartner – muss es irgendwann den Moment geben, in dem man sich in die Augen schaut und miteinander spricht.

Stichwort Dating-Apps und Ghosting: Welche Tipps hast du für unsere Leser:innen? Gibt es ein Rezept dafür, wie man heute noch den Partner fürs Leben findet?
Erst mal kann man ihn tatsächlich über diese Apps finden – wir alle haben ja Pärchen im Bekanntenkreis, die sich so kennengelernt haben. Aber Nena singt so schön: „Liebe wird aus Mut gemacht.“ Wenn einem also jemand sympathisch ist, muss man den Mut aufbringen, ihn anzusprechen. Bei diesen Apps bin ich schon gar nicht angemeldet. Ich mache es lieber wie früher und gehe zu Peek & Cloppenburg in die Damenoberbekleidung.
Dein Programm ruft also dazu auf, wieder aktiver und mutiger in Sachen Liebe zu sein.
Ja. Wobei viele bei „Lovemachine“ direkt „Sexmachine“ lesen – das ist aber nur ein Teilbereich des Ganzen. Es geht um die Liebe im Alltag: Dass man liebevoller miteinander umgeht. Denn unser Umgang ist doch sehr rau und hart geworden; alles ist mittlerweile so verhärtet und auf Effektivität und Ökonomie ausgelegt. Ein bisschen mehr Liebe im Umgang miteinander können wir gut vertragen.
Im selben Atemzug kritisierst du, in der heutigen Gesellschaft hätten Beziehungen nur noch ein WLAN-Passwort, aber keine stabile Verbindung mehr. Ist also auch das ein Aufruf dazu, mehr miteinander zu reden?
Ja – drei Likes sind eben noch kein intensiver Kuss. Das ist das Grundthema in meinem neuen Programm. Dabei ist es egal, ob ich als Atze erzähle, wie ich mich im Fitnessstudio angemeldet habe, oder ob ich anderen Tipps gebe. Früher hatte ich da mal ein Programm, das hieß „Richtig fremdgehen“. Heute sage ich: Um Himmels willen! Es geht alles schief, die Affäre kommt immer raus. Deshalb gebe ich jetzt Tipps, wie man innerhalb der Beziehung mehr tolle Sachen erleben kann.
Inzwischen stehst du seit über 30 Jahren auf der Bühne. Inwieweit hat sich das Schreiben deiner Programme und Witze gewandelt? Was beobachtest du an dir und deiner Arbeit?
Man muss auf jeden Fall den Zeitgeist aufnehmen, sonst steht man irgendwann in der Ecke und merkt es gar nicht. Im Zeitgeist steckt ja auch viel Spannung – gerade für eine Figur wie Atze Schröder, die früher vielleicht lauter und greller war auf der Bühne. Wenn ich über das Schreiben des Programms an sich nachdenke, läuft es nicht mehr so auf den schnellen Gag hinaus. Der kommt sowieso von selbst, das sollte über die Jahre sitzen. Mir geht es immer mehr darum, möglichst nah an der Wirklichkeit zu sein.

Sprich, du greifst umso mehr aktuelle Themen auf und schaust, was die Leute beschäftigt.
Ja, und manchmal drehe ich es sogar um. Junge Kolleginnen und Kollegen sprechen bei Stand-Ups zum Beispiel häufig über die eigenen Defizite und Befindlichkeiten. Ich dagegen habe eine Nummer im Programm, in der ich mich selbst abfeiere: „Schaut mich mal an, das ist der Wahnsinn! Mein Gott, dieser Körper – was für ein vitaler Rüde, das gibt es doch gar nicht.“ Und die Leute lachen sich kaputt, weil sich keiner mehr hinstellt und so etwas sagt. Vielleicht ist das auch der Zeitgeist: Dass man einfach mal sagt: „Doch, ich bin gar nicht so schlecht.“
Apropos Zeitgeist: Heute kommt die Bezeichnung „Atze“ gerade in der Jugendsprache vermehrt wieder auf. Wie stehst du dazu?
An sich war das immer schon mein Spitzname. Meine Mutter hat mich so genannt. Ich hatte eine ältere Schwester, und ich als kleiner Bruder war halt Atze – so wurde ich immer gerufen. Dass der Name jetzt eine erweiterte Bedeutung erfährt und mittlerweile wirklich positiv konnotiert ist, ist natürlich schön. Am leichtesten würde man es wohl mit „Kumpel“ übersetzen.
Was sollen die Fans, ob jung oder alt, abschließend aus der neuen Show mitnehmen?
Vielleicht so: „Was kann uns schon geschehen? Wir lieben das Leben.“ Denn es ist ja auch alles halb so wild, man regt sich über alles auf und dabei denke ich mir frei nach Vicky Leandros: Wir lieben das Leben.
Hard Facts:
- Atze Schröder mit „Lovemachine“ in Erfurt
- Wann: Dienstag, 22. September 2026
- Einlass: 18:30 Uhr, Beginn: 19:30 Uhr
- Wo: Alte Oper Erfurt, Gorkistraße 1, 99084 Erfurt
- Tickets: DasDie und Eventim
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