Es riecht nach Schnee … und nach Weihnachtsgebäck. Es ist ein pittoreskes Heile-Welt-Szenario à la Gilmore Girls, in die uns das neueste Buch von Doreen Bergmann entführt. Weihnachts-Eskapismus, der alle Sinne stimuliert. „Stelzendorfer Weihnachtszeit“ heißt das neuste Werk von Thüringens wohl bekanntester Patissière, die sich diesmal Rezepte für Plätzchen, Kuchen und Herzhaftes im Advent zur Brust nimmt und damit das perfekte Hilfsmittel liefert, um sein eigenes persönliches Weihnachtsmärchen fernab der rauen Realität zu zelebrieren.
Doreen Bergmann veröffentlicht „Stelzendorfer Weihnachtszeit“
Pannacotta-Tarte mit Vanillekipferl, Popcorntorte mit Kirschpudding, beschwipste Schokoladenplätzchen, Kartoffelgulasch, Karamellobst mit Spekulatiussahne – mit 100 Rezepten auf 188 Seiten liefert Doreen Bergmann ein Backbuch, das mit viel Flair, Familiengeschichte und liebevoller Weihnachtsatmosphäre prall gefüllt ist. Wir sprachen mit der Patissière aus dem kleinen Ort bei Zeulenroda-Triebes über Weihnachtsmagie, Lieblingsplätzchen und Stars Hollow im Landkreis Greiz.
Ich habe dein Vorwort in deinem aktuellen Buch gelesen. Es erinnerte mich an unser letztes Interview zu Weihnachten 2024, in dem du die Weihnachtszeit in Stelzendorf beschreibst. Warum war dir das wichtig, die Leser:innen im Vorwort weihnachtlich „abzuholen“?
Weil Weihnachten so emotional und von Traditionen durchdrungen ist. Ich glaube, die Menschen wollen wirklich wissen, wie andere dieses Fest feiern – es zieht uns irgendwie magisch an, weil es immer mit Erinnerungen und Geborgenheit zu tun hat. Für mich waren es vor allem meine Großeltern, die diese Zeit geprägt haben, und diese Erinnerungen ziehen sich bis heute wie ein roter Faden durch mein Leben.
Was man als Kind von Weihnachten mitnimmt, beeinflusst total, wie man später selbst feiert. Manche übernehmen Traditionen, andere machen es ganz anders – aber alle verbinden Weihnachten mit so einer stillen Magie. Es ist die Zeit, mal innezuhalten, spielerisch zu sein, und ein bisschen Kindheit zurückzuholen. Abseits vom ganzen Stress und Konsum hat Weihnachten etwas unglaublich Beruhigendes, finde ich.
Und diese Magie fängst du auch mit den Bildern im Buch ein, stimmt’s? Man sieht oft deine Familie darin und spürt sofort, welch großen Stellenwert Weihnachten für euch hat.
Ja, meine Familie steht hinter diesem Projekt (Red.: Backbuch) – sie unterstützen mich voll. Es ist ja echt besonders, mal solche schönen Familienfotos zu haben. Gleichzeitig schätzen meine Kinder natürlich ihr normales Leben. Sie mögen es nicht besonders, im Rampenlicht zu stehen. Berühmte Eltern sind nichts, was sie sich aktiv wünschen. Früher, als Teenies, war das alles noch viel peinlicher für sie, aber inzwischen hat sich das total geändert – sie sind jetzt fast schon ein bisschen stolz.
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Ich erinnere mich an ein Kamerateam von der Süddeutschen Zeitung, das mal da war, um uns als Familie zu filmen. Meine Kinder waren damals echt genervt und gelangweilt, und ich musste sie halb überreden, mitzumachen. Aber mittlerweile sehen sie, dass solche Begegnungen oft wirklich spannende Geschichten mit sich bringen.
Die Bilder wirken auch deutlich winterlich. Hat es tatsächlich geschneit, als ihr die Fotos gemacht habt?
Unglaublich, aber ja – das war echtes Glück. Es schneit kaum noch in Stelzendorf, das letzte Mal richtig Schnee hatten wir vor zwölf Jahren. Ich weiß das so genau, weil meine Tochter vor zwölf Jahren geboren wurde und sie in ihrem ganzen Leben keinen echten Winter mehr erleben durfte.
Aber für das Buch hatten wir tatsächlich einen dieser magischen Momente: Es war ein Samstag und auf einmal begann es, richtig zu schneien. Ich habe sofort unseren Fotografen angerufen, und der sprang direkt ins Auto und kam zu uns. Das war alles nur Zufall, kein bisschen inszeniert, und diese Atmosphäre sieht man den Bildern wirklich an. Es war perfekt.
Das merkt man sofort. Der Titel „Stelzendorfer Weihnachtszeit“ transportiert dieses Gefühl. Was macht die Stelzendorfer Weihnachtszeit so besonders?
Es ist die Ruhe, das Zusammensein. Wir sind inzwischen eine Großfamilie, denn drei Kinder sind schon ausgezogen. Aber zu Weihnachten kommen alle heim. Da dreht sich die Welt ein bisschen langsamer. Es fühlt sich einfach friedlich und geborgen an.

„Stelzendorfer Weihnachtszeit“ heißt das neuste Werk von Thüringens wohl bekanntester Patissière Doreen Bergmann, die sich diesmal Rezepte für Plätzchen, Kuchen und Herzhaftes im Advent zur Brust nimmt. Foto: Funke Medien Thüringen
Früher habe ich die dunkle Jahreszeit gehasst, aber jetzt sehe ich sie ganz anders. Wir haben Rituale gefunden, die uns durch diese Zeit tragen – mein Mann räuchert leidenschaftlich mit Räuchermännchen, wir backen Quittenbrot, trocknen Apfelringe. Es ist wie eine Zeit des Durchatmens, des Ankommens.
Und der Duft, der gehört sicher dazu, oder?
Oh ja, der Duft macht so viel aus! Momentan riecht es bei uns vor allem nach Pilzen – wir haben in letzter Zeit Unmengen gesammelt, blanchieren und frieren sie ein. Die kleinen Päckchen werden uns durch den Winter begleiten. Es hat etwas Meditatives, solche Vorräte anzulegen, obwohl die Pilze bei uns gar nicht so sehr als Weihnachtsessen auftreten.
In deinem neuen Buch spielen sie auch keine Hauptrolle – auf den ersten Seiten sind es eher Tarts. Wie kam es dazu?
Ich liebe Tarts! Sie sind wie kleine Überraschungen – alles auf kleinem Raum, aber unglaublich intensiv und vielfältig. Eine meiner Lieblingskreationen ist die Panna-Cotta-Tart mit Vanillekipferl. Wir hatten so viel Spaß beim Experimentieren, dass das Backen förmlich zu einer Spielwiese wurde.
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Was meinst du mit experimentieren, hast du ein echtes Weihnachtsbacklabor zuhause?
Ja, so könnte man es nennen. Da bleibt viel Raum für Kreativität. Mir kommen tatsächlich manchmal mitten in der Nacht die verrücktesten Ideen. Zum Beispiel diese Litschi-Miso-Kombination – wir hatten so ein tolles Püree von unserer Schokoladenmarke hier und ich dachte: Passt perfekt.
Wie lange dauert es, bis aus so einer Idee dann ein Rezept wird?
Das geht häufig schnell, weil man die grundlegenden Prinzipien schon kennt. Ich bin kreativ und experimentierfreudig – und das merkt man an den Rezepten.
Ziemlich auffällig fand ich das Festtagsbrot mit Blaubeerbutter. Woher kam die Idee dazu?
Die Blaubeerbutter hatte ich vor Jahren mal probiert – ich weiß nicht mal mehr genau wo – und ich war sofort verliebt. Butter ist sowieso mein Ding, sie lässt sich in so vielen Varianten neu erfinden. Mit Matcha, Erdbeeren, Vanille … aber Blaubeeren haben diesen süßen, herzlichen Geschmack, der das Ganze irgendwie besonders macht.
Besonders ist das Stichwort: In deinem Buch finden sich viele besondere Weihnachtsplätzchen-Rezepte. Bist du schon mittendrin in der Weihnachtsbäckerei?
Oh ja, ich bin schon bei mindestens 20 Sorten. Wir fangen immer früh an – dieses Jahr Mitte Oktober, weil ich für die Show „Riverboat“, bei der ich Anfang Dezember auftrete, einiges vorbereiten musste. Da werden tolle Plätzchen von mir erwartet, daran führt kein Weg vorbei. Aber auch meine Kinder sind komplett im Backfieber, wir haben richtig Spaß daran.
Hast du in diesem Jahr ein persönliches Lieblingsplätzchen?
Gerade sind es die Chai-Plätzchen. Sie haben diese exotischen Gewürze drin, und ich kombiniere sie mit einer Aronia-Apfelmarmelade. Wir hatten dieses Jahr unglaublich viele Aroniabeeren, also musste ich sie einfach verwenden. Die Plätzchen sind irgendwie anders, spannend, und als kleiner Snack mit Streuseln total lecker.
Wie kommst du auf Rezepte wie deine außergewöhnlichen „Kartoffelchips-Cookies“ oder Snickerdoodles?
Die Kartoffelchips-Cookies sind ein Klassiker, der eigentlich durch meine Kinder bei uns gelandet ist. Damals war das mehr Zufall, aber mittlerweile ist das so ein Kult-Rezept geworden. Und die Snickerdoodles? Die kommen aus Amerika – dort sind die ein riesiger Renner. Ich mag sie total gern, weil sie so vielseitig sind. Mit einem Schuss Eierlikör sind sie sogar noch besser – die Leute lieben das.
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In deinem Buch ist so viel Abwechslung – von Kuchen bis Herzhaftes. Warum war dir Vielfalt wichtig?
Weil Weihnachten so viel mehr ist als nur Plätzchen. Es ist eine tiefere Erfahrung, die die ganze Bandbreite an Genuss umfassen sollte. Manchmal darf es süß sein, manchmal herzhaft – und es darf auch ein bisschen wie eine romantische Netflix-Serie wirken, finde ich. Wie bei den Gilmore Girls. Es hat etwas Zauberhaftes – und das schaffen wir hier in Stelzendorf. Ein Stück „Stars Hollow“, aber eben mit unserem eigenen Flair.
Das spiegelt sich auf jeden Fall in deinem Buch wider. Glaubst du, das ist es, was die Leute an Stelzendorf so fasziniert?
Absolut. Manche nennen es „Fairy Tale“, und das trifft es. Es ist echt und authentisch, aber irgendwie magisch – ich denke oft, das hier ist zu schön, um wahr zu sein. Wie bei den Gilmore Girls eben.
Und wie sieht die Zukunft aus? Hast du schon das nächste Buch in Planung?
Die Ideen sprudeln! Vielleicht ein Tortenbuch – das ist aktuell im Gespräch. Und ich habe auch ein tolles Projekt mit Paula, einer Studentin, die schon lange mit mir arbeiten wollte. Es soll etwas Neues werden, etwas völlig anderes. Aber für den Moment genieße ich erstmal, was ich erreicht habe. Vier Kinder, vier Bücher – und jetzt Weihnachten als schöner Jahres-Abschluss.
