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Archäologen live erleben – Schau in Erfurts Geschichte

16. August 2026 • Geschrieben von Christiane Fischer
Archäologische Spurensuche auf dem Erfurter Rathausparkplatz mit Katrin Sczech. Foto: Stadtverwaltung Erfurt

Wer in diesen Wochen über den Erfurter Rathausparkplatz läuft, kann Archäologen bei der Arbeit über die Schulter schauen – im Wortsinn. Anfang August haben dort die Grabungen des Thüringischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie begonnen. Wie die Stadt Erfurt mitteilt, steht direkt neben der Grabungsfläche ein begehbarer Info-Container, von dessen Dach aus Passanten die Fortschritte jederzeit live verfolgen können.

Zweieinhalb Meter tief in die jüdische Stadtgeschichte in Erfurt

Erste Mauerreste und Erdschichten liegen bereits frei. Bis in etwa zweieinhalb Meter Tiefe wollen die Fachleute vordringen. „Wir wollen, wenn möglich auf die Gründungshorizonte der Gebäude kommen, um die eigentliche Baugeschichte so weit wie möglich festzustellen und zu dokumentieren“, sagt Christian Tannhäuser, Gebietsreferent für Mittelthüringen beim Landesamt.

Warum das Schaufenster „Tanzhayzl“ heißt

Ganz unberührt ist der Boden nicht: Beim Bau des Parkplatzes in den 1990er-Jahren trugen Arbeiter die obere Schicht ab. Damals entstand in kurzer Zeit eine grobe Dokumentation – die den Archäologen heute wichtige Anhaltspunkte liefert.

Auf dem Rathausparkplatz in Erfurt finden zur Zeit archäologische Ausgrabungen statt. Foto: Vitalik Gürtler

Der erste Grabungsabschnitt umfasst rund 100 Quadratmeter und ist so gewählt, dass ein Teil des mittelalterlichen jüdischen Tanzhauses freigelegt wird. Danach trägt auch der Container seinen Namen: „Tanzhayzl“ heißt auf Jiddisch „kleines Tanzhaus“. Das Gebäude diente der jüdischen Gemeinde als Gemeindezentrum – für Hochzeiten, Feste und andere Veranstaltungen.

Container gibt Aus- und Einblicke in Ausgrabungen

Zu sehen gibt es im Container schon jetzt etwas: Funde einer Grabung aus dem Jahr 2011, bei der im Garten des Hauses zur Narrenschelle nach der zweiten Synagoge gesucht wurde. Später soll die kleine Ausstellung über die laufenden Arbeiten informieren, wie Karin Sczech, Beauftragte für das UNESCO-Welterbe, mitteilt. „Wir laden alle Interessierten herzlich dazu ein, den Grabungsverlauf vor Ort mitzuverfolgen“, so Sczech. Begleitend sind Informationsveranstaltungen geplant, unter anderem am Tag des offenen Denkmals am 13. September.

Grabung in Erfurt läuft bis September

Die Arbeiten gehören zum Vorhaben „Welterbe entwickeln“. Seit 2023 zählt das jüdisch-mittelalterliche Erbe Erfurts zum UNESCO-Welterbe. Die Grabung soll die bisherigen Erkenntnisse zur Siedlung der zweiten jüdischen Gemeinde vertiefen, die von 1354 bis 1454 in diesem Bereich lebte.

Voraussichtlich bis zum 18. September dauern die Arbeiten, danach stellt die Stadt den Parkplatz wieder her. Der Container aber bleibt: Er soll auch nach dem Ende der Grabung am Rand des Parkplatzes über neue Erkenntnisse informieren.

Hard Facts

  • Was: Archäologische Grabungen
  • Wo: Rathausparkplatz Erfurt
  • Zeitraum: 3.August bis voraussichtlich 18. September 2026
  • Info-Container: unmittelbar neben der Grabungsfläche

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