Am 14. Juni wird es laut und bunt auf dem Goetheplatz in Weimar: Ab 16 Uhr beginnt dort der „Dyke* March“ – ein politischer Demonstrationszug, der „Frauen*-liebenden Frauen*“, kurz Dykes*, Sichtbarkeit verschaffen will. Hinter der Initiative stehen engagierte Aktivist:innen, die als loses Kollektiv den Dyke* March Weimar organisieren. Wie die Veranstalter:innen mitteilen, gehe es dabei um weit mehr als nur um queere Repräsentation im öffentlichen Raum. Es sei ein politischer Akt des Zusammenkommens, der Solidarität und des Empowerments – besonders für Menschen, die sich auf dem lesbischen* Spektrum verorten.
Dyke* March Weimar setzt starkes Zeichen für Sichtbarkeit
„In Thüringen haben wir die spezifische Situation, dass es sehr viel ländlichen Raum gibt, in dem Unsichtbarkeit, Gewalt und Diskriminierung eine noch größere Rolle spielen als in Metropolen wie Berlin oder Leipzig“, erklärt das Orgateam. Der Dyke* March wolle dem etwas entgegensetzen.
Dyke* March zeigt: Lesben* gehören sichtbar dazu
Der Begriff „Dyke“ wird in der queeren Community von vielen Frauen*-liebenden Frauen* selbstbewusst als politische Selbstbezeichnung verwendet – trotz seiner einstigen Verwendung als Schimpfwort. Der Dyke* March hat seinen Ursprung in den USA: Der erste fand 1993 in Washington D.C. statt, als dezidiert lesbischer Protestmarsch – parallel und als Reaktion auf die oft männerdominierte Ausrichtung der großen Pride-Paraden. Seitdem gibt es Dyke* Marches weltweit – von San Francisco bis Berlin.
Laut den Veranstalter:innen sei der Dyke* March ein notwendiger Ergänzungsort zu den bekannten Christopher Street Days (CSDs). „Aktuell und auch historisch werden insbesondere lesbische* Perspektiven unsichtbar gemacht. Dem wollen wir etwas entgegensetzen.“
Empowerment für Dykes*: Weimar wird zur Protestfläche
Das Sternchen (*) hinter Begriffen wie Dyke, Lesbe* oder Frau* steht dabei für eine Öffnung: Es soll Menschen mitgedacht werden, die sich nicht eindeutig oder ausschließlich als cis-geschlechtlich (also bei der Geburt einem Geschlecht zugeordnet und sich damit identifizierend) verstehen – etwa trans*, nicht-binäre oder intergeschlechtliche Personen. Ebenso wird mit dem Begriff „FLINTA*“ eine Gruppe beschrieben, die Frauen, Lesben, Inter-, Nicht-binäre, Trans- und Agender-Personen umfasst – also Menschen, die unter patriarchalen Strukturen besonders leiden.
Erfahrungen unterschieden sich
„Wir sind als Dykes* nämlich nicht nur mit Queerfeindlichkeit konfrontiert“, sagt das Organisationsteam, „sondern machen auch ganz andere Erfahrungen mit Macht, Diskriminierung, Hetero-Sexismus und patriarchalen Strukturen.“ Diese seien nicht für alle gleich: Erfahrungen unterschieden sich – je nach Hautfarbe, Behinderung, Alter, Religion oder Herkunft. Eine BIPoC Lesbe* (Black, Indigenous, People of Color) in Thüringen erlebe oft eine ganz andere Realität als eine weiße, nicht-behinderte Person in Berlin.
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„FLINTA*-Personen sind z. B. häufiger von Altersarmut betroffen, erleben weiterhin weitreichende Diskriminierungen auf dem Arbeitsmarkt, werden durch unterschiedliche Barrieren daran gehindert, am öffentlichen und politischen Leben teilzunehmen und sind nach wie vor massiv von Gewalt, Hassverbrechen und sexualisierter Gewalt betroffen“, betonen die Veranstalter:innen. Der Dyke* March wolle genau diese Realitäten sichtbar machen – und Betroffene miteinander verbinden.
Dyke* March Weimar schafft Raum für queere Community
Der Dyke* March Weimar wird vollständig ehrenamtlich organisiert. Angefangen hat alles 2024 mit einem kleinen Freundeskreis. Zwei der damaligen vier Gründungsmitglieder sind auch in diesem Jahr wieder dabei – ergänzt um zwei neue Personen. Das Team sei divers in Bezug auf Alter, Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung. Eine Leerstelle sehen die Organisator:innen allerdings noch: „Leider sind alle Teammitglieder bisher weiße Personen. Das ist noch eine Leerstelle, die wir gerne schließen würden.“
Goetheplatz Weimar wird Bühne für lesbische* Stimmen
Was das Team antreibt, ist der Wunsch, Räume zu schaffen – für Austausch, Zusammenhalt und politische Sichtbarkeit. Gerade in Thüringen, wo queere Infrastruktur eher schwach ausgebaut sei, fehle es an Angeboten für lesbische* Menschen, sagen sie. „Die Strukturen, die es gibt, finden häufig unter prekären Bedingungen statt oder werden gänzlich ehrenamtlich getragen – wie auch der Dyke* March Weimar.“
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Die Wahl auf Weimar sei nicht nur durch die Wohnorte der Organisator:innen begründet. Auch kulturell und historisch sei die Stadt ein wichtiger Ort, an dem queere Themen sichtbarer werden müssten. „Grundsätzlich ist jede Stadt die richtige für einen Dyke* March, denn Lesben* gibt es überall und Community ist – gerade in diesen Zeiten – für uns alle wahnsinnig wichtig“, so die Veranstalter:innen.
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Mit dem Dyke* March möchten sie auch politische Forderungen in den Raum stellen: nach stabiler institutioneller Förderung für Projekte von und für Dykes*, nach sicheren Orten für junge Queers und nach generationenübergreifenden Austauschmöglichkeiten. Es geht nicht nur um ein Event – sondern um strukturelle Veränderungen.
Für Sichtbarkeit und ein solidarisches Miteinander
Wenn am 14. Juni ab 16 Uhr auf dem Goetheplatz die ersten Schilder hochgehalten und Slogans gerufen werden, dann steht hinter diesem Moment eine politische Botschaft: „Indem wir die Dyke* Community und unsere Verbündeten einladen, mit uns auf die Straße zu gehen, schaffen wir Sichtbarkeit und ein solidarisches Füreinander-Einstehen. Denn Lesben* sollen sich hier nicht weiter alleine und unsichtbar fühlen.“
Weimar demonstriert für queere Vielfalt und Sicherheit
Der Dyke* March ist ein Protest – aber auch ein Fest. Ein Raum für Begegnung, für Stolz und für das gemeinsame Kämpfen. Oder, wie es das Organisationsteam zusammenfasst: „Community ist unsere Antwort.“
Hard Facts:
- Wann: 14. Juni | 16 Uhr
- Wo: Goetheplatz Weimar
- Mehr Informationen gibt es Hier:
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