Text: Jade Pannier
Am Abendbrottisch mit seiner Familie war die Idee entstanden, den Instagram-Account von Marco Hausdörfer ein bisschen „aufzupimpen“. Der unvoreingenommene Beigeschmack dieses Moments nach dem Motto „kann man ja mal machen“ umgibt den 52-Jährigen noch immer. „Es gab dann einen Post, der fünfte oder sechste, der 2,4 Millionen Mal angeschaut wurde. Das war der Punkt, an dem wir dachten, das gibt’s doch nicht“, erzählt er.
Marco Hausdörfers Influencer-Reise – von Erfurt in die Modewelt
In wenigen Sekunden zeigt der Post, wie der Erfurter sich anzieht, Outfits wechselt und in die Kamera lächelt. „Styling mit 52“ heißt es über dem Video. Modetipps für Männer dieser Altersgruppe stehen auf Marco Hausdörfers Instagram im Mittelpunkt, das hebt seine Inhalte ab. Im Vergleich zu anderen Influencern, deren Posts immer kontrastreicher, schneller und explosionsartiger anmuten, überzeugt sein Feed mit klassischer Ästhetik.
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Heute, nach rund fünf Monaten, zählt Marco Hausdörfer 107 Tausend Follower. In seiner Nische spielt er im deutschsprachigen Raum ganz oben mit. Das Geheimnis? „Das ist für uns die Frage, die wir nicht beantworten können.“, sagt er. „Wir glauben, dass ich als Typ sehr authentisch rüberkomme, normal und einfach greifbar bin.“
Klassiker statt Trends: Ein Thüringer inspiriert Männer auf Instagram
Begonnen hat alles im Alter von 13 Jahren mit dem Umzug nach Erfurt. Hier besuchte Marco Hausdörfer ein Sportgymnasium und ebnete den Weg für die professionelle Fußball-Karriere. „Mit 28 musst du dann mal fragen: wo geht die Reise für dich hin?“, erklärt er. Mit einem Bekannten gründete Marco Hausdörfer ein Unternehmen, das deutschlandweit Sanitär- und Badmöbel verkaufte.

Was begann mit einem kleinen Instagram-Projekt, wurde für den Erfurter Marco Hausdörfer zum großen Erfolg. Spannende Modetipps, elektrische Energie für Männer 50+ – und eine Geschichte, die dich überraschen könnte. Foto: Jade Pannier
Etwa fünf Jahren später schwenkte sein Fokus auf ein experimentelles Konzept aus Italien: Pizza in Eistütenform. „Falscher Ort und falsche Zeit. Ich hatte dann meine Firma verloren und musste bei null anfangen“, sagt der Influencer. Ein Aushilfsjob in einem Erfurter Schuhladen sollte ihn wieder auf Füße bringen. Das war der Einstieg in die Modewelt, die den Thüringer schon immer begeisterte.
2,4 Millionen Klicks mit Stil – Mode aus Erfurt für Männer über 50
Nach einigen Monaten bot ihm das Kleidungsgeschäft nebenan eine Stelle an. „Da habe ich den Sprung geschafft von der Aushilfe zu einem festen Job“, sagt der 52-Jährige. Als Nächstes landete er bei dem Young Fashion Store „Cutters“, wo er viereinhalb Jahre lang arbeitete, ein Studium zum Bekleidungsfachwirt machte und zum Store Manager aufstieg. Im Anschluss hangelte Marco Hausdörfer sich über verschiedene Jobs bei TK Maxx, Douglas, Jack & Jones und Vero Moda durch die Erfurter Innenstadt und übernahm im Oktober 2021 einen eigenen Laden. Heute führt er neben „by Franco“ in der Schlösserstraße eine zweite Filiale an der Erfurter Messe.
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„Ich hab meine eigene Philosophie“, sagt der 52-Jährige, „ein bisschen was Besonderes, keine Masse.“ Pauschale Stilsünden gebe es für ihn genauso wenig wie allgemein gültige Styling-Tipps. Modisch sei stattdessen, was Selbstbewusstsein und Glücksgefühle schenke. Diese Leitlinie spiegelt sich in der Kollektion seiner Stores und in seinem eigenen Auftreten wider. Online präsentiert er sich in lässigen Jeans und schicken Stoffhosen, schlichten T-Shirts, gestreiften Hemden oder bunt gemusterten Pullovern. Alles außer Extravaganz. Eine Kopfbedeckung ist sowieso immer dabei. Ziel sei es, Männer und Frauen jeder Altersklasse zu inspirieren, modische Kleidung für das eigene Wohlgefühl zu tragen, erklärt Marco Hausdörfer.
Seine Familie unterstützt den Influencer im Hintergrund
Die positive Resonanz auf Instagram genieße er in vollen Zügen. Fans aus der ganzen Welt kontaktieren ihn und kommentieren seine Beiträge. Einige reisen extra nach Erfurt, etwa aus Düsseldorf oder Schwerin, um sich von ihm professionell einkleiden zu lassen. Der neue Fame kommt seinem Geschäft zugute. So greifen sein Hauptberuf und das Influencerdasein in natürlicher Weise ineinander, sagt Marco Hausdörfer. Schließlich entstünden die meisten Posts im Alltags, zwischen Terminen, privaten Verabredungen und Touren durch die Blumenstadt, die oft im Hintergrund zur Geltung kommt.
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Freie Zeit bleibe trotz der familiären Unterstützung kaum. Die Social-Media-Arbeit nehme etwa 30, 40 Prozent seines Tages ein, die Leitung seiner Stores den Rest. Über die Zukunft mache Marco Hausdörfer sich keine Sorgen. Die Position als Ladenbesitzer will er auf keinen Fall aufgeben. Weitere Aspekte der Influencer-Welt nehmen allerdings zunehmend mehr Raum ein.
Darunter Hasskommentare, etwa „Opa zieh dich mal anders an“ oder sein Auftreten sei „nicht altersgerecht“. „Da fällt man schnell in ein Loch“, weiß der Erfurter, „die ersten negativen Kommentare haben mich auch gestört.“ In den allermeisten Fällen sei das Feedback jedoch positiv.
Wirklich spannende Angebote bedürfen Geduld
Auch die finanzielle Seite der Social-Media-Arbeit nimmt Gestalt an. Ab etwa 500 bis 1000 Followern können Influencer an ihren Posts verdienen. Obwohl Marco Hausdörfer diese Schwelle längst überschritten hat, habe er gerade erst eine allererste Kollaboration unterschrieben. „Wir sprechen hier von einem ganz, ganz kurzen Zeitraum, indem das so explodiert ist“, erklärt er, die großen Modelabels verplanen ihr Budget weit im Voraus und können gar nicht so schnell reagieren. Trotz zahlreicher Anfrage haben er und seine Familie daher nichts überstürzen wollen. Auch Einladungen zu Events oder anderen Formaten, die für viele Influencer dazugehören, stehe Marco Hausdörfer offen gegenüber.
Eine Sache ist allerdings gesetzt: Als Familienmensch und stolzer Thüringer will er nicht übermäßig viel weg sein. Glücklicherweise lässt sich ein Instagram-Account bekanntermaßen von überall füttern. Und Stil-technisch haben die Thüringer auch noch Luft nach oben, ergänzt er mit einem Augenzwinkern. Einen Grund, die Influencer-Karriere irgendwann zu beenden, sieht er derzeit nicht: „Mode kennt keine Altersgrenze!“
Hard Facts:
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