Heute erlebt Nähen als Hobby wieder ein Revival – vor Jahrzehnten gehörte es selbstverständlich zum Alltag dazu. „Unsere Mutter hat viel Kreatives mit uns gemacht. Wir haben als Kinder viel mit Papier, Stoff und Naturmaterialien gebastelt, Stricken und Nähen gelernt. Häufig nahm sie uns mit zu ihrem einem Keramikzirkel, wo ausgebildete Laien zu künstlerischer Arbeit anleiteten. Dadurch wurde auch mein Interesse an kreativer Arbeit geweckt“, erinnert sich Maria Theune-Hobbs.
Textilkunst in Thüringen: Ein Atelier mit Geschichte
Später schloss sie in einer Porzellanfabrik eine Berufsausbildung als Keramikfacharbeiterin ab. „Vor Ort waren auch angehende Produktdesigner, die an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein studierten und mit Formen, Farben und Mustern experimentierten. Im Porzellanwerk konnten wir Lehrlinge bei den Formgestaltern in der Werkstatt herumexperimentieren. Das war schon sehr inspirierend“, so die heute 57- Jährige.
Vom Nähen bis zum Stempeln echte Handarbeit
Einen wirklichen Antrieb für ihre kreative Ader entwickelte sie aber – nach einem abgeschlossenen Geologiestudium – erst Jahre später nach der Geburt ihrer drei Kinder. „Zusammen mit einer Freundin und deren Kindern haben wir mit Kartoffeldruck Bilder gestaltet. Das machte uns allen einfach Spaß. Als wir dann auch Kissen und Taschen mit originellen Motiven bedruckten, erhielten wir viele positive Rückmeldungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Und so kamen wir auf die Idee, mehr daraus zu machen“, so Maria Theune-Hobbs.
Seit 2018 ist in den ehemaligen Kinderzimmern ihres Bauernhauses in Scheiditz mit einem Arbeits-, einem Drucktisch, Nähmaschine, Dampfbügler und Regalen voller Farbe die maju Textilwerkstatt zuhause. Anfangs noch zu zweit mit einer Freundin, werkelt die Thüringerin seit 2021 allein, die nach Idee und Entwurf ihre Stempel mit Linolschnittwerkzeug selbst herstellt.
Alte Techniken, moderne Muster: Handwerk in Thüringen
Sie verarbeitet ausschließlich Textilien aus Naturfasern wie Baumwolle, Hanf, Leinen oder Seide. Nach dem Waschen, Trocknen und Zuschneiden bedruckt sie ihre Stoffe mit schadstofffreier Textilfarbe in Handarbeit. Ein mühsames Prozedere, doch dafür ist jedes ihrer Stücke ein echtes Unikat. Die Produktpalette umfasst aktuell Kissenbezüge, Taschen, Gefäße (wie einen Papier- oder Brotkorb) und Tischläufer. Perspektivisch sollen noch Lampenschirme hinzukommen, aber diese befinden sich noch in der Testphase und benötigen noch etwas Feinschliff.
Inspiration in der wilden Natur des Baltikums
Mit ihren selbstbedruckten, von Hand bearbeiteten Textilien ist Maria Theune-Hobbs in Thüringen ziemlich einzigartig – und mit ikonischen Motiven in erfrischenden Farben oder originellen Mustern ebenfalls. „Ob Häuserwände, Fußböden, Tapeten, Stoffe oder die Kleidung: Überall entdecke ich originelle Farben, Formen, Muster oder Motive, die ich als Impulse nehme, um sie weiterzuentwickeln. So trug neulich eine Frau eine Jacke mit grünlichem Gelb- und pinken Himbeerton – auf eine solche stimmige Farbkombination wäre ich nicht gekommen. Solche Entdeckungen halte ich auf Fotos fest.“
Eine weitere Inspirationsquelle sind Flora und Fauna mit ihren vielfältigen Formen- und Farbenspielen. Die wilde Natur des Baltikums und Polens hat es der passionierten Kajakfahrerin besonders angetan, wo sie mit ihrem Ehemann gern den gemeinsamen (Abenteuer-)Urlaub verbringt: „Wir sind oftmals eine Woche lang vollkommen autark in der Natur unterwegs und übernachten im Zelt.“
Austausch auf Handwerksmärkten
Auch wenn sie Textilien im wörtlichen Sinne ihren Stempel aufdrückt: Von der kreativen Handarbeit allein kann Maria Theune-Hobbs nicht leben. Obwohl sie einen Gewerbeschein für ihre Textilwerkstatt besitzt, bleibt es ihr großes, heißt: zeitraubendes Hobby – viel Gewinn mache sie mit den Verkäufen schon durch die hohen Einkaufspreise ihrer Stoffe nicht. Auf Handwerksmärkten wie in Naumburg, Jena oder Leipzig schätzt sie den Austausch mit den Leuten vor Ort: „In den meisten Fällen besteht hier große Begeisterung an meiner Arbeit und viele Leute sind daran interessiert, wie ich daran gearbeitet habe.“
Kreativität an Kinder weitergeben
Hauptberuflich arbeitet Maria Theune-Hobbs seit 2017 nach einem gelungenen Quereinstieg als Erzieherin in einer Grundschule in Bad Klosterlausnitz. Hier wird mit den Kindern gespielt, gebastelt, geklebt, gemalt und gewerkelt. Und wer weiß: Vielleicht werden in dieser jungen Generation auch bislang verborgene kreative Talente geweckt – egal ob am Pinsel, mit Schere und Papier oder durch Farbe und (Kartoffel-)Stempel.
Hard Facts:
- maju Textilwerkstatt:
- Dorfstraße 10 | 07646 Scheiditz
- Instagram: @maju.textilwerkstatt
- Weitere Infos: maju-textilwerkstatt.de
