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Weimar bekommt sein Schloss zurück – und einen jungen Kulturort gleich dazu

21. September 2026 • Geschrieben von Milena Mann
Erstrahlt in neuem Glanz: Im Oktober öffnet das Weimarer Stadtschloss endlich wieder seine Türen. Foto: Klassik Stiftung Weimar / Thomas Müller

Absperrungen, Staub und Lärm – Baustelle halt. Das war über einige Jahre der Dauerzustand im Weimarer Stadtschloss. Damit ist jetzt endlich Schluss. Der Ostflügel ist saniert und das muss gefeiert werden – drei Tage lang bei freiem Eintritt. Mit dabei: eine neue Dauerausstellung, ein Indie-Pop-Konzert im Schlosshof und das beliebte Co-Labor, das künftig fest zum Haus gehören soll.

In neuer Pracht: Stadtschloss Weimar

Es ist eine dieser Nachrichten, auf die so mancher Weimarer lange gewartet haben dürfte: Das Stadtschloss öffnet wieder seine Pforten. Wie die Pressestelle der Klassik Stiftung Weimar mitteilt, feiert die Stiftung gemeinsam mit der Stadt vom 2. bis 4. Oktober die Wiedereröffnung – mit Musik, Gesprächen, Mitmach-Angeboten und interessanten Blicken hinter die Kulissen.

Tanzen und Diskutieren

Los geht es am Freitag, 2. Oktober, um 16 Uhr mit der feierlichen Eröffnung auf dem Schlossvorplatz. Bei einer Tanzperformance inklusive Mitmach-Aktion könnt ihr euch schon mal richtig eingrooven. Danach wird’s erst mal wieder sachlich: Unter dem Titel „Mitreden übers Schloss: Was Weimar sich wünscht“ sind alle Weimarer:innen dazu eingeladen, darüber zu diskutieren, wie sich das Stadtschloss aus ihrer Perspektive darstellt. Am Ende soll eine Vision dazu entstehen, wie das Haus weiter ein offener Ort der Stadt bleibt. Wenn ab 20 Uhr alle zurück auf den Dancefloor im Schlosshof strömen, wisst ihr: Es ist Zeit für die mitreißenden Songs und klugen Geschichten der Indie-Pop-Band „Die Höchste Eisenbahn“.

Bei der großen Wiedereröffnung wird der Schlossvorplatz mal eben zum Dancefloor, wie hier schon beim „Feierabend mit Freunden“. Foto: Henry Sowinski

Der Samstag im Schloss gehört von 10 bis 22 Uhr der ganzen Stadt. Beim Familientag verschmelzen Wissensdurst und Musikgenuss: Zunächst erfahrt ihr bei einem Vortrag mehr über die Welt von Goethe im digitalen Zeitalter. Anschließend tritt im Veranstaltungssaal das Deutsche Nationaltheater Weimar mit seinem musikalisch-literarischen Programm auf. Später verwandelt der Erfurter KneipenChor den Schlosshof mal eben in eine Karaokebar und will alle Besucher:innen mitsingen hören. Der Abend klingt schließlich mit einem kniffligen Schloss-Quiz, einer fetzigen Kinderdisco und einer Schlossdisco für die etwas älteren Partygänger:innen aus.

Vom herabschauenden Hund zum Dancemove

Wer nach der Partynacht erst wieder sein inneres Chi finden muss, ist beim Yoga am Sonntagmorgen genau richtig. Rundum entspannt und ausgeglichen bekommt ihr dann Akustik-Pop, Chanson und Jazz vom Duo „KARLA“ auf die Ohren. Weitere Schlosshof-Konzerte mit Afrobeats von „Atafrava“ und Bläserklängen von „TubaLibre“ folgen an diesem letzten Festtag noch. Zum krönenden Abschluss spielt am Abend der international gefeierte Pianist Francesco Tristano im neuen Veranstaltungssaal. Wer dafür keinen Platz mehr ergattert: Der Schlosshof zeigt das Konzert kostenfrei und live.

Kunst am Bau

Laut der Pressestelle der Klassik Stiftung berichten darüber hinaus an allen drei Tagen die Mitarbeitenden unter dem Titel „Hinter den Kulissen“ von ihrer Arbeit. Einige Touren führen dabei in die Dichterzimmer und die Schlosskapelle – andere widmen sich der neuen Ausstellung, der Restaurierung und der Kunst am Bau. Die Plätze sind begrenzt, Tickets gibt es vorab im Ticketshop.

Über das Gentzsche Treppenhaus führt der Rundgang auch erstmals wieder in die historische Beletage. Die Dauerausstellung „Weimarer Klassik“ erzählt vom Schloss als Residenz und Machtzentrum und fragt zugleich, wie das Bild der Weimarer Klassik überhaupt entstand und weitergegeben wurde. In der neuen Passage lassen sich rund 400 Jahre Schlossgeschichte entdecken. Zudem entstehen im Schlossforum Weimar Räume für Veranstaltungen und Austausch. Damit geht ein Ausflug ins Stadtschloss künftig über den stupiden Museumsbesuch hinaus.

Neues Kapitel fürs Co-Labor

Eine zweite Neuerung betrifft das Co-Labor vor dem Schloss: Der hippe Holzkubus zieht in den Innenhof und die Eingangsbereiche um. Ermöglicht wurde das Projekt ursprünglich 2021 durch eine Sonderfinanzierung des Bundes – mit dem Ziel, die Stadtgesellschaft besser mit der Klassik Stiftung zu vernetzen. Gemeinsam mit der Abteilung Kulturelle Bildung wurden Vereine, Initiativen, Künstler:innen und Bürger:innen eingeladen, mitzugestalten. Herausgekommen ist eine Partizipationsplattform mit Open Stages, Workshops und Co-Working – nach und nach ergänzt um Sitzgelegenheiten, Bühnenanbau, Sonnensegel und Spielekiste.

Junger Kulturort fest verankert

Obwohl die Klassik Stiftung bereits vor dem Co-Labor Räume für Netzwerkveranstaltungen und Austausch anbot, machte dieses neue Projekt sowohl jene Stiftungsarbeit als auch die Akteur:innen und ihren Einsatz dahinter sichtbarer. Nun erreicht das Co-Labor also einen weiteren, wichtigen Meilenstein: Im Schloss erhält es mit dessen Wiedereröffnung Anschluss an Sanitäranlagen und Gastronomie, ergänzend kommen feste Sitzmöglichkeiten und Schutz vor sommerlicher Hitze dazu. Somit wird der junge Kulturort dauerhaft im Schloss verankert und finanziell abgesichert – schließlich soll er kostenfrei zugänglich bleiben.

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Das Stadtschloss selbst ist Herzstück des UNESCO-Welterbes „Klassisches Weimar“ und vereint Renaissance, Barock und Klassizismus. Jahrhundertelang residierten hier die Herzöge und Großherzöge von Sachsen-Weimar und Eisenach. Unter Herzogin Anna Amalia und Großherzog Carl August – und mit Goethe, der den Wiederaufbau nach dem Schlossbrand mitgestaltete – wurde die Residenz zu einem der einflussreichsten Kulturzentren Europas. Mit dem Ende der Monarchie 1919 mussten die Fürsten ihren Herrschaftssitz räumen, das Schloss wurde öffentlich zugänglich. Heute beherbergt es eine Kunstsammlung von Cranach bis zur Moderne. Im Oktober feiert der Ort als bedeutungsvolle Institution für Kultur, Erinnerung und Demokratie nun endlich sein Comeback im öffentlichen Leben Weimars.

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